Großstadtvampire

Ein Falco-Gedicht

Falco wurde am 19. Februar 1957 unter dem Namen Johann "Hansi" Hölzel geboren. Er begann seine musikalische Karriere als Bassist in avantgardistischen Szene-Bands in Wien. Spätestens nachdem sich Hansi Hölzel in Falco umbenannte, verwandelte sich Hölzel zum Solo-Superstar. War "Ganz Wien" nur ein Independent-Hit in  ganz Wien, wurde "Der Kommissar" zu einem Hit auf der ganzen Welt. Diesen bereits kaum glaublichen Erfolg toppte er 1986 mit dem Song "Rock me Amadeus". Bis heute ist dieser das einzige deutschsprachige Lied, das Nummer Eins in den Billboard-Charts in Amerika war.

Falcos Todestag war am 6. Februar 1998. Es war ein eisig kalter, winterlicher Tag, als sich die Nachricht verbreitete, dass Johann Hölzel alias Falco tödlich verunglückt war. Falco starb nach einem Verkehrsunfall in der Dominikanischen Republik, als er aus bisher ungeklärter Ursache einen Bus rammte.  

Von Falco inspirierte Texte:

Inspiriert von den vielen Lyrics und Songs, wie Falco sie hinterlassen hat, sind zahlreiche Kurzgeschichten, ein Roman und auch Lyrik entstanden. 

Das Gedicht "Großstadtvampire" ist offensichtlich von Falcos "Junge Römer" und "Der Kommissar" beeinflusst. Mit diesem Text habe ich beim Literaturwettbewerb "Lesen Lassen" im Salzburger Literaturhaus den zweiten Platz gewonnen. Entstanden ist es nach den Eindrücken des FM4-Festes in Wien.

Großstadtvampire

Zwei Uhr Zehn und keine Spur von ihr.

Sie ist nicht hier,

vermutlich ist sie bei dir.

Man sagt, man hätte sie in einem Club gesehn.

Man sieht und kennt sich in der Scene

und jeder weiß es,

sie ist heiß

und jede Nacht hat ihren Preis.

 

Kurz bleib ich stehen, schau mir die Lichter an.

Die Stadt verschlingt alles,

was sie verschlingen kann,

trotzdem leben wir hier.

Sie verschlingt jeden, der sie lebt.

Ich leb die Stadt und liebe in ihr ihr.

 

Großstadtvampire jagen nur bei Nacht.

Was sollen sie auch andres tun?

Fast jede Nacht wird wach verbracht.

Die Gier lässt einen nicht ruhn.  

Man saugt das junge Blut 

bis auf den letzten Tropfen aus, 

ihre Lebenslust fließt dann in mir. 

Nur junges Blut hält nicht sehr lange warm 

und unstillbar ist die Gier. 

Auf ewig wird man nicht mehr satt, 

hat man erst einmal junges Blut geleckt. 

Kein Stern zu sehn, 

die Nacht hält sich bedeckt. 

 

Ruhig ist es zwischen Schnee und Eis, 

fast scheint's als schliefe die Stadt,

als würde sich nichts rühren.

Doch wie jeder mit Stadtverstand weiß, 

pulsiert das Leben noch siedend heiß

hinter den verschlossnen Türen. 

 

Ich steh vor einem schlichten Haus, 

hinter dessen Türe ein Steher steht. 

Ich klopfe auf das Holz, 

hauch mir die Kälte aus, 

warte bis auch dieser Augenblick vergeht. 

 

Dann endlich geht die Türe auf, 

lässt mich hinein und die Hitze hinaus. 

Hinein in weißes Licht, ergreift die Hitze mich 

und ich ziehe meinen Mantel aus. 

 

Ich seh sie gleich, wie sie elektrisch tanzt, 

sie streckt die Hände in die Höh. 

Ich schau ihr zu, 

und wie sich mein Verstand erhitzt, 

schmilzt auf meinem Kopf der Schnee. 

 

Sie winkt, als sie mich sieht. 

Zwei Mädchen tanzen neben ihr

Sie tanzen laut, sie tanzen wild, 

als gäb es einen Preis dafür. 

