Zwei einsame Herzen und ein Hund

Kindergeschichte über Einsamkeit und die Liebe zu einem Haustier

Diese Kindergeschichte über einen Jungen, dessen einziger Freund in einer fremden Stadt sein Hund ist, habe ich als Austauschschüler in den USA geschrieben. Auch ich bin damals einem Mädchen begegnet, das mir meinen Hund abkaufen wollte. Natürlich habe ich den Hund behalten. Aber es ist diese schöne Hundegeschichte für Kinder entstanden.

Lorenz ging den Park hinab. An den Bänken vorbei, einmal um den Teich und wieder zurück Richtung Siedlung. Er hörte nicht viel von den Klängen des Abends, denn es steckte ein Stöpsel in seinen Ohren. Ein Stöpsel, aus dem Musik klang. LaBrassBanda. Ein Lied, das ihn an Daheim erinnerte. Eines der ruhigen Lieder. Die Trompetenklänge in Moll passten zur Abendstimmung. In seiner Hand hielt Lorenz eine Leine. An der Leine zog ein Hund. Sein Hund. Ein lieber Hund, ein netter Hund. Aber halt nur ein Hund. Wenn jemand alleine ist, dann bleibt immer noch der Hund als treuer Freund. Lorenz war froh, dass seine Eltern nach dem Umzug den Hund gekauft hatten. Er stellte den Lautstärkeregler leise. Nahm dann den Kopfhörer komplett ab. Das kleine Mädchen, das auf der Straße spielte, hatte ihn etwas gefragt. „Wie bitte?“, fragte er und mühte sich ein Lächeln ab. 

Er war glücklich, dass ihn in dieser für ihn noch immer so fremden Stadt jemand bemerkt hatte. Manchmal fühlte er sich wie ein Geist. Aber wenn das Mädchen ihn sah, mit ihm sprach, dann konnte er kein Geist sein.

 „Oh, wie süß! Das ist ja ein lieber Hund!“ schwärmte das Mädchen und umarmte das verdutzte Tier. Lorenz schaute fasziniert zu, wie sich sein sonst eher misstrauisches Haustier mit hechelnder Zunge streicheln ließ.

„Das ist Cougar“, sagte Lorenz. 

Cougar war alles andere als ein Schoßhündchen. Er war groß genug, dass das kleine Mädchen auf ihm hätte reiten können. Und so innig, wie sie ihn umarmte, hatte es beinahe den Anschein, als würde sie sich tatsächlich jeden Moment auf ihn setzen und davongaloppieren. Sie löste sich wieder von Lorenz‘ tierischen Gefährten und blickte den Hund sehnsüchtig aus rehbraunen Augen an: 

„Ich möchte so gerne auch einen Hund haben“, seufzte sie. „Genau so einen wie den da. Wie brav er ist! Wie lieb er mich anschaut!“ 

Das Mädchen schaute Lorenz mit ihren großen Augen bittend, beinahe flehend an. Lorenz lächelte etwas unsicher und zuckte die Achseln. „Kauf dir halt auch einen!“

„Ich will aber genau den da“, sagte das Mädchen und deutete auf Cougar. „Darf ich ihn dir abkaufen?“ Sie lächelte Lorenz erwartungsvoll an. Gleichzeitig nahm sie Cougar in die Arme und auch er begann mit seinen unschuldigen Hundeaugen Lorenz anzustarren. Ganz so als, wollte auch er sagen: „Bitte, bitte, verkauf mich an das Mädchen!“

Lorenz musterte seinen Hund überrascht und auch etwas enttäuscht. Sicher, er hatte ihn nicht immer so gut behandelt, wie es seine Pflicht gewesen wäre. War nicht immer Gassi gegangen, hatte ihn nicht immer rechtzeitig gefüttert. Aber war das ein Grund, dass er sich nun mit dem erstbesten hübschen Mädchen gegen ihn verschwor? Lorenz fuhr Cougar behutsam durch das Fell: „Tut mir leid, aber eigentlich will ich ihn noch behalten.“ 

„Warum heißt er eigentlich Cougar?“ fragte das Mädchen. 

