Ein Wochenende in München

Der Marienplatz ist zwar das Wahrzeichen von München. Den Kindern wars trotzdem langweilig
Der Marienplatz ist zwar das Wahrzeichen von München. Den Kindern wars trotzdem langweilig

Der letzte Ausflug nach München mit den Kindern ist schon eine Weile her. Da trifft es sich gut, wenn man eine Taufpatin in München hat, die gleich beim Tierpark wohnt und eine Mama, die zufällig in den Bavaria Filmstudios eine Yogalehrerausbildung macht. Was wir in München so alles erlebt haben und ob es den Kindern überhaupt gefallen hat, das erfährt Ihr im neuen Eintrag im Elterntagebuch:

Praktisch ist es, wenn man im Tierpark ein Leiterwagerl mit dabei hat!
Praktisch ist es, wenn man im Tierpark ein Leiterwagerl mit dabei hat!

Unser Miniurlaub in München begann schon damit, dass unsere Kinder, die bisher Autofahrten nach Kroatien und in die Toskana ohne zu Murren durchgestanden hatten, ab Rosenheim minütlich fragten: "Wann sind wir denn da?" Gut, dass wir ohne Stau in einer guten Stunde am Ziel waren.

Während sich die Mama mit ihren Yogis austobte, besuchten wir zusammen mit Kathi und Karl den Tierpark. Erste Erkenntnis der Kinder: Flamingos stinken! Oder war es doch der Papa? 

Zweite Erkenntnis: Was für ein Segen ist es, einen Bollerwagen auszuleihen! Denn selbst Kinder, die bereits seit fünf Jahren Laufen können, bekommen nach zehn Sekunden im Tierpark plötzlich schwere Füße und wollen getragen werden.

Dritte Erkenntnis: Ein Tierparkbesuch mit Kindern läuft immer gleich ab: Die ersten zehn Tiere werden stundenlang mit unstillbarer Neugier und Wissensdrang begutachtet. Den letzten 490 wird kaum mehr Beachtung geschenkt. "Schaut mal, ein Elefant!" "Ah, ein Elefant." (Kinder drehen sich um und gehen weiter...).

Die erste Stunde sah das noch ganz anders aus. Eine gefühlte Ewigkeit musste jedes einzelne Aquarium begutachtet werden. Jeder einzelne Piranha musste entdeckt werden, die Anaconda musste durch Klopfen auf die Scheibe so lange gereizt werden, bis sie dann doch gelangweilt den Kopf hob und bei den Haifischen verweilten wir so lange, bis die Kinder absolut sicher waren, dass kein Tierwärter versehentlich ins Becken fiel und aufgefressen wurde.

Die größte aller unbeantworteten Fragen allerdings blieb: "Warum haben die Affen einen roten Popo???" Der Papa zuckte die Achseln und war erleichtert, dass keine weiteren Fragen kamen, als er feststellte, dass nicht nur der Popo, sondern auch andere Körperteile rot waren. 

Nachdem man sich für sämtliche Fische, Quallen und Affenarten ausgiebig Zeit genommen hatte, ließ die Motivation der Kinder drastisch nach. Auch nach einer Brotzeit, die aus Schokokeksen bestand, wollte kein größeres Interesse mehr für die Tiere aufkommen. Kurz flammte noch Begeisterung auf, als wir den Tiger entdeckten. Aber als der Löwe, auf den sich alle am meisten gefreut hatten, träge und den Rücken zugekehrt, auf seiner Insel lag, wollte unser kleiner Löwe müde nach Hause.

Davor ging es aber noch zum Spielplatz und meine beiden Co-Kinderaufpasser stellten schnell fest, dass die durchschnittliche Zeit, in der man auf einem großen Spielplatz seine Kinder komplett aus den Augen verliert, etwa 5,8 Sekunden beträgt.

Nach dem Tierparkbesuch fielen Loni und ich - und ich schäme mich nicht dafür - in einen tiefen Erschöpfungsschlaf. Die anderen hatten nicht so viel Glück, da ihnen Bastian gefühlte zwei Stunden lang plappernd Anekdoten aus seinem Leben und Beiträge aus seinem breiten Tierparkwissen darbot.

 

 

 

Mantrasingen in den Bavaria Filmstudios

Zu Besuch in Obelix' Hinkelsteinbruch in den Bavaria Filmstudios
Zu Besuch in Obelix' Hinkelsteinbruch in den Bavaria Filmstudios

 

Am Abend ging es weiter zu den Bavaria Filmstudios. Während drinnen die angehenden Yogalehrer bei Spanda- Yoga ihre Verrenkungsübungen mit Prana kombinierten, spazierten wir über das menschenleere Gelände der Filmstudios. Die Kinder entdeckten das Gallierdorf von Asterix und Obelix und sogar das Dorf von Wickie und den starken Männern. 