Sie laden mich zum Tanzen ein.

Und der Preis, das ist ist bald sonnenklar, 

kann nur das weiße Mädchen sein. 

 

 

Süßer Nebel hüllt die Köpfe ein,

bis auch der Letzte es begreift: 

Die Nacht ist jung wie wir, 

doch viel zu fern ist die Unendlichkeit. 

 

Denkt man 

und die Erkenntnis reift, 

dass, was die Nacht bis jetzt nicht schafft, 

das schafft sie niemals mehr, 

die Gegenwart, sie ist nur jetzt bereit. 

 

Das Mädchen tanzt den neuen Tanz, 

nimm dich vor ihr in Acht. 

Ein neues Lied, der Text ist alt 

und den Rhythmus schlägt die Nacht. 

Das Mädchen spielt, 

was soll sie noch verlieren, 

das Jahrtausend alte Spiel. 

Sie spielt mit dir, sie spielt mit mir, 

und du versuchst, sie zu berühren. 

 

Als bald die Hitze glüht, 

wird ein Getränk serviert, 

in dem das Eis vor Kälte klirrt. 

Greifende Hand, verlangender Blick,

was nun passieren wird?

 

Der Becher ist voll Energie  

und auch ein Strohhalm steckt im Eis. 

Ich weiß, als ich das Glas ihr reich, 

es ist ein käuflicher Liebesbeweis. 

 

 

Mit kühlem Blick saugt sie ihn aus, 

aus ihren Augen lodert Gier. 

In Trance starr ich sie an 

und siedend heiß wird es mir klar, 

nicht ich bin der Vampir. 

 

Ihr glasiger Blick lässt keinen Zweifel mehr zurück, 

sie ist die Schneekönigin der Nacht. 

Und nur ein richtiges Wort von mir 

und ich hab sie um den Verstand gebracht. 

(oder sie mich?) 

 

Doch noch ist Schall und Rauch, 

was heut noch werden könnt, 

denn das was war ist einerlei, die Zukunft ungewiss 

und dieser Tanz noch nicht vorbei. 

Vorbei ist's erst dann, wenn der  Verstand versteht, 

sie tanzt heut nur mit mir. 

(Oder mit dir?)

 

Ich sag ihr: 

"Schwesterherz, du brauchst dein Spiel nicht spieln,

ich weiß, die Stadt hier ist verdorben. 

Doch du bist rein und weiß, 

das muss dein Herz doch fühln 

und diese Nacht gehört uns bis zum Morgen." 

 

Sie sagt: 

"Zwar wird mir weiß vor Augen, denk ich an den Morgen, 

doch ansonsten irrst du dich: 

Nicht die Stadt, sondern du hast es verdorben. 

Und auch das Rein muss raus, 

sobald das Morgengrauen graut. 

Was heißt: 

Meine Nacht ist für dich nun aus." 

 

Ich merk, das Mädchen liebt ihr Spiel, 

doch ahn ich, was sie will 

und geb' noch lang nicht auf:

Mein Stadtverständnis kennt sie gut genug 

und ich setz noch einen drauf:

 

"Die Stadt in der du lebst, 

die Spiele die du spielst, 

sind beide eisig kalt. 

Bist du erst drin im kühlen Sog, 

verlierst du jeden Halt.

 

Nur meine Wärme kann dich  noch befrein, 

denn ich weiß, du spürst es auch: 

Mein Tun kommt aus dem Sein allein 

und dass mein Sein dich heute braucht." 

 

Kühl  starrt mich das Mädchen an, 

nur ihre Augen glühen kalt.

Sie  sagt, und ihre Lippen beben: 

„Vielleicht hältst du mich für dumm. 

Aber ich lebe die Lust

und liebe das Leben 

und die Lebenlust bringt mich noch um."

 

Ich seh die Uhr, die meine Zeit bestimmt,

dann seh ich sie, seh ihre weiße Haut. 

ihre Lippen sind ganz rot. 

Ich begreif, dass der Vampire Zeit verrinnt, 

denn kommt der Morgen, sind sie tot. 

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