Die Geschichte des Monats

Eine Corona-Kurzgeschichte

Am Altwasser

Das Altwasser lag still und brackig zwischen totem Gehölz. Langsam spazierte er den schmalen Weg zwischen Wasser und Böschung entlang. Ein Duft stieg ihm in die Nase. Beißend und Schluckweh verursachend, beinahe – aber woher kam der Geruch, fragte er sich. Entstieg er stinkend dem Wasser oder waberte er, über das Wasser geweht, von der nahen Kläranlage her. Sicher war nur, was es mit ihm machte. Das Stinken verstärkte die Gedanken an Fäulnis, Verderben, diesen Widrigkeiten, denen er sich zu entziehen versuchte, hier draußen fernab von – Er hielt inne. Nichts. Stille suchte er hier, Einsamkeit und Vogelgezwitscher und ein Verstummen der Gedanken, des Denkens, der Angst, des Fürchtens. Und weil eine Weile alles Erhoffte da war, lenkte dieser Gestank jeden Gedanken zurück auf das, was er - war da was? Es war sicher nichts, sagte er sich, ein Krötenquaken, das dumpf dem Sumpf entwich. Doch, da war etwas. Da war eine Gestalt, die ihn – Er horchte innehaltend, fixierte das Etwas in der Ferne. Von fern wirkte es geduckt wie ein großer schwarzer Hund. Nein, aufrecht. Menschlich. Ein Mensch. Er musste weg. Der Weg war schmal. Ein Mensch, das war genau das, was er  – ja, der Mensch kam langsam auf ihn zu. Kein Ausweg, kein Fluchtweg. Ein Weg ohne Ausweichmöglichkeit. Hadernd, hierhergekommen zu sein, wägte er ab, wie käme er wieder weg, heil und ohne – vielleicht ins Wasser? Sicherer wäre es im Wasser, als dem Mensch zu – er schritt zurück, Schritt für Schritt, fasste Mut, fasste nach einer Wurzel, hievte sich Meter für Meter die Böschung hoch und griff nach einem Gebüsch, ein rettendes Gebüsch, hinter dem er sich verbarg. Bang blickte er hustend nach unten. Der Mensch war fort.


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Der Zirkus Corona ist das Corona-Tagebuch von Bernhard Straßer. Der Papa von zwei Söhnen schreibt in seinem Blog regelmäßig über den Alltag der Familie in der Coronakrise. Mehr hier