Heinrich Himmler in Fridolfing

Das Familiengrab der Rehrls in Fridolfing
Das Familiengrab der Rehrls in Fridolfing

Fridolfings Vergangenheit mit Zwangsarbeitern und die engen Kontakte Heinrich Himmler zum Ort sind in der Fachliteratur und im Internet sehr gut dokumentiert. Eine Zusammenfassung der frei zugänglichen Fakten:

Angestoßen wurde die Recherche nach einem Interview mit einer lebensälteren Kirchanschöringerin. Ganz beiläufig erwähnte sie, dass Heinrich Himmler früher in Fridolfing gelebt hätte.

 

Eine Spurensuche beginnt, die unter anderem zutage fördert, dass es in Fridolfing sogar ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau gegeben hat. Eine Rekonstruktion der damaligen Zeit:

Heinrich Himmler in Fridolfing

Familie Himmler verbrachte oftmals in der Stadt Tittmoning ihren Urlaub. Der Vater ist mit dem aus dem benachbarten Fridolfing stammenden Alois Rehrl befreundet.

Der junge Landwirtschaftsstudent Heinrich Himmler, der bereits ein Praktikum abbrechen musste, bekommt auf dem Hof von Alois Rehrl im Jahr 1920 eine erneute Chance. Heinrich Himmler beginnt sein landwirtschaftliches Praktikum im September 1920 in der Rehrl-Mühle.

Es entwickelt sich ein inniges Verhältnis zwischen Rehrl und Himmler, der wie ein Familienmitglied in Fridolfing aufgenommen wird. 

Heinrich Himmler bemüht sich auch, in die Dorfgemeinschaft Fridolfings integriert zu werden. Er wird Mitglied des örtlichen Gesangsvereins. Gemeinsam mit den Fridolfingern trinkt er Bier und singt, mit schwacher Stimme zwar, im Mittelpunkt steht mehr das gesellige Beisammensein. Himmler ist beeindruckt von der sozial intakten Dorfgemeinschaft. Weihnachten 1920 feiert er in Fridolfing auf dem Hof der Rehrls.

Alois Rehrl bleibt auf Jahrzehnte sein Mentor. Beide gehen Jagen, machen Bergtouren. Himmler wird Mitglied im Alpenverein. Rehrl in der SS. Himmler geht wöchentlich in die Kirche. Gleichzeitig schließt er sich der regionalen Einwohnerwehr an und übt sich im Schießen.

Himmlers Zeit in Fridolfing dauert ein Jahr bis 1921.

Das Männerlager Fridolfing

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten tritt Alois Rehrl 1933 in die Partei ein. Mit dem Aufstieg Heinrich Himmlers wird auch dessen einstiger Mentor später Mitglied in der SS.

Der Kontakt beider reißt nicht ab, Himmler verbringt seine Urlaube in Fridolfing.

In den Kriegsjahren nutzt Rehrl seine Kontakte zur SS und beantragt einen Ersatz für den verstorbenen langjährigen Säger in der Mühle. Der als Bibelforscher inhaftierte Schreiner Arno Salomon, inzwischen im KZ Dachau, wird nach Fridolfing verlegt. Organisatorisch wird die Rehrl Mühle zu einem Außenlager, einem „Männerlager“ des KZ Dachau gemacht.

Als im Mai 1944 zwei der Rehrl-Söhne im Krieg fallen, organisiert Himmler für seinen alten Freund vier weitere Häftlinge, Zeugen Jehovas, aus Dachau, für die Mühle. Man muss nun wissen, dass der SS Führer ein Freund der, im Dritten Reich eigentlich verfolgten Zeugen Jehovas war. Es ist also zu vermuten, dass die Verlegung von Dachau in dem Wissen erfolgte, dass es den Häftlingen auf dem Hof der Rehrls besser erging, als im KZ.

Die Häftlinge wurden nicht bewacht und dort gut behandelt, auch während der Entnazifizierung wird Rehrl, trotz seiner SS Mitgliedschaft als „Minderbelasteter“ eingestuft.

Die Fridolfinger Alois-Rehrl-Straße bezieht sich übrigens - vielen Dank für die Information eines Lesers - auf Alois Rehrl Senior. Dieser war damals ein Pionier der Elektrifizierung Fridolfings.

Alois Rehrl ist im Jahr 1948 verstorben. Ob er sich damit auseinandergesetzt hat, dass sein Zögling Heinrich Himmler für eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte und den Tod von Millionen von Menschen maßgeblich verantwortlich war, wäre sehr interessant zu wissen.

Falls einer der Leser noch Hinweise für mich hat, bin ich sehr dankbar.

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Kommentare: 2
  • #2

    Chiemgauseiten (Freitag, 31 August 2018 08:30)

    Vielen Dank für den Hinweis!
    Ich bin für jede Information in diesem sehr interessanten und ebenso heiklen Stück Heimatgeschichte sehr dankbar.

  • #1

    Anonym (Donnerstag, 30 August 2018 18:25)

    Die Straße in Fridolfing ist dem Vater des hier genannten Alois Rehrl gewidmet.

    Siehe Wikipedia:
    Fridolfing bekommt elektrisches Licht

    1893 wurde von Alois Rehrl ein Leitungsnetz von Dietwies in das Dorf Fridolfing gelegt. Bereits 1894 wurden 34 Anwesen in Fridolfing mit elektrischen Strom versorgt.

    Alois Rehrl war von 1877 bis 1881 Abgeordneter im bayerischen Landtag.

    Noch heute ist nach Alois Rehrl in Fridolfing eine Straße benannt.