Unser Abschied von Opa Jochen

Unser Opa Jochen war nicht nur aus dem Elterntagebuch, sondern auch auf den Bahnlinien Deutschlands als Eisenbahner mit Herz bekannt. 

Da wir uns coronabedingt nicht standesgemäß verabschieden konnten, hier noch der Nachruf, der in der Südostbayerischen Rundschau erschienen ist:

Abschied von einem Eisenbahner mit Herz

Jochen vor seinem "Ruhpoldinger"
Jochen vor seinem "Ruhpoldinger"

Als altgedienter Eisenbahner, Zugschaffner auf der Strecke Traunstein-Ruhpolding und durch seine Leidenschaft für Modelleisenbahnen war Joachim „Jochen“ Janikowski auf allen Bahnlinien quer durch Deutschland bekannt. Seinen Lebensmittelpunkt hatte der gebürtige Berliner in den letzten zwanzig Jahren – natürlich – in der Eisenbahnerstadt Freilassing. Mitte Januar ist Jochen Janikowski überraschend im Alter von 69 Jahren verstorben.

Sein Leben und seine Leidenschaft hat er dem Thema Eisenbahn gewidmet. Bis zuletzt war er Mitglied im Modelleisenbahn-Club Traunstein, im Lokschuppen Freilassing und hatte auch angedacht, in der Zeit nach Corona die Bockerl-Bahn im Ainringer Moor zu fahren. Mit dem Modelleisenbahn-Club hatte er unter anderem die Modelleisenbahn beim Traunsteiner Christkindlmarkt mit betreut. Als Eisenbahn-Experte waren seine Fotos und Berichte in fast 1000 Beiträgen in Fachzeitschriften veröffentlicht worden. Vielen Menschen in der Region wird er aber als pfiffiger Schaffner der Strecke Traunstein-Ruhpolding in Erinnerung bleiben. Jochen Janikowski hatte das seltene Glück, dass er auch nach seiner Frühpensionierung noch über zehn Jahre einer Tätigkeit nachgehen konnte, die gleichzeitig seine Berufung war und als Schaffner für die Südostbayernbahn tätig war.

Zuvor hatte Jochen Janikowski bereits eine lange Beamtenlaufbahn auf verschiedenen Stellwerken Deutschlands hinter sich, die längste Zeit davon in Pasing. Aufgrund seiner schnellen Auffassungsgabe und weil er die Aufgaben auf einem Stellwerk nicht nur als Job sah, sondern durch und durch verinnerlichte, machte er einen raschen Aufstieg innerhalb der Deutschen Bahn. Privat war er zwei Mal verheiratet und hatte zwei Kinder. Seine letzte Station fand er in Freilassing, wo er die letzten zwei Jahrzehnte mit seiner Lebensgefährtin Rosa Paulini verbrachte. In der Eisenbahnerstadt wurde er schnell heimisch. Hinter seinem neuen Zuhause erbaute er in jahrelanger Arbeit eine der eindrucksvollsten Gartenbahnen der Region, die seitdem viele Kinder und Erwachsenenherzen glücklich gemacht hat, vor allem die seiner zwei Enkelkinder.

Keine vier Wochen nach seiner allerletzten Fahrt als Schaffner nach Ruhpolding und im ersten Monat, nachdem er endgültig die Fahrdienstleiterkappe an den Nagel gehängt hat, ist er überraschend verstorben. Als er seinen schwerkranken Bruder Andreas noch einmal besuchen wollte, erlitt er dort einen Herzinfarkt und schlief friedlich in den Armen seines Bruders ein.

 

Aufgrund der Coronasituation konnte keine Beisetzung stattfinden. Deshalb wurde Jochen Janikowski am Friedhof Freilassing von seinem Sohn Jürgen Janikowski und Rosi Paulini im engsten Familienkreis verabschiedet. 

Der Zeitungsartikel aus der Südostbayerischen Rundschau
Der Zeitungsartikel aus der Südostbayerischen Rundschau

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