Danach gab es im Sonnenuntergang ein leckeres Buffet, das die Yogis vorbereitet hatten. Wir wollten auch etwas beisteuern: Leberkäsbrät. Aber da wir uns nicht sicher waren, ob die bayerische Nationalspeise auch ayurvedisch ist, disponierten wir auf Lachsbrötchen um (Die übrigens auch nicht ayurvedisch sind!).

Danach freuten wir uns auf das - die Mama hatte es uns als "Konzert" und "Party" angepriesen - Mantrasingen.

Gespannt schauten wir dem Musiker zu, der zunächst mit Gitarre Lieder im Stile von Hans Söllner zu singen begann (und auch so ähnlich aussah, nur fünfzig Jahre jünger). 

Wenn man genauer hinhörte, sang er aber darüber, dass wir uns alle lieb haben und wir gut zur Natur sein sollen und als die Yogelehrer begannen, gemeinsam zu tanzen und uns nicht erschließliche Choreographien darzubieten, begannen Karl und ich, nach einem kurzen Blickwechsel, uns langsam und achtsam, rückwärts aus dem Yogaraum zu entfernen. Uns fiel ausgerechnet jetzt ein, dass wir noch die Lea, Karls Hund, Gassi führen mussten. 

Die Kinder ihrerseits machten begeistert mit beim Mantrasingen.

Nach dem Mantrasingen gab es zur Belohnung Brotzeit
Nach dem Mantrasingen gab es zur Belohnung Brotzeit

 

Obwohl die Mama stinksauer wegen ihres ignoranten Ehemannes war und weil sie sich nun nie wieder in der Yogaszene blicken lassen kann, ließen wir den Abend doch noch versöhnlich im Biergarten der Harlachinger Einkehr ausklingen.

Dort gab es ganz unayurvedische Massen für ganz unmünchnerische 6,60 Euro und auf den Schreck, beinahe die Erleuchtung erlangt zu haben, gönnten wir uns eine gut bayerische Brotzeit.

Loni bewies erneut, dass er ein richtiger Wirtshausbruder sein kann und unterhielt die Gäste mit einigen Stammtischreden. Hierbei sei erwähnt, dass der kleine süße Loni sich eine neue Stimme antrainiert hat: Er redet nur noch mit dunkler, tiefer, in der Tat angsteinflößender Stimme. "Loni, wie macht denn eine Ziege?" Loni meckert mit tiefer Stimme und schreit: "Ich bin eine böse Ziege!"

Klingt eigentlich lustig. Mir schwant allerdings, dass er das die nächsten Jahre so durchziehen wird. Schade, dass das Elterntagebuch keinen Ton hat, dann könnte ich Euch die neue Stimmlage vorspielen und ihr meine Sorge besser verstehen...

Unterwegs in München

 

Am Sonntag lernten wir die nächste Lektion in Sachen München und Kinder: Was kann man mit Kindern unternehmen, wenn man nur einen Vormittag Zeit hat? So gut wie nix.

Wenn man Zeit mit Kindern verbringt, versteht man die Relativitätstheorie. Immerhin schafften wir in den drei Stunden Zeit, die wir in der Innenstadt hatten, den Marienplatz zu besuchen. Und den Englischen Garten. Und einen Spielplatz.

Was ohnehin alles Makulatur war, denn am besten hat den Kindern das Bus- Straßenbahn- und U-Bahn fahren gefallen. Kein Wunder, sind doch die Enkel eines Eisenbahners. 

Für den Marienplatz interessierten sie sich gar nicht. Nicht mal der Hinweis, dass dort die Bayern jedes Jahr ihre Meisterschaft feiern, bewegte Bastian dazu, einen Blick hinauf zu werfen.

An der Frauenkirche entdeckten wir wenigstens einen großen Brunnen an dem die Kinder spielten. Und schon war die erste Stunde schon wieder vergangen. 

Karl besorgte uns die besten Bratwurstsemmeln die es genau dort an der Frauenkirche gibt und wir stritten noch kurz mit der Bedienung, die uns nicht in ihren menschenleeren Biergarten sitzen lassen wollte. Setzten wir uns halt vor ihren Tisch auf den Boden. Die Würstel waren trotzdem gigantisch und die Ketchupflecken auf den Hosen der Kinder blieben eine schöne Erinnerung.

Nach einigen Gewaltmärschen mit unseren fußkranken Kindern erreichten wir nach dreihundert Metern die nächste Straßenbahnstation und gelangten nach nur zwei Mal Umsteigen zum Englischen Garten. Dort wollten wir ihnen die supercoole Surfwelle zeigen. Die Kinder ihrerseits wollten uns lieber den supercoolen Spielplatz zeigen, der nur wenige Meter weiter war. Und auf einmal konnten sie auch wieder selbständig laufen. 

Und schon war die Zeit und der schöne Urlaub in München wieder vorbei.

Wir verabschiedeten uns von Kathi und Karl und holten die Mama ab, die mit anderen Yogis schon auf uns wartete.

 

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