Zu Beginn der 1970er Jahre befand sich der SV Kirchanschöring in einer Phase des sportlichen Umbruchs und der existenziellen Identitätssuche. Nach einer sportlichen Krise war die Stimmung von Unsicherheit und der Sorge um den Klassenerhalt geprägt. In dieser prekären Lage übernahm Hannes Meindl das Traineramt und stand vor der Mammutaufgabe, eine verunsicherte Mannschaft zu stabilisieren und defensiv neu zu ordnen. Der Verein agierte damals in einem regionalen Umfeld, das von einer enormen Rivalität im Rupertiwinkel und einer physisch betonten Spielweise dominiert wurde. Für den SVK ging es Anfang 1973 nicht mehr nur um Punkte, sondern darum, durch eine radikale taktische Neuausrichtung und eine Steigerung der körperlichen Fitness den Anschluss an die regionale Spitze nicht zu verlieren.
Diese Ausgangslage bildete den Nährboden für die darauffolgende Entwicklung: Meindl setzte auf ein System, das jeden Akteur in die Pflicht nahm. Im Zentrum dieser Stabilität stand Torhüter Gaugler, der als sicherer Rückhalt oft den drohenden Kollaps verhinderte. Die Defensive wurde durch den unermüdlichen Kämpfer Gindert und den taktisch vielseitigen „Sonderbewacher“ Kühnhauser geprägt, der als defensives Rückgrat die gegnerischen Leistungsträger neutralisierte. In der Offensive glänzte mit Maxlmoser ein Prototyp des Torjägers der 70er Jahre, dessen Schnelligkeit und Abschlussstärke – etwa beim Hattrick gegen Laufen oder seinem Sechs-Pack gegen Petting – legendär wurden.
In einer Zeit, in der der Klassenerhalt primär eine Frage der Moral war, wirkte der 2:0-Erfolg gegen den ESV Freilassing wie ein psychologischer Befreiungsschlag. Hier bewies Meindl sein Gespür, als er durch die Einwechslung von Hummelberger für den zuvor bereits für den verletzten Stolz gekommenen Ziegler neue Impulse setzte, die schließlich im entscheidenden Treffer durch Ufertinger mündeten. Die prestigeträchtigen Lokalderbys gegen Laufen und Inzell bildeten das emotionale Herzstück der Saison.
Den symbolischen Höhepunkt dieser Ära bildete der Gewinn des Wanderpokals in Tengling im Juni 1973. Der furiose Finalsieg gegen den SV Fridolfing, trotz eines frühen Rückstands, demonstrierte die überlegene Ausdauer und taktische Reife der Elf. Die Saison endete schließlich mit einem hart erkämpften Unentschieden gegen den Meister Teisendorf, wobei der komplizierte Beinbruch von Gindert die totale Opferbereitschaft dieser Mannschaft versinnbildlichte. Rückblickend betrachtet war es diese Kombination aus Meindls taktischem Geschick und der individuellen Klasse von Spielern wie Maxlmoser und Gaugler, die den SVK zu einer gefestigten Kraft im regionalen Fußball reifen ließ.
Anfang der Siebziger Jahre stand der SVK sportlich nicht schlecht da. Die A-Klasse schien das Höchste für ein kleines Dorf wie Kirchanschöring. Aber dieses Dorf begann schon ab 1972 ein neues, noch größeres Selbstbewusstsein zu entwickeln. Der junge „Bejzei“, Bernhard Dürnberger aus Eberding, hatte es über den Umweg ESV Freilassing zum Jugend-Nationalspieler geschafft. Das Dorf und der gesamte Verein platzte vor Stolz, als der 18-jährige Bernhard bei der Bundesliga-Mannschaft der Stunde, dem Deutschen Meister FC Bayern unterschrieb. Aber auch die verbliebenen einheimischen Fußballer waren eine interessante Mischung aus jungen Wilden und Routiniers. Und dann gelang Abteilungsleiter Hannes Meindl der Coup, einen der größten Fußballexperten der Region für den SVK zu verpflichten. 1974 kam mit Sepp Fellner ein ehemaliger Auswahlspieler, der für den FC Traunstein gespielt hatte und in Traunreut bereits eine erfolgreiche Trainerstation absolviert hatte. Die Verpflichtung von Fellner sorgte dafür, dass der Libero und Führungsspieler Alois Straßer, der eigentlich seine Fußballschuhe an den Nagel hängen wollte, doch noch weiter machte.
