Ein Wuzi wohnt im Bauch der Mama

Wir warten. Wir warten auf das Christkind. Oder auf den Nikolaus. Wir warten. Wir warten auf die Vollzähligkeit unsrer kleinen Familie. 

Vor zwei Wochen begann es, ernst zu werden: Der Kleine wurde an die Oma übergeben, um gemeinsam, vielleicht ein letztes Mal für viele, viele Jahre, gemeinsam ins Kino zu gehen. 

Winterkartoffelknödel.

Beim Abendessen scherzt sie noch mampfend: „Wenn das so weitergeht, werde ich noch fett wie ein Winterkartoffelknödel!“. Dann ging es weiter ins Lichtspielhaus Reichenhall zum Film „Winterkartoffelknödel“:

Das ganze Kino gackerte und klopfte sich auf die Schenkel. Nur die Frau neben mir nicht. Die hielt sich den Bauch, machte komische Schnaufgeräusche und schaute angestrengt drein. "Wenn hier die Fruchtblase platzt, trägst du mich bitte raus!", flüstert sie. "Du weißt, dass ich liegen muss, wenn es heute passiert, oder?" Ich nicke und schaue sie fragend an. Das ganze Kino brüllt vor Lachen. Irgendeinem Typ ist gerade ein Container auf den Kopf gefallen. 

Wir stoppen die Zeit zwischen den Wehen. Exakt 13 Minuten. Oder 6 Schenkelklopfer. Der Kinosaal wiehert, als sich ein bekiffter Althippie aus Versehen einen Zehen abhackt. Krankenhaus oder weiterschauen?

Wir halten durch, bis die Mordserie aufgeklärt ist. Einen Winterspaziergang später lassen die Wehen nach. Fehlalarm. 

So geht es seitdem alle paar Tage. Wehen, Wehen, Wehen. Dazwischen: Den Kleinen, wild und lustig wie eh und je, mit dem Zeigefinger maßregeln: Wehe, Wehe, Wehe!

Der fetzt nämlich mit dem Stubenwagen, der schon im Wohnzimmer bereit steht, durch die Wohnung und zetert so lange, bis er sich, den Diezi im Mund, selber reinlegen darf. Ein Riesenbaby!

Auch der gesamte Spielzeugbestand ist vom Erstgeborenen bereits Wochen vor der Geburt strikt in Besitzverhältnisse aufgeteilt worden: Das ganze Spielzeug, außer einer Spieluhr: "Bastians!" Eine kleine, blaue Spieluhr: Baby seines.

Der Papa nimmt es zur Kenntnis, verstaut das Playmobil Piratenschiff auf dem Schrank und überlegt, wann er dem Filius den Unterschied zwischen Besitz und Eigentum nach §§854 ff. BGB erklären soll Dann heißt es nämlich: "Alles Papa seins!"

Doch das kann noch dauern. Bis es soweit ist, heißt es weiterhin: ,Warten, warten, warten. Und wehe, wehe, wehe die Wehen gehen nicht bald los!

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Kommentare: 1
  • #1

    Rebel (Donnerstag, 04 Dezember 2014 19:47)

    In diesem Sinne: Guten Rutsch!!!