Eine Corona-Kurzgeschichte

Die Beerdigung

Am vergangenen Samstag nahmen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der Kreishauptstadt Abschied von einem Ihrer engagiertesten und beliebtesten Mitmenschen. Michael Viethaler war in der vergangenen Woche überraschend verstorben.

Der Tod Viethalers hatte weit über die Landkreisgrenzen hinaus für Trauer und Entsetzen gesorgt. Viethaler war bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Bei einem mittelmäßig riskanten Überholmanöver war kurz vor ihm ein Notarztwagen in einem hochriskanten Überholmanöver ausgeschert. Viethaler rettete – was viel über seinen Charakter besagt – mehrere Leben, indem es ihm gelang, sein eigenes Fahrzeug zur Vermeidung der sicheren Kollision mit dem Notarzt auf das Fahrbahnbankett zu lenken. Dort wurde der beliebteste Heilpraktiker des Landkreises, der bekannt dafür war, sich von nichts und niemanden aufhalten zu lassen, von einem Alleebaum abrupt gestoppt. Trotz umgehender Erster Hilfe - es war ja ein Notarzt anwesend – starb der Heilpraktiker noch an der Unfallstelle und lange vor seiner Zeit. Der Notarztpatient – so die bittere Pointe von Viethalers Versterben – ein 86-jähriger Covid-Patient – überlebte.

Viethaler war der bekannteste und erfolgreichste seines Faches in der Region. Und einer der lautesten. Unermüdlich setzte er sich in den letzten Monaten für die Sache der Allgemeinheit ein. Er hinterließ eine schockierte und fassungslose Trauergemeinde.

Viehthalers größter Verdienst war es, dass er einer stetig wachsenden Gemeinde von Achtsamen und den gesunden Menschenverstand Nutzenden in einer der schwersten (ökonomischen und gesellschaftlichen) Krisen dieses Jahrhunderts mit Aufklärung und Informationen zur Seite stand. Informationen, die - aus Gründen, die Viethaler schonungslos benannt hatte - von Vertretern der Schulmedizin und der allgemeinen Medien der kritischeren Öffentlichkeit nicht zur Verfügung gestellt wurden. Schon zuvor war der Heilpraktiker über die Stadtgrenzen hinaus als Experte der Selbstheilungskräfte und des Immunsystemes bekannt, gleichwohl sein eigentliches Expertenfeld ursprünglich die Homoöpathie gewesen war. Der Erfolg gab ihm recht. Er konnte sich eine florierende Praxis und einen breiten Kundenstamm aufbauen, der sehr gerne regelmäßig in seine Praxis kam, um gesund zu werden, mehr noch, um gesund zu bleiben. 

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Da Michael Viethaler, obwohl er sich leidenschaftlich mit dem Faszinosum Jesus als Heiler beschäftigt hatte, bereits vor Jahrzehnten aus der katholischen Kirche ausgetreten war - Autoritäten jeder Art waren ihm suspekt - fand die Beerdigung im großen Gemeinschaftsraum einer ihm aus seinem Patientenkreis eng verbundenen Freikirche statt. Die Angehörigen waren sich einig, dass man es nicht zulassen dürfe, dass just jene die Verfassung und das Grundgesetz missachtenden Verordnungen der Staatsregierung, die Viethaler bekämpft hatte, eine würdige Trauerfeier verhinderten. Die Pfarrkirche stand somit nicht für die Trauerandacht zur Verfügung. Sie kam ohnehin nicht in Frage, da in dieser aufgrund der aufgezwungenen Regelungen maximal 100 Personen den Abschied feiern hätten können. Der kleine Saal der Freikirche machte seinem Namen aller Ehre und war der einzige Ort, an dem der Staat seine unwirksamen und, wie Viethaler es ausführlich entlarvt hatte, unnötigen Maßnahmen niemandem aufzwingen konnte. Mehr als dreihundert der nur noch wenig verbliebenen vernünftigen Menschen drängten sich in den Saal, um Abschied von diesem außergewöhnlichen Menschen zu nehmen.

Die Trauerrede hielt ein befreundeter Philologe und Professor, der Viethaler schon seit gemeinsamen Jahren im Fußballverein begleitet hatte. Der Professor, aufgrund der gemeinsamen Passion für Homöopathie nicht nur mit Viethaler, sondern seinerseits mit zahllosen Intensivmediziner und Anästhesisten befreundet, skizzierte die letzten Monate und den großen Kampf des Heilpraktikers gegen die Staatsobrigkeit in bewegenden Worten.

Der Heilpraktiker Viehthaler hätte mit Beginn dieses Frühjahrs begonnen, seinen letztendlich tödlich endenden Kampf gegen die Regierung, die gleichgeschaltete Presse und die schweigende Mehrheit der Schulmedizin zu führen. Er war es gewesen, der die Öffentlichkeit unter Einbeziehung zahlreicher Statistiken und öffentlich zugänglicher Regierungspapiere informierte, dass die Intensivstationen im heimischen Krankenhaus leer standen, dass sich Krankenschwestern langweilten und viele Arztpraxen, nicht nur seine, wegen ausbleibenden Patienten Kurzarbeit anzeigen musste. Gleichzeitig deckte er auf, dass die Hysterie und Panik, die von den Medien und der Presse geschürt wurde, von der Regierung gesteuert wurde. Immer wieder gab es zustimmende Zwischenrufe oder gellende Buh-Rufe der Empörung unter den Trauergästen während den Ausführungen des Professors. Zu den weiteren Verdiensten Viethalers gehöre – so der Professor – dass er klar nachweisen konnte, dass dieses sogenannte Virus nicht gefährlicher sei als eine leichte Influenza. Der Professor zeigte auf einer Power Point noch einmal die Excel Tabellen, die klar darlegten, dass die Letalität des Virus bei maximal 0,3 Prozent lag. Und dass die Zahl der sogenannten „Infizierten“ zwar in ganz Europa stark stieg, aber niemand Angst haben müsse, da – auch hier zeigte der Professor aktuelle Zahlen aus dem Internet – kein einziger Viruspatient die Intensivstation im Kreiskrankenhaus belegte. Als der Professor nach den Tabellen zum Lied „Dieser Weg wird kein leichter sein“ Bilder von Viethaler zeigte – so wie wir ihn kannten – in Jeans und hemdsärmelig auf den unterschiedlichen Mitdenker-Bühnen in ganz Süddeutschland sprechend – wurde es ganz still im Raum und die vielen Empörungsrufe verstummten.

Die Trauergemeinde verfolgte die Bilderpräsentation stumm und ergriffen. Immer wieder war der Raum von tiefherzigen Schluchzern erfüllt und mancher Trauernde konnte sich nur durch die mitfühlenden Umarmungen der Umstehenden beruhigen lassen.

Als der Professor jene weithin bekannte Geschichte der Schwiegermutter des Heilpraktikers erzählte, erbebte der Saal in Emotionen. Viethalers Schwiegermutter lag wochenlang in ihrer fortgeschrittenen Demenz alleine in einem Altersheim. Herzzerreissende sechs Wochen lang hatte er sie nicht besuchen können. Erst als gegen Ostern ein positiv getesteter Viruspatient in seiner Praxis vorsprach, da dieser Angst vor der schulmedizinischen Behandlung hatte, konnte sich der Heilpraktiker persönlich von der wahrhaften Gefährlichkeit des Virus ein Bild machen. Er fasste seinen so wichtigen und bis heute gefeierten Entschluss. Da der Patient, obwohl positiv getestet, keinerlei Symptome zeigte, sprich nicht krank war – es wurde ja auch nur ein DNA-Schnipsel festgestellt und keine Erkrankung - war Viethaler endgültig überzeugt von den immer zahlreicher werdenden Expertisen seiner Kollegen: Das Virus war für junge Menschen mit normalem Immunsystem völlig ungefährlich. Erleichtert, diese Erkenntnis, die sich in seinen Kreisen längst durchgesetzt hatte, mit eigenen Augen prüfen und beweisen zu können, beschloss er zum Großkampf gegen die Virus-Industrie anzutreten. Als allererstes besuchte er - es waren, wie der Professor betonte, inzwischen sechs Wochen, in denen die alte Frau alleine im Krankenhaus vor sich hin vegetieren musste – seine Mutter endlich im Altenheim. Es war ein Besuch in allerletzter Sekunde. Die Greisin, die ihren Schwiegersohn nach so langer Zeit gar nicht mehr erkannte, starb nur zwei Wochen später an einer Lungenentzündung. Viethaler, erzählte der Professor unter Tränen, nutzte die verbleibende Zeit, um sie bis zu ihrem Tod noch jeden Tag zu besuchen und ließ es sich auch nicht nehmen, einige der anderen Altersheimbewohner, die früher Patienten in seiner Praxis waren und im Heim einzig schulmedizinisch versorgt wurden, mit homöopathischen Heilmitteln zu versorgen. Als der Professor betonte, dass Viethaler die Globuli aus eigener Tasche bezahlt hatte, ging erneut ein kollektives Schluchzen durch den längst von Emotionen und der Erregung der Trauergäste stickigen Saal.

Nach der Rede des Professors wurde dieser von allen Seiten geherzt und zu seinen großen Worten beglückwünscht.

Im Laufe der Andacht sang ein Chor, den Viethaler zu Lebzeiten sehr geschätzt hatte, zusammen mit den Trauernden jene Lieder, die der Heilpraktiker so sehr geliebt hatte. Als zum Ende der Trauerfeier alle Anwesenden voll Inbrunst gemeinsam "Die Gedanken sind frei“ intonierten, erbebte der Saal der Freikirche und viele hatten Gänsehaut. Zeile für Zeile schmetterte man gemeinsam das Lied wie eine Nationalhymne der Erwachten in einem Staat der Lügner.

Die Trauerfeier für den beliebten Heilpraktiker Michael Viehthaler endete in einem zwanglosen gemeinsamen Beisammensein. Die Gäste, die aus ganz Deutschland, sowie Österreich, der Schweiz und sogar aus Schweden zusammengekommen waren, berichteten über die jeweiligen Erfahrungen in ihren Ländern. Man tauschte bekannte und unbekannte Heilmethoden zum Virus und zur Stärkung des Immunsystems aus und als Dank für die vielen Fachinformationen gab es nicht nur einen einfachen Händedruck, so versicherte man sich, sondern den Dank der vielen Menschen im jeweiligen Heimatort zu denen man die neuen Informationen nach Hause bringen werde, um diese dort an alle weiterzugeben. Denn, so waren sich am Ende dieser bewegenden Trauerfeier alle einig, der Tod des Heilpraktiker sollte nicht vergebens gewesen sein. Sein Erbe solle lebendig erhalten bleiben und sich über ganz Deutschland, vielleicht sogar die ganze Welt ausbreiten