Die Berufswahl und der Zufall

Berufsberater Bernhard Strasser
Berufsberater Bernhard Strasser

Die überwiegende Mehrheit der Schüler/innen der Mittel- und Realschulen, die zu mir ins Beratungsgespräch kommen, wird auf herkömmliche Art und Weise Ihren Ausbildungsberuf finden: Anhand Fähigkeiten und Interessen werden mit dem Berufsberater passende Berufe erarbeitet.

Das funktioniert bei gängigen und viel gesuchten Berufen problemlos.

Auf der Strecke bleiben dabei allerdings oftmals jene Schüler/innen, die auf der Suche nach seltenen, außergewöhnlichen, meist kreativen Berufen sind.

Diese kennen bereits das leise Seufzen und Stirnrunzeln des Berufsberaters, der auf nette Weise zu erklären versucht, dass es „ein wenig schwierig“ werden könnte, eine Ausbildung in diesen Berufsfeldern zu bekommen.

Genau für diese Schüler/innen, die neue Wege abseits der vorgegebenen Trampelpfade suchen, gibt es eine neue, amerikanische Art der Berufsberatung.

Sie nennt sich „Planned happenstance“ (geplanter Zufall) und wurde vom Amerikaner John Krumboltz entwickelt.

Die Theorie besagt im Prinzip, dass viele berufliche Entscheidungen durch Zufälle beeinflusst werden. Junge Menschen in der Berufsfindung sollten deshalb dem Zufall auf die Sprünge helfen. Also den Zufall provozieren, der einem in die Richtung der perfekten Ausbildung stupst.

Dazu hat Krumboltz einige Tipps aufgestellt. Einfache  Dinge, wie: Mit jemanden reden, der seinen Traumberuf gefunden hat. Oder mit möglichst vielen unterschiedlichen, interessanten Menschen über Berufe und Berufswahl sprechen. Kurse und Fortbildungen machen, neue Menschen kennenlernen. Oder sogar: Einen Prominenten anschreiben und ihn fragen, ob er Tipps geben kann.

Interessant ist auch, dass Krumboltz bei seinen Vorträgen vor Berufsberatern stets die Frage stellte, wer bereits mit 18 unbedingt Berufsberater werden wollte. Kein einziger. Viele sind ihrerseits durch einen Zufall Berufsberater geworden.

Zu denen gehöre auch ich selber. Mit 18 war ich Austauschschüler an einer Highschool in Amerika und wollte Journalist oder Schriftsteller werden.

Nach der Schule erzählte ich dies meinem Berufsberater und er seufzte leise, runzelte die Stirn und versuchte mir auf nette Weise zu erklären, dass es „ein wenig schwierig“ werden könnte, Schriftsteller zu werden. Er bot mir an, mich beim Arbeitsamt zu bewerben, dort wären gerade Stellen im Büro frei.

So wurde ich Arbeitsvermittler und lernte auch den Beruf des Berufsberaters kennen.  Als Jahre später zufällig Arbeitsvermittler angesprochen wurden, ob sie eine Fortbildung zum Berufsberater machen möchten, bewarb ich mich sofort. Und: Wenn die Zusage des Arbeitsamtes damals auch nur eine Woche später gekommen wäre, wäre ich damals Bürokaufmann in der Diakonie geworden. Aber wer weiß, vielleicht hätte mich mein Weg über kurz oder später durch andere Zufälle wieder zum Beruf Berufsberater geführt.

 

Und so ähnlich kann es auch Euch gehen: Fordert den Zufall heraus und Euer Weg wird Euch über kurz oder lang zu Eurem passenden Beruf führen!

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