Der Super-Fußballsonntag in Surberg

Dieses Wochenende stand wieder Fußball auf dem Programm: Die G-Jugend des SV Surberg lud zum Freundschafts-Turnier am heimischen Fußballplatz ein. Man muss schon einmal dabei gewesen sein, um sich vorstellen zu können, was da los ist: Es wäre ja schon ein Wahnsinns-Event, wenn allein die Kinder der fünf Mannschaften samt Trainer-Tross über die zwei Klein-Felder herumwuselten. Zusätzlich sind aber (logischerweise) auch noch Mamas und Papas und Omas und Opas und sonstige Schlachtenbummler mit am Spielfeldrand, so dass es bei den Spielen der Kleinen meist mehr zugeht als bei den Spielen der Großen!

Der erste Schlachtensong, den wir als Nachwuchs-Kicker des SV Kirchanschöring mit unseren hellen Stimmchen gegrölt hatten, ging so:

Surberger Stürmer

kriechen wie die Würmer!

Kriechen in den Dreck,

sind sei alle weg!

Fast dreißig Jahre später ist es nun also passiert: Mein Kleiner spielt selbst für den SV Surberg und ein erstes Mal stand seine Mannschaft auch meinem Heim- und Herzensverein, dem SV Kirchanschöring gegenüber.

Das schöne beim Nachwuchsfußball ist dann auch, dass in den Teams der Kleinen immer wieder Spieler mitspielen, die einem aus den Schlachten der eigenen Jugend bekannt vorkommen. Und tatsächlich entdeckt man dann am Spielfeldrand die Papas, mit denen man selbst einmal Fußball gespielt hat.

Heiß diskutiert wurde unter den Eltern das Thema "Spaß beim Fußball". Bei den kleinen Surbergern legt das Trainergespann großen wert darauf, dass alle Kinder zum Zuge kommen und die Freude im Vordergrund steht, weniger der Sieg. Eigentlich selbstverständlich in der G-Jugend, könnte man meinen. 

In Surberg hat dies zur Folge, dass es kaum einen Jungen der Altersklasse gibt, der nicht in der G-Jugend Fußball spielt. 

So liefen beim Turnier zwei Surberger Mannschaften auf, die sich gleich das erste Duell lieferten. Obwohl die Top-Torjäger für Surberg 2 aufliefen, ging Surberg 1 sensationell mit 1:0 in Führung. Am Ende ging es 1:1 aus. Was ohnehin ziemlich egal war, da es, wie gesagt, mehr um den Spaß am Sport als um das Ergebnis ging.

Dass nicht alle Mannschaften im Chiemgau so denken, davon hatte ich im Vorfeld bereits gehört. Einige der Surberger Spieler hatten ihre ersten Trainings-Erfahrungen in Traunstein gesammelt und hatten dort eine perfekt durchorganisierte Trainingsmaschinerie vorgefunden. Was sie dort nicht hatten war: Spaß.

Beim Duell Surberg 2 gegen den SBC konnten wir Fan-Eltern ungewollt ein Bild davon machen, dass diese Geschichten nicht nur Anekdoten unter konkurrierenden Vereinen sind. Die SBC-Kinder wurden professionell gecoacht. Die Spieler wurden lautstark auf jeden Fehler hingewiesen. Natürlich wurde geflucht, wie man es von den Großen her kennt. Und als der kleine Torwart im Alleingang den Siegtreffer der Surberger selbst auflegte, hat er die folgerichtige Standpauke vom Trainer erhalten. So geht das ja nicht, dass der SBC gegen diese Surberger Dorfkicker da sang und klanglos untergeht.

Die Surberger Trainer achten streng darauf, dass kein Kind kritisiert oder bloßgestellt wird. Im Gegenteil: Sobald eine Aktion halbwegs gelungen ist, werden die kleinen Fußballer gleich gelobt.

Mich hätte es auch nicht gewundert, wenn von außen aufs Spielfeld gerufen worden wäre:

"He, Stürmer! Wenn du schon Blumen pflückst, dann pflück auch einen Strauß für deine Mama!"

"Super, Sebastian! Du hast deinem Gegenspieler beinahe ein Tor aufgelegt! Nächstes Mal, flanke aber zu einem unserer Spieler!"

"Ferdi, jetzt hast du schon wieder zu Null gespielt! Lass doch den Gegnern wenigstens ein Tor rein!"

"Luki, du hast schon so viele Tore geschossen, jetzt lass doch den Luca auch mal schießen!"

Aber ganz so rosa war die Brille dann natürlich doch wieder nicht.

Habe ich erwähnt, wer das Spiel gewonnen hat? Muss ich nicht, denn es ging ja nicht ums Gewinnen, sondern um den Spaß. Und dieses Duell hätten die SBC Spieler beinahe gewonnen - wenn sie nicht nach der Partie noch die Spielanalyse um die Ohren gepfeffert bekommen hätten.

Der Jugendfussball und die DSVGO

Viele wissen, dass ich viele Jahre den SV Kirchanschöring als Presseschreiber und Fotograf begleitet habe. Und so würde es sich auch anbieten, als Fußballer-Papa wieder Spielberichte und Fotos über die Spiele zu erstellen. 

Allerdings hat sich seit den Neunziger Jahren so manches geändert. Beispielsweise der Datenschutz. Meine Frage, ob ich das Mannschaftsfoto der Surberger veröffentlichen dürfe, konnte nicht genau geklärt werden. Denn vermutlich hatten alle Eltern die DSVGO Erklärung unterschrieben, dass Bilder ihrer Kinder auf Fotos von Fußballspielen veröffentlicht werden dürfen.

Aber "vermutlich" hilft wenig, wenn es zu einer Abmahnung kommt.

Die Rechtslage besagt, dass theoretisch von jedem einzelnen Zuschauer, der auf den Fotos auftaucht, die Erklärung eingeholt werden müsste. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Auch wenn ich nur Fotos verwende, auf denen mein eigenes Kind im Mittelpunkt steht, kann es noch immer passieren, dass eines der anderen Kinder erkannt werden könnte. Auch die richtigen schönen Fotos kann ich Euch somit nicht zeigen.

So wichtig Datenschutz auch ist, so macht er einige Aspekte des Lebens auch ein wenig ärmer. 

Solltet Ihr Euer Kind auf meinem Blog wiedererkennen, lasst es mich bitte unbedingt gleich wissen, wenn Ihr die sofortige Löschung des Bildes wünscht!

Dankeschön!

Gerade habe ich Bastian gefragt, ob ich diesen Text und die Fotos so veröffentlichen darf: "Ist mir Wurst, Papa. Tu's rein, wenns dir hilft!"

Das Elterntagebuch - Die ersten Jahre

Heiter-informative Anekdoten aus dem Alltag eines jungen Papas

Heiter-informative Anekdoten aus dem Alltag eines jungen Papas

10,00 €

  • verfügbar
  • 1 - 3 Tage Lieferzeit

Kommentar schreiben

Kommentare: 0