Rosenheim

Rosenheim. Alte Salinenstadt. Verschlafene Kleinstadt mit Großstadtverkehr zur Rush-Hour. Einst bekannt als bayerische Stadt mit der größten Dichte an Rotlicht-Lokalen im Vergleich zur Bevölkerungszahl.

...und die Stadt in der ich zum Dichter geworden bin. Wie passt das zusammen?

Gewohnt habe ich hier vom Rosenheimer Herbstfest 2004 bis zum Herbstfest 2005. Und dazwischen auch. Zu weit außerhalb des Stadtkerns um mich als Rosenheimer zu fühlen und doch irgendwie mitten drin. Rosenheim, das war für mich das Laufen entlang der Mangfall bis fast nach Kolbermoor. Nächte im Rockx und Enchiladas. Und schließlich dieser Winter in dem ich wieder ein Schriftsteller wurde. Viel Zeit hatte ich in Rosenheim, um zu schreiben. Und tatsächlich entstanden Geschichten wie „Kommissar Brand und die Sache mit der Hormonbombe“, die im Rosenheimer Rotlichtmilieu spielte. Völlig durchgeknallt, aber bis heute einer der lustigsten Texte. Im Winter lief ich durch die Rosenheimer Innenstadt, durchstöberte die Buchläden nach Erich Frieds Gedichten und die Vernunft sagte mir, dass es unmöglich ist, dieses Rosenheim. Aber es ist was es ist, sagt die Liebe. Geliebt habe ich auch das kleine Buch-Café der Caritas gegenüber der Sparda-Bank. Einige Bücher habe ich dort entdeckt. Und während ich Jahre später traurig beobachtete, wie meine Lieblings-Buchläden nach und nach schlossen, gibt es inzwischen neue Hoffnung: Bücher Johann, dieser außergewöhnliche Kurierdienst, der die Bücher auf dem Fahrrad ausliefert, hat inzwischen einen kleinen aber feinen Buchladen in Rosenheim eröffnet. Ein Grund, bald wieder nach Rosenheim zurückzukehren. Auch außerhalb der Wiesn-Zeit.