Luise Rinser in Kirchanschöring

Was man in "Der Wolf umarmen" über Luise Rinser und Kirchanschöring erfährt

Vor dreißig Jahren, als Luise Rinser ein letztes Mal Kirchanschöring besuchte, war sie ein Literaturstar und eine moralische Instanz in Deutschland.

Dennoch wurde sie schon damals in Kirchanschöring kontrovers diskutiert. Anlass war ihre Autobiographie "Den Wolf umarmen", in der sich viele Kirchanschöringer falsch dargestellt sahen.

In den vergangenen Jahren stand Luise Rinser wieder im Mittelpunkt zahlreicher Recherchen. Seitdem hat sich allerdings das Bild der Autorin das sie, wie man heute weiß, auch selbst geschickt inszeniert hatte, radikal gewandelt.

Wie heute bekannt ist, hat Luise Rinser als junge Lehrerin mit Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus sympathisiert und war auch als Autorin tiefer in das Regime verstrickt als sie es selbst zugestanden hätte.

Fakt ist aber auch, dass sie mehrere Monate wegen Wehrkraftzersetzung in Traunstein im Gefängnis einsaß. Eine grundlegende Veränderung muss in der Gesinnung der Frau während der letzten Kriegsjahre stattgefunden haben. In genau jener Zeit also, in der sie in Kirchanschöring lebte.

Es lohnt sich folgich, mit dem Wissen von heute, noch einmal "Den Wolf umarmen" aufmerksam zu lesen, um mehr über den Menschen Luise Rinser und das Leben in Kirchanschöring zu erfahren. 

Bevor man Luise Rinsers Autobiographie aufschlägt, muss man allerdings folgendes verstehen: Es handelt sich um keine Autobiographie im klassischen Sinne, die wörtlich zu lesen ist, sondern um ein literarisches Werk. Ein Werk, das verdichtet, übertreibt und verschweigt. Ähnlich hat Thomas Bernhard mit "Ein Kind" gearbeitet und seinerseits die Traunsteiner auf Jahrzehnte aufs bitterste verärgert.

Luise Rinser wurde vorgeworfen, ihre Verstrickungen in das Nazi Regime ausgeblendet, ja verleugnet zu haben. Aber bereits beim Titel "Den Wolf umarmen" lässt sich die gewagte These aufstellen, ob Luise Rinser nicht vielleicht andeuten wollte, was sie als Mädchen für den Führer empfand. Denn der Wolf ist niemand anderes als Adolf Hitler.

Vorweg sollte man auch nehmen, dass die Kirchanschöringer, die sie in den Vierziger Jahren kannten, trotz aller Kritik an ihrer Person, nie daran zweifelten, dass Luise Rinser eine Gegnerin des Regimes war.

So stehen zwei Tatsachen gegenüber: Die junge Sympathisantin und die spätere Gegnerin der Nationalsozialisten. Zu beachten ist nun: Wie ist die Rinser nach Kriegsende in die Rolle der radikalen Antifaschistin gerutscht, welche Hinweise gibt sie selbst in ihrer Autobiographie von 1984 und wie kann man diese heute deuten.

Dazu bietet es sich an, die Passagen ihres Buches mit den tatsächlichen Ereignissen zu vergleichen, um zu verstehen, wie die Rinser gearbeitet hat. Weiter geht es hier im zweiten Teil "Georg Rinser und Marie Wallner

 

Teil 3: Kirchanschöringer Anekdoten

Teil 4: Verhaftung und Ende des Krieges

"Luise Rinsers Vergesslichkeit" im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-76229390.html

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