Der Durchbruch der Chiemgauer Popkultur

LaBrassBanda beim Almfestival 2011
LaBrassBanda beim Almfestival 2011

Zeitsprung in den Juni 2008:

Das „Base“, der Jugendtreff am Bahnhof in Kirchanschöring. Die Organisatoren des „Im Grünen“ bereiten gerade die vierte Ausgabe ihres Indie-Festivals vor. Nach getaner Arbeit sitzen sie bei Bier und Grillfleisch zusammen. Sie warten auf einen Ehrengast.

Bald ertönt vom Pöllner-Berg Traktorengeräusch herunter. Ein Eicher Bulldog, Baujahr ´53 schnauft den Pöllner Berg hinunter, begleitet vom Brummen von fünf Mopeds. Bald ist es in der Bahnhofstraße so laut, als habe das Im Grünen Festival bereits begonnen. Vom Anhänger des Bulldog ertönt Blasmusik und das Scheppern von prostenden Bierflaschen.

Vom Bulldogfahrer zum Rockstar: Der Keller Steff
Vom Bulldogfahrer zum Rockstar: Der Keller Steff

Auf dem Traktor sitzen die Musiker von LaBrassBanda. Sie haben sich vorgenommen, mit dem Traktor quer durch Österreich zu fahren und rechtzeitig zum EM Spiel Deutschland – Österreich in Wien anzukommen. Bis dahin wollen die Musiker auf sämtlichen Stadt- und Dorfplätzen mit ihrer internationalen, wilden Blasmusik für gute Laune sorgen. Da die Band auf dem Im Grünen Festival einen ihrer ersten großen Auftritte hatte, war Kirchanschöring als einer der ersten Stopps auf der Tour gesetzt. Die EM-Tour von LaBrassBanda wird als bis heute unfassbar originelle Aktion in die Chiemgauer Musikgeschichte eingehen, die nicht nur die lederhosentragenden barfüßigen Musiker im deutschsprachigen Raum bekannt macht, sondern auch deren Bulldogfahrer, den Keller Steff. 

Lenze und die Buam und Stefan Dettl 2013 in Stein
Lenze und die Buam und Stefan Dettl 2013 in Stein

Der Hype um LaBrassBanda rückt die Chiemgauer Musikszene für viele Jahre in den Fokus. Während LaBrassBanda mit dem Keller Steff die Bierzelte füllen, macht sich eine Solokünstlerin, mit etwas leiserer aber nicht weniger wirkungsvoller Stimme einen Namen als Singer-Songwriterin: Claudia Korek. Auch die Münchner Szene wird von der Chiemgauer Musik infiltriert: Florian Kreier ist gleich in mehreren Bands aktiv. Als Angela Aux und Bandmitglied von Aloa Input und L’egojazz.

Als die Musikszene erwartet, dass der Chiemgauer Hype wieder abebbt, nutzen auch die Luftmentschn die Gunst der Stunde. Von Kamil Müller musikalisch neu beeinflusst und dank eines genialen Songtextes eines gewissen Lorenz Astl, dessen Text zum Smashhit„Heidi“ die Musik von Starflinger & Co. in die Youtube-Charts katapultierte, starteten sie als „Django 3000“ neu durch. Während Django 3000 das nächste „Big thing“ im Chiemgau wurde, trennt sich Django 3000 bald vom „Lenze“ Astl, der seinerseits als „Lenze und de Buam“ auf Tour ging. 

Django 3000 Foto: Wikipedia
Django 3000 Foto: Wikipedia
Talentschmiede und große Bühne der Chiemgauer Musikszene: Im Grünen Festival
Talentschmiede und große Bühne der Chiemgauer Musikszene: Im Grünen Festival

Über acht Jahre ist es inzwischen schon wieder her, seit sich LaBrassBanda aufmachten, die Chiemgauer Musikszene zu revolutionieren. Längst gehören sie nun ihrerseits zum Establishment. Und, wie es im Laufe der Geschichte immer war, gibt es längst neue „junge wilde“, die frischen Wind in die Musikszene bringen, letztendlich aber über die eine und andere Ecke auch wieder mit den „Großen“ Bands verbandelt sind. Darunter die Mundwerk Crew, die die Chiemgauer Form des Hip Hop bekannt gemacht haben und deren bisher größter Erfolg eine Co-Produktion mit Stefan Dettl wurde.

Aber auch die etablierten Musiker überraschten immer wieder mit neuen Projekten, oder Soloprojekten. Zuletzt erschienen neben der neuen Django 3000 Platte auch das erste Album von Monobo Son, des Projekts von Manuel Winbeck.

Zwischen Lederhosen, Blasmusik und Elektro gedeihen noch unzählige weitere Bands, Musiker, DJs und Projekte, die es allesamt verdient hätten, einen eigenen Artikel zu erhalten.

 

Womöglich brodelt es längst wieder in den finsteren Proberäumen einer Chiemgauer Bierstadt und lange dauert es nicht mehr, bis etwas völlig neues, frisches aus den Chiemgauer Lautsprechern ertönt. Doch bis dahin werden die Musikliebhaber mit verklärtem Blick im LadenBergen beim Andi Auer sitzen und schwärmen wie es war, dabei gewesen zu sein, als LaBrassBanda begann, den Chiemgau zum neuen Musikmekka zu machen.

Die Entstehung der Chiemgauer Bands Hier klicken

Teil 1: Sportfreunde Stiller in der Mole Hier klicken

Teil 2: Die Chiemgauer Bands Anfang 2000 Hier klicken

Teil 3: International Bohemia in der Festung Hier klicken

Mehr Retro Popkultur:


Die Anfänge des Festivals Im Grünen: Hier klicken

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Kleinstadtrebellen

Der Szeneroman des Traunstein der späten 2000er Jahre mit einer Prise FM4 und Sankt Pauli.

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