Bernd Dürnberger

Eine ungewöhnliche Karriere beim FC Bayern München

Bernd Dürnberger, geboren am  17. September 1953 in Kirchanschöring, ist bis heute einer der erfolgreichsten Spieler, die je für den FC Bayern gespielt haben. Trotz aller Erfolge ist er immer bodenständig und bescheiden geblieben. 

Eine Fußballkarriere wie in einem Märchen: Die höchste Auszeichnung des FC Bayern, drei Mal den Champions League Pokal in die Luft gereckt, Weltpokalsieger, Deutscher Meister und Pokalsieger. Wer war dieser Superspieler, der 13 Jahre lang für den FC Bayern spielte? Die meisten werden nun die Schultern zucken, wenn sie seinen Namen hören. Aber Bernd Dürnberger aus Kirchanschöring hatte in den 70er und 80er Jahren Anteil an den legendären Erfolgen des FC Bayern München. In dieser Zeit absolvierte er 375 Bundesligaspiele und war der deutsche Spieler mit den meisten Einsätzen im Europapokal der Landesmeister.

Bernd Dürnberger heute

Bernd Dürnberger, Europapokal der Landesmeister
Mit Bayern gewann er dreimal den Landesmeisterpokal

Bernd Dürnberger aus Kirchanschöring blickt heute auf eine lange Karriere beim FC Bayern und zahllose Titel zurück, ist aber bis heute ein bescheidener Mensch geblieben, der weiterhin regelmäßig die Spiele seiner