Das Püppchen, Teil Zwei: Zweigeteilt

Das kleine Kuschelpüppchen. Nicht Chucky die Mörderpuppe
Das kleine Kuschelpüppchen. Nicht Chucky die Mörderpuppe

Von Kindern, die ohne ihr Kuscheltier nicht schlafen können, habe ich bereits berichtet. Auch von Eltern, die wohlweislich vorsorgen und vier Exemplare dieses Kuscheltieres auf Vorrat kaufen. Wer dachte, dass damit die Püppchen-Episode auserzählt ist, so dachte jedenfalls ich, der liegt völlig falsch. Diese Woche war unser kleiner Held krank und hat eine gänzlich neue Dimension des Kuscheltierkuschelns hinzugefügt:

Die Woche begann mit einem hustenden, schniefenden und herzzerreißend winselnden Winzling. Wie krank er ist, zeigte er uns, indem er alles doppelt brauchte: Zwei Schnuller (einer im Mund, einer in der Hand) und vor allem: Zwei Püppchen. Gottseidank haben wir so viele im Haus! Wer jetzt richtig mitgerechnet hat und weiß, dass unser Kleiner keine drei Hände hat, der wird berechtigte Zweifel an dieser Anekdote anmelden. Aber die lassen sich ganz leicht entkräftigen: Entweder das Zweitpüppchen oder der Zweitschnuller konnte in greifbarer Nähe abgelegt werden, oder das Gewinsel wurde noch ergreifender.

Im Laufe der Woche ging es dem Patienten merklich besser, aber den Püppchen nicht. Das eine blieb auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Wir haben alles abgesucht, unterm Bett, im E-Herd, in den Schubladen. Für die Spültaste ist er noch zu klein sonst, wäre es wohl traurige Gewissheit, dass er das Püppchen endgültig ins Klo weggespült hat. Dabei blieb es aber nicht: Püppchen Nummer Zwei wurde auf kindlich – grausame Art nach tagelangen Powerkuschelns in zwei Stücke gekuschelt. Ja, tatsächlich: Das weiß-wollige Unterkleid des Püppchens rutschte immer weiter nach unten. Beziehungsweise der cremefarbene Torso immer weiter nach oben. Und – Schwupps – war das Püppchen zweigeteilt. Und die Experimentierfreude der Eltern geweckt! Was würde passieren? Blieb das es das Lieblingskuscheltier? Oder würde das kaputte Püppchen nun entsorgt und in den Püppchenhimmel geschickt?

Denkste! Die Nacht über kuschelte der kleine Mann mit dem unteren Teil des Püppchens, also mit Beinen und Armen. Tagsüber begnügte er sich mit dem Rumpf. Das hört sich süß an, sieht aber eher nach Horrorfilm aus. Ein Nähversuch scheiterte am Willen und der Kraft unseres Kindes, der aus einem Püppchen sofort wieder zwei machte. Das Ende vom Lied: Auch ein halbes Püppchen lässt sich kuscheln wie ein ganzes. Was wohl passiert, wenn er vom Torso noch die rot-weiße Zipfelmütze abreißt? Es bleibt die philosophische Frage: Was macht ein Püppchen zum Kuschelpüppchen und wann hört es auf, eines zu sein…?

 

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