„Cougar ist Englisch und bedeutet Puma“, antwortete Lorenz.

Sie lachte. „Das ist lustig. Cougar, ich hab dich lieb.“ 

Sie gab dem Hund einen zarten Kuss auf das Fell. 

Ich will ihn eigentlich wirklich nicht hergeben, dachte Lorenz. Das Mädchen griff in ihre Tasche und zog drei Euro-Münzen heraus: „Mehr hab ich nicht“, murmelte sie kleinlaut. Hund und Mädchen starrten Lorenz bittend an. 

„Ach, Cougar“, seufzte Jojo, „Willst du mich denn wirklich loswerden?“ 

Das Mädchen versuchte, ihm das Geld in die Hand zu drücken und begann zu betteln: „Bitte, bitte, bitte, verkaufe mir dein süßes, liebes, braves Hundilein.“ 

Inzwischen war die Mutter des Mädchens nach draußen gekommen und beobachtete lachend das Feilschen. Das Mädchen klammerte sich wieder liebevoll an Cougar fest. Cougar begann winselnd zu jaulen und Jojo versuchte, dem Mädchen die Münzen wieder in die Hand zu drücken. Jetzt griff die Mutter ein: 

„Jennifer! Genug. Du kannst dem Jungen doch nicht einfach seinen Hund abkaufen. Der hat ihn doch auch lieb.“ 

Jojo nickte hilfesuchend. Jennifer wollte von Cougar nicht ablassen. „Er hat ihn mir aber schon verkauft, hat er doch? Bitte, Mami. Bitte lass mich den Hund behalten. Der Hund hat mich viel lieber als ihn. Nicht wahr, Cougar?“ 

Cougar bellte drei Mal so laut, als wolle er unbedingt zustimmen. Jojo stand wie bedröppelt daneben. Die Vorstellung, dass er auch noch seinen einzigen Freund in der fremden Stadt verlor, schnürte ihm die Kehle zu. Verrat durch den eigenen Hund. Die Mutter kniete sich zu ihrer Tochter hinab und streichelte ihr durchs Haar: „Nicht traurig sein, Jenny. Nächstes Weihnachten darfst du dir einen Hund wünschen, dann bist du alt genug. Jetzt bedank dich bei dem Jungen, dass du mit dem Hund spielen hast dürfen. Aber der Junge wird sicher schon zum Abendessen erwartet.“ 

Jojo atmete erleichtert auf: „Vielen Dank“, sagte er zu der Frau. 

Jennifer konnte sich nun endlich von Cougar lösen: „Tschüss, lieber Cougar. Ich hoffe, wir sehen uns bald, bald wieder.“ 

Sie wandte sich an Jojo: „Bitte komm doch bald wieder vorbei! Vielleicht darf ich mit Cougar und dir spazieren gehen?“ 

Lorenz musste lächeln und merkte, dass sich sein Gesicht leicht rötete. Er nickte und versuchte, cool zu bleiben: „Ich gehe mindestens einmal in der Woche hier spazieren. Wenn du magst, klingle ich dann bei dir.“ 

Die Mutter nickte Lorenz zu und verabschiedete sich. Dann ging sie mit Jennifer zurück ins Haus. Als sich nach einigen Metern Lorenz noch einmal verstohlen umdrehte, stand Jennifer noch immer an der Straße. Sie winkte beiden noch einmal lächelnd zu. Lorenz steckte sich wieder die Kopfhörerstöpsel in die Ohren und ging weiter: Das nächste Lied war eines, das zum fröhlichen Tanzen einlud.

wie hat euch die Hundegeschichte gefallen? Hier könnt ihr kommentieren!

Kommentare: 0