Bernhard Dürnbergers Karriere beim FC Bayern Teil 2

Aus einem Wandkalender der 80er Jahre: Im Duell gegen Camacho von Real Madrid
Aus einem Wandkalender der 80er Jahre: Im Duell gegen Camacho von Real Madrid

Bernd Dürnberger, Helmut Schön
Bernd Dürnberger und Bundestrainer Helmut Schön

Auf dem Sprung in die Nationalmannschaft

 

Ab der Saison 1975/76 gehörte Dürnberger nicht nur zu den festen Größten beim FC Bayern, sondern auch Bundestrainer Helmut Schön beobachtete ihn und holte ihn zunächst in die B-Nationalmannschaft, die damalige „Zweite“ des Nationalteams.

Während es in der Bundesliga schlecht lief, sorgten die Bayern international für Glanzstunden. Dürnberger hatte seine Glanzstunde im Viertelfinalrückspiel gegen Benfica Lissabon. Das Hinspiel hatte 0:0 geendet und lange Zeit sah es in München nach einer erneuten Nullnummer aus. Mit einem Doppelschlag nach dem Seitenwechsel sorgte der Wipf für die Wende. Die Partie endete 5:1 und der bescheidene, stille Dürnberger fand sich auf einmal auf den Titelseiten der Sportgazetten wieder. Trainer Dettmar Cramer lobte ihn als einen der „besten und vielseitigsten Spieler“ im Kader. Dürnberger konterte, bescheiden wie immer: „Zwei Tore machen noch keinen Star.“

Wenige Wochen später folgte das viel beachtete Halbfinalduell gegen Real Madrid. Ein ganz besonderes Spiel in der Karriere Dürnbergers, nicht nur, weil beim Gegner Ex Mitspieler Paul Breitner auflief. Dürnberger kam die wichtige Aufgabe zu, Madrids zweiten deutschen Topspieler Günter Netzer, auszuschalten, was ihm auch gelang. Das Hinspiel in Madrid endete 1:1. Zu Hause siegten die Münchner in einem Spiel, das ganz Europa gebannt verfolgte, mit 2:0.

Im Finale gegen ST. Etienne holen die Bayern ein drittes Mal in Folge den Pokal, Dürnberger erlebt einen kaum zu überbietenden Höhenflug, war als 22jähriger dreifacher Europapokalsieger und zweifacher Deutscher Meister. Er blieb auch während dieser ungemein erfolgreichen Monate bodenständig und bescheiden. Pressetermine waren ihm unangenehm und er war ganz glücklich darüber, medial, aber längst nicht mehr sportlich, im Schatten der Übergrößen Beckenbauer, Müller, Maier zu stehen.

Bittere Rückschläge

 

Nach den Topleistungen im Europapokal nominierte Helmut Schön folgerichtig Dürnberger für das Europameisterschafts Viertelfinalspiel gegen Spanien. Damals wurde die Europameisterschaft noch nicht innerhalb von vier Wochen, sondern über die ganze Saison verteilt ausgetragen. Dürnberger stand neben Vogts, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Ditz, Collmann und Reichel für die Defensive im Kader.

Im Deutschen Trikot aufzulaufen ist mit der größte Traum aller Fußballspieler. Bernd Dürnberger stand kurz vor seinem Debüt im Deutschen Trikot, als er eine bittere Knieverletzung erlitt. Kurz vor der Erfüllung dieses Traumes musste er Helmut Schön absagen. Deutschland siegte ohne ihn in München durch Tore von Hoeneß und Toppmöller mit 2:0.

Wie schwer ihn dieser Schlag getroffen hat, lässt sich nur zwischen den Zeilen aus seinen späteren Interviews herauslesen. Aber noch war er jung genug, um auf die nächste Nominierung zu hoffen.

Die Saison 1976/77 verlief allerdings sportlich unbefriedigend für den FC Bayern. In der Winterpause drehte sich schließlich alles um den Weltpokal. Das Hinspiel gegen Belo Horizonte gewannen die Bayern in München mit 2:0.

Dürnberger bereitete sich im Dezember 1976 mit der  Mannschaft in der Halle auf das Rückspiel in Brasilien vor.

Nach einem Drehschuß aufs Tor verspürte er plötzlich einen Schmerz im Knie. In der Folgewoche wurde er operiert. Diagnose: Meniskus und Kreuzbandschaden. Der operierende Professor beschwichtigte ihn noch, dass er in zwei bis drei Monaten wieder spielen können würde.

In den 70ern bedeutete allerdings ein Kreuzbandriss für einen Fußballer in der Regel das Karriereende.

Aus den zwei Monaten wurde ein halbes Jahr, wurde ein Dreivierteljahr und es wurde gemunkelt, ob er jemals wieder Fußballspielen würde.

Durch sein Fehlen wurde deutlich, wie sehr er als Mittelfeldmotor dem Spiel der Bayern fehlte. 

„Wipfs Wiedergeburt“

 

Ab Juli 1977, nach acht Monaten Zwangspause, konnte er langsam wieder das Training beginnen. Anfang September saß er zumindest wieder auf der Bank des FC Bayern und die Anhänger forderten lautstark seine Einwechslung.

Beim Duell gegen Eintracht Braunschweig konnte er nach zehn Monaten sein Combeback in der Bundesliga feiern. Auch mit Paul Breitner, dem Stareinkauf der Braunschweiger, der vom Münchner Publikum so gnadenlos niedergepfiffen wurde, wie es Wipfs Comeback bejubelte, gab es ein Wiedersehen. Die Bayern siegten 3:2. Die Presse sprach nach dem Comeback von einem Wunder. Nicht zu übersehen war allerdings, dass der einst so schnelle Sprinter seit seiner Verletzung nur unrund laufen konnte.

Mit der Rückkehr auf den Rasen begann auch wieder sein Traum von der Nationalmannschaft.

 

Ein Jahr später stand er wieder auf dem Sprung in die B-Elf. Bayern Trainer Gyula Lorant nannte ihn „meinen klügsten Spieler“. Weiterlesen