Und die Ära Fellner begann gleich mit einem Knaller:

Im August 1974 fand das überfällige Ablösespiel für den ehemaligen SVK Jugendspieler Bernhard Dürnberger statt. Der FC Bayern hatte sich in Bestbesetzung angekündigt. Der Andrang war gewaltig, über 7000 Zuschauer drängten nach Anschöring, um die sechs Weltmeister und den amtierenden Europapokalsieger zu sehen.
Der SV Kirchanschöring trat in Bestbesetzung mit allen Stars an: Kurt Gaugler im Tor, Gindert, Alois Straßer, Ziegler und Sowa, Kühnhauser, Dengel, Maxlmoser, Zehentner, Wallner, Vogt.
Die Bayern, die aufgrund einer strapaziösen Vorbereitung das Spiel am liebsten abgesagt hätten, reisten ihrerseits nicht, wie versprochen, mit allen Weltmeistern an. Heute würde man sagen, es spielte die „B-Elf“ des FC Bayern: Robel, Hansen, Rohr, Zobel, Jenssen, Kappelmann, Torstensson, Wunder und natürlich Dürnberger. Von den Weltmeistern traten nur Uli Hoeness (und Jupp Kapellmann, der allerdings bei der WM nicht zum Einsatz gekommen war) an. Das junge Talent Karl Heinz Rummenigge war damals noch zu unbekannt, um den Unmut der wütenden Fans zu lindern. Bernhard Dürnberger erinnerte sich, dass Uli Hoeness nur versehentlich nach Anschöring reiste. Er war aufgrund einer Autogrammstunde unterwegs und hatte den Urlaubsbefehl von Robert Schwan nicht erhalten. Beckenbauer, Müller, Maier, Schwarzenbeck und Breitner lagen zur selben Zeit, so Dürnberger, natürlich nicht - wie man sich später erzählte - am Waginger See. Paul Breitner beispielsweise hatte inzwischen bei Real unterschrieben und war auf dem Weg nach Madrid.
Die Bayern siegten, nachdem es bis zur 70. Minute noch 3:2 stand, im Kirchanschöringer Pfeifkonzert mit 10:2. Bayerntrainer Lattek lobte vor allem die bravouröse Leistung des Kirchanschöringer Maxlmoser und Schlussmann Kurt Gaugler. Für die Kirchanschöringer Kicker war es dennoch ein unvergessliches Erlebnis. Alois Wallner erinnerte sich, dass sein Gegenspieler der damals als „Mister Europacup“ bekannte Schwede Conny Torstensson war. Nach dem Spiel begaben sich SVK Kassier Konrad Straßer und Bayern Manager Robert Schwan mit schweren Geldkassetten zum Gasthaus Felber. Dort zählten sie die Zuschauereinnahmen aus. Ausgemacht war, dass der FC Bayern achtzig Prozent der Einnahmen hätte behalten können. Als die SVKler auf Robert Schwan einredeten, es wären auch nicht achtzig Prozent der versprochenen Stars gekommen, knickte Robert Schwan ein: Die Anschöringer bekamen den Bayern-Anteil. Von dem unverhofften Geldsegen finanzierten sie die Flutlichtanlage am neuen Sportplatz.

Die Saison 1974/75 über eroberte sich der SVK früh einen Spitzenplatz. Eine neue, aufstrebende Mannschaft hatte sich formiert: Im Tor stand mit Kurt Gaugler ein Schlussmann, der auch vorne Elfmeter verwandeln konnte. Alois Straßer war Leistungsträger in der Defensive. Mit Maxlmoser hatte man einen ungemein torgefährlichen Offensivmann. Zum Ende der Saison kehrte mit Hans Straßer ein Leistungsträger aus vergangenen Tagen aus Indien zurück, der immer für einen Treffer gut war. Bei seinem Comeback gegen Neuötting schlug er auf Anhieb zu, erzielte ein Tor selbst und bereitete den zweiten Treffer vor.
Die Meisterschaft schien zum Greifen nah. Doch immer wieder wurde entweder ein Spitzenduell, oder ein vorentscheidendes Match überraschend verloren.
Letztendlich aber war der Vorsprung, den man sich vor Traunreut herausgespielt hatte, zu groß und der Triumph perfekt: Das Team von Trainer Sepp Fellner gewann souverän die Meisterschaft in der A-Klasse und stieg in die Bezirksliga Ost auf. Im Duell gegen den FC Traunstein sicherten sie sich auch noch die Kreismeisterschaft. Basis dieser starken Mannschaft war gleichzeitig eine herausragende Reserve. Auch die „Zweite“ holte die Meisterschaft.
Die Anfänge des SVK
Die Sechziger Jahre
Der Aufstieg in die Landesliga
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