Krawall im Schanzenviertel

Leseprobe aus den "Kleinstadtrebellen"

Hamburg, Sankt Pauli, Schanzenviertel. Gleich im ersten Kapitel der Kleinstadtrebellen geraten Peter, Justin und ihre Freunde in eine gewaltige Randale im Schanzenviertel. Tausende Polizisten stehen autonomen Randalierern gegenüber. Dazwischen die bayerischen Kleinstadtrebellen die bald die Erfahrung machen, wie schnell man als touristischer Zaungast gezwungen werden kann, Flagge zu bekennen. Viel Spaß bei der kleinen Leseprobe:

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Das Schanzenviertel brannte. Schon von Weitem sahen sie die Flammen, die aus einem mittelgroßen Feuer mitten auf der Straße empor züngelten.

Justin lachte: „The same procedure as every year.“

„Das Schanzenfest ist eigentlich ein friedliches Familienfest“, erklärte Eva, die lächelte, während sie die Flammen betrachtete. „Wir waren heute Nachmittag auch schon da und haben portugiesisch gegessen. Überall sind Stände aufgebaut und es gibt Aufführungen an der roten Flora.“

Peter sah sie fragend an: „Rote Flora?“

„Die rote Flora ist ein abbruchreifes Haus, das vor Jahren von der autonomen Szene besetzt wurde“, erklärte Nils. „Es wurde wieder instand gesetzt und seitdem für kulturelle Zwecke verwendet. Ein Vorzeigesymbol der Linken hier im Schanzenviertel.“

„Ähnlich wie das Fest“, fügte Eva hinzu. „Die Linken und die sympathisierenden Künstlerkreise organisieren es jedes Jahr. Es sind hunderte Familien da, weil es Speisen zum Einkaufspreis gibt und die Atmosphäre fantastisch ist. Allerdings ist das Fest nicht angemeldet, also eigentlich illegal.“

 

„Und Jahr für Jahr gegen Abend kippt die Stimmung“, fuhr Justin fort. „Traditionell wird der liegengebliebene Unrat angezündet und die Linken beginnen, die Polizei zu provozieren. Von Jahr zu Jahr wird das Polizeiaufgebot größer und die Krawalle heftiger.“

„Man sieht’s.“ Peter ließ seinen Blick über die schwer gepanzerten Polizisten schweifen, die links und rechts der Straße zu Hunderten ausharrten und grimmig dreinblickten.

„Letztes Jahr kämpften 3000 Polizisten gegen 300 Randalierer“, sagte Justin und grinste vielsagend.

Die Straße sah gespenstisch aus. Während am einen Ende noch immer fröhlich feiernde junge Menschen auf Bierzeltbänken saßen und auf der anderen der Straßenzug von den anrückenden Polizeikolonnen abgeriegelt wurde, brannten in der Mitte die ersten Feuer und einige wahnwitzige Punks sprangen singend um das Feuer herum und schwenkten ihre Bierflaschen.

Die Fünf gingen an einem halben Dutzend gepanzerter Wasserwerferwagen vorüber und die Polizisten beäugten sie misstrauisch. Peter bemerkte, dass seine Begleiter mit ihren Totenkopfaufnähern auf den Taschen, Pullis oder Mützen nicht gerade vertrauenswürdig aussahen. Plötzlich geriet einer der Panzerwagen in Bewegung. Er scherte aus der Reihe aus und fuhr bedrohlich auf die Punks in der Mitte der Straße zu. Ein Pfeifkonzert ertönte. „Das ist ja wie `68 in Prag!“, jubelte Eva.

Weitere gut dreißig Mann aus der Armee der Polizisten stiefelten im Gleichschritt die Straße entlang. Sie trugen allesamt Helme, waren mit Schildern und Schlagstöcken bewaffnet und bauten sich links und rechts des Panzerwagens auf. Ein Kommandant begann durch ein Megafon zu sprechen und seine Stimme dröhnte verzerrt über das Areal: „Hören Sie auf mit diesem Unsinn. Seien sie doch vernünftig!“

Als Antwort ertönte ein gellendes Pfeifkonzert und mehrere Hundert Schaulustige strömten aus allen Gassen des Viertels herbei. Einen Augenblick lang spürte Peter, wie ihm Angst das Gedärm empor kroch. Aber seine Begleiter blieben gut gelaunt, beobachteten vergnügt die Entwicklung der Ereignisse und Peter ließ sich von ihrer guten Stimmung anstecken. „Ist das geil, endlich rührt sich mal was!“, rief Hannes und seine Augen leuchteten.

„Machen Sie das Feuer aus!“, rief der Beamte erneut durch sein Megafon. „Wir werden nicht zögern, sie am Ausführen weiterer Delikte zu hindern.“

 



 

Die Punks ließen sich nicht beeindrucken, sprangen weiter ausgelassen wie Dutzende Rumpelstilzchen um ihr Feuer herum und schleppten weiteres brennbares Material heran.

„Dies ist unsere letzte Warnung“,  rief der Kommandant in sein Megafon.

Zur Unterstreichung seiner Drohung geriet der Wasserwerfer laut quietschend in Bewegung und wurde auf das Feuer justiert. Als die Punks keine Anstalten machten, das Feld zu räumen, schüttelte der Polizist genervt den Kopf. Er hob den Arm und rief: „Wasser Marsch!“

Zischend schoss der Wasserstrahl aus der Düse und schlug mit voller Wucht gegen die brennenden Barrikaden. Das Feuer war in wenigen Sekunden gelöscht. Einer der Punks reckte als Antwort den Mittelfinger in die Höhe, worauf der Wasserstrahl scheinbar versehentlich verrutschte und den verdutzten Kerl frontal am Oberkörper traf. Die Rebellen hatten ihr erstes Fanal. Sogar Peter erwischte sich, wie er empört in den Chor der Entrüstung mit einstimmte. Erneut geriet der Wasserwerfer auf Höhe der Fünf in Bewegung und richtete sich bedrohlich auf Peter und die anderen. Nun bekam er es mit der Angst zu tun. Das war immerhin die Polizei. Er drängte die anderen zum Weitergehen.

„Warte, das ist geil.“, versuchte ihn Eva zurückzuhalten.

„Was ist geil?“

„Justin und ich sind letztes Jahr von einem Wasserwerfer frontal getroffen worden. Das war ein unfassbarer Kick. Besser als Bungee Jumping.“

„Ja!“ Justin lachte. „Das war geil!“

 

 

Peter sah sie verständnislos an und schüttelte den Kopf. 

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