Kirchanschöring in der Landesliga 1976

Der Schreck vom Land - SVK in der Bezirksliga 1975-76

Ihr erstes Bezirksliga-Gastspiel gab der SVK gleich gegen den Lokalrivalen aus Teisendorf, das damals eine herausragende Mannschaft stellte. Alois Straßer holte mit zwei Treffern einen 0:2 Rückstand auf.

Bei seinen ersten Auftritten im Münchner Raum schockte der SVK die dortigen Schlachtenbummler. „Wo liegt eigentlich Kirchanschöring“, fragte man sich auf der Tribüne. „Irgendwo nahe der tschechischen Grenz.“

Die Münchner Boulevardpresse charakterisierte den SVK unter der Überschrift „Der Schreck vom Land“ recht trefflich:

Der SV Kirchanschöring, heuer erst in die Bezirksliga aufgestiegen, schockte die arrivierten Teams schon mehrfach. Nach 13 Spielen ist der Neuling ungeschlagen!... Schier unbezwingbar sind die SVKler offenbar auf eigenem Gelände. Die letzte Heimniederlage wurde im März 1974(!) registriert. Die Fußballfans des Ortes stehen demnach auch wie ein Mann hinter „ihrer“ Mannschaft. Bei Heimspielen sind die Wirtshäuser leer, auf dem Fußballplatz aber kann sich Kassier Konrad Straßer die Hände reiben. „Auch bei am Hundswetter ham mia mindestens 400 Leut‘, sonst meistens s‘ Doppelte.“ Als „Hauptschuldiger“ des Erfolgs wird von Vorstand Leo Straßer Trainer Sepp Fellner bezeichnet. Der Trainer aber glaubt, daß der kameradschaftliche Zusammenhalt sehr wesentlich ist. Weiterlesen

Meister in der Bezirksliga 1976

Anschöring wurde völlig sensationell Herbstmeister. Wichtiger Faktor des Erfolgs war der “12. Mann”, die Zuschauerunterstützung. KIrchanschöring zählte damals 2400 Einwohner. Nicht selten standen mehr als tausend von ihnen am Sonntag am Sportplatz. Durchschnittlich 670. Ligarekord. Selbst bei schlechtem Wetter kämen stets über 400, wie der damalige Kassier Konrad Straßer berichtete.

Während ähnlich viele Kirchanschöringer im Olympiastadion dabei waren, als Bernd Dürnberger mit den Bayern erst Benfica Lissabon, dann Real Madrid ausschaltete, ging es bei der “Ersten” um die Meisterschaft in der Bezirksliga. Hauptrivale war der TSV Ampfing. Zum absoluten Spitzenspiel kamen am Christi Himmelfahrts-Tag 2000 Zuschauer nach Ampfing, darunter viele Kirchanschöringer. An diesem verregneten Vatertag 1976 kam es bei schlechten Platzverhältnissen zu einer buchstäblichen Schlammschlacht zwischen den damals besten Landesliga-Teams.

Und die Ampfinger gingen gleich nach neunzehn Minuten durch Emmerl in Führung. Es lief nicht richtig für den SVK, die Ampfinger spielten drückend überlegen. In der Pause stellte Fellner um. Es dauerte bis zur 70. Minute, ehe Kühnhauser am linken Flügel allen auf und davon zog und für den vielumjubelten Ausgleich sorgte. 

SVK SV Kirchanschöring
Bezirksligameister 1976

Die gelb-schwarzen Fahnen wurden ausgerollt, der SVK witterte Morgenluft. Keine fünf Minuten später entkam Maxlmoser seiner engen Deckung und erzielte das umjubelte  2:1. Unbeschreiblicher Jubel setzte nach dem Schlusspfiff ein, selbst der sonst so kühle Trainer Fellner hatte Tränen in den Augen. Dem Aufsteiger war auf Anhieb die Meisterschaft gelungen.

Nun ging es um den Aufstieg in die Landesliga, die damals vierthöchste Liga im Land. Das Aufstiegsspiel fand vor 2500 Zuschauern in Waldkraiburg statt, Gegner war der FC Emmering. Doch der Traum vom Aufstieg wurde mit 1:4 zerschossen.

 

Noch hatte der SVK eine Chance. Nun sollt es im zweiten Anlauf klappen. Gegner im zweiten Aufstiegsspiel in Lohhof war der FC Schrobenhausen.

Aufstieg in die Landesliga

Noch geschockt von der Niederlage zeigte der SVK in einer Hitzeschlacht Nerven. Die Schrobenhausener machten das Spiel, erarbeiteten sich tolle Tormöglichkeiten, scheiterten aber wieder und wieder an Torwart Kurt Gaugler. Zum denkbar günstigsten Zeitpunkt, kurz vor der Pause, gelang Maxlmoser das ungemein wichtige 1:0 für die Anschöringer. Die begriffen während der Halbzeit, was hier möglich war und kehrten wie verändert aus der Kabine zurück. Gleich nach Wiederanpfiff erhöhte abermals Maxlmoser auf 2:0. 

Schrobenhausen kam noch einmal durch den Anschlusstreffer von Mitrovic in der 71. Minute zurück und war nah dran am Ausgleich. Die Ereignisse überschlugen sich nun: Elfmeterpfiff für Schrobenhausen. Mitrovic läuft an, Schuss, Gaugler taucht in die richtige Ecke und lenkt an den Außenpfosten. Von diesem Schock erholten sich die Schrobenhausener nicht mehr und Maxlmoser sorgte mit dem 3:1 für die Vorentscheidung. Kühnhauser erhöhte noch auf 4:1, Maxlmosers dritter Treffer zum 4:2 war nicht mehr als Ergebniskosmetik. Der SVK, der Schreck vom Land, der A-Klassen Aufsteiger, war nun ein Landesligist.

 

Der SVK in der Landesliga

SVK, SV Kirchanschöring
Die Landesligamannschaft 76/77

Die Landesligapremiere lockte auf Anhieb 1400 Zuschauer nach Anschöring. Unvorstellbar, rechnerisch stand jeder zweite Kirchanschöringer am Fußballplatz. Gegner war Meisterschaftsfavorit MTV Ingolstadt. Dem SVK gelang durch ein Traumtor von Alois Straßer der sensationelle 1:0-Sieg. Die Euphorie im Dorf überschlug sich. Die Serie ging weiter. Auch in Burghausen sorgte man für den nächsten Streich, 3:0 siegten die Anschöringer. Am dritten Spieltag pilgerten 1500 Zuschauer an die Laufener Straße, und als die Fellner – Elf Germaringen gleich mit 5:0 vom Platz fegte, schien alles möglich. Anschöring war auf Platz Zwei der Landesliga und die einzige Mannschaft ohne Gegentreffer. Die gesamte Region stand Kopf. Sollte der SVK gleich in die dritte Liga durchmarschieren?

Nach dem sensationellen Start mit drei Siegen in Folge markierte der 4. Spieltag den ersten herben Rückschlag für den SV Kirchanschöring. Vor sagenhaften 2000 Zuschauern kassierte der SVK gegen die starken Amateure des FC Augsburg eine deutliche 0:4-Heimniederlage, bei der sich erstmals Nervosität und Konzentrationsfehler einschlichen

Darauf folgte direkt eine 0:2-Niederlage in Gundelfingen, wodurch das Team endgültig aus der Spitzengruppe abrutschte

Der absolute Knackpunkt der Saison ereignete sich am 6. Spieltag bei einem turbulenten 3:3-Unentschieden gegen die TSG Augsburg

Nach hochgradig umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen und Ausschreitungen auf dem Spielfeld verhängte das Sportgericht drastische Strafen gegen den Verein: Eine harte Platzsperre für drei Heimspiele, eine Geldstrafe von 300 DM sowie wochenlange Sperren für Leistungsträger wie Thomas Dengel und Vogt. Vor dem Sportgericht gelang es aber, die schwerwiegendsten Vorwürfe auszuräumen, die Sperre von Dengl und auch die Platzsperre wurden nach einem Spiel wieder aufgehoben.

 

Bis zur Winterpause ging es für den SVK in der Tabelle nach unten und rasch wurde klar, dass die Mannschaft erwartungsgemäß um den Abstieg spielen würde. Ständige Verletzungs- und Krankheitssorgen bei zentralen Schlüsselspielern wie Schuhegger, Gindert oder Zehentner dezimierten den ohnehin schon eng besetzten Kader der "Dorfmannschaft" immer wieder. Das Team verlor zahlreiche Partien äußerst unglücklich durch späte Gegentore in der absoluten Schlussphase. So kassierte man beispielsweise gegen den TSV Göggingen den 1:2-Siegtreffer erst in der Drangperiode kurz vor Abpfiff

. In anderen Spielen, wie bei der knappen 0:1-Niederlage in Kempten, verhinderte schlichtweg das Aluminium (mehrfache Pfosten- und Lattentreffer) einen Punktgewinn

In der Rückrunde sorgte die Mannschaft, die bis heute ein Heldenmythos im Dorf umgibt, mit großartigen Siegen in Augsburg und Starnberg für Hoffnung, den Klassenerhalt doch noch zu schaffen. Trotz dieser massiven Rückschläge bewies die Mannschaft Moral und kämpfte sich am Ende der regulären Saison noch auf einen geteilten Abstiegsplatz, was ein alles entscheidendes Relegationsspiel gegen den punktgleichen FC Kempten auf neutralem Platz in Unterpfaffenhofen erzwang

Doch auch im Finale blieb das Glück aus: Der SVK ging in diesem Endspiel zwar nach 22 Minuten durch Zehentner mit 1:0 in Führung, kassierte jedoch in der zweiten Halbzeit den Ausgleich und musste in der 80. Minute das bittere 1:2 hinnehmen

Bezeichnend für das Pech dieser Spielzeit war die Tatsache, dass sich Leistungsträger Kühnhauser in diesem "Alles oder Nichts"-Spiel zu allem Überfluss einen Muskelfaserriss zuzog, sich aber dennoch über den Platz schleppte, da das Wechselkontingent erschöpft war

Durch diese knappe Niederlage war das "Abenteuer Landesliga" für den SV Kirchanschöring trotz großen Kampfes nach nur einem Jahr besiegelt

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