Der Finstermann von Kirchanschöring

Eine Rupertiwinkler Gruselgeschichte.  Teil 4

Der Finstermann von Kirchanschöring

 

Ben und Caro haben die Hütte der Satanisten vom Finsterwald entdeckt. Als sie aus dem Finsterwald flüchten wollen, begegnen sie einer Prozession der gefürchteten "Kapuzenmanderl"

„Ist das die Kultstätte der Satanisten?", flüstert sie. „Lass uns von hier verschwinden."

Wir schleichen in einem weiten Bogen um die Hütte herum. Dann stolpern wir regelrecht auf eine Forststraße und im selben Moment hören wir Stimmen aus dem Wald. Eine Gruppe Männer nähert sich. Ich kann erst nichts sehen, weil sich hier in der Nähe vom Bach Nebel gebildet hat, aber ich spüre Caros Griff an meiner Hand, der so fest wird, dass er mir das Blut abschnürt.

Jetzt ist eine Gestalt zu sehen, ein Mann mit Kapuze. Dann die Silhouette einer Sense. Instinktiv springen wir zur Seite und legen uns hinter einem Busch flach auf den feuchten Waldboden.

Der Kapuzenmann mit der Sense kommt immer näher. Hinter ihm weitere Männer. Sie summen „Omm! Omm!"

Ich kralle meine Fingernägel in die Fichtennadeln, so sehr zittern sie und ich höre Caros heftiges Atmen dicht an meinem Ohr.
Ich schließe die Augen und halte den Atem an. Genau auf unserer Höhe höre ich, wie sie stehenbleiben. Ich beginne, innerlich zu beten.

Bis mich Caro anstupst.

Sie deutet auf den Kapuzenmann. Er trägt zwar eine Kapuze, allerdings steht auf dem Kapuzenpulli das Wappen des Sportvereins. Und auch die anderen Gestalten tragen Trainingsanzüge.

Wir grinsen uns beide erleichtert an und beobachten die Fußballer, wie sie sich der Hütte nähern. Jeder hat einen Dreschflegel, eine Sense oder eine andere Waffe in der Hand und alle sind recht wackelig auf den Beinen. Am Ende entdecke ich den Freiberger. Wir springen aus unserem Versteck und der Freiberger macht, ungelogen einen Satz von einem halben Meter, kreischt mit einer Stimme auf, mit der er jedes Backstreet Boys Konzert übertönt hätte und hält sich die Hand an die Brust, als könnte er damit einen Herzinfarkt verhindern. Caro und ich lachen so erleichtert und glücklich, endlich gerettet zu sein, dass ich auf den Freiberger gar nicht mehr wütend bin und ihm am liebsten um den Hals fallen würde.

Er seinerseits freut sich nicht ganz so. „Seid ihr bescheuert oder was? Ich trommel halb Anschöring zusammen, um euch zu retten und ihr killt mich zum Dank beinahe. Mann, sowas hält meine Pumpe nicht mehr aus."

„Dann rauch nicht so viel", sagt Caro und lächelt erleichtert. Die Fußballer sind inzwischen um uns geschart und wollen wissen, ob es uns gut geht.

„Wir haben ihn gesehen!", platzt es aus uns heraus. „Ich schwöre es euch, er stand direkt vor uns und hat uns mit seinen roten Augen angeschaut." Die Fußballer diskutieren aufgeregt miteinander und klirren mit ihren Sensen.

„Der soll nur kommen", sagt der Freiberger mutig, aber seine Stimmlage singt ein anderes Lied.

Ich deute in Richtung Hütte: „Und wir haben die Kultstätte der Satanisten entdeckt: Dort in der schwarzen Hütte."

Umgehend setzt sich der Tross in Bewegung und ein Dutzend, nach langer Spielersitzung aufgeputschter Fußballer der zweiten Mannschaft, stürmt auf die Hütte zu.

Wider sämtliche Vernunft folge ich mutig dem Trupp. Immerhin sind sie viele und bewaffnet.

Sie erreichen die Hütte und wieder hört man daraus das grässliche Lachen. Der Tross hält ein und ich bin auf einmal nicht mehr so mutig. Alle starren auf das durch das Fenster flackernde Kerzenlicht. Das höhnische Gelächter ist markerschütternd. Ich merke, wie der Freiberger einige Schritte rückwärts macht und hinter Caro Deckung sucht. Plötzlich schreit er: „Ihr Feiglinge! Rein in die Hütte!"

Wie auf Kommando stürmen die vordersten mit Gebrüll die Hütte. Auf einmal ist es totenstill.

Ich merke, wie sich Caro am Feiberger festhält und bin auf einmal unglaublich wütend. Ich schleiche mich an Fußballern mit fragenden Gesichtern vorbei, die meisten sind ängstlich draußen geblieben. „Was ist los?", sage ich noch barsch, dann reiße ich krachend die Türe zur schwarzen Hütte auf.

Ich muss lebensmüde sein. Aber im Moment habe ich auch nichts dagegen, von Satanisten erdolcht und vom Finstermann verspeist zu werden.


Fortsetzung folgt... Wird das Geheimnis des Finsterwaldes gelüftet?

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Wenn Euch die Geschichte gefällt, dann müsst Ihr unbedingt auch die "Kleinstadtrebellen" vom selben Autor lesen! Mehr Info


Ein weiterer Bericht mit Details zum Finstermann ist hier zu finden:

Bericht aus der Chiemgauer Rundschau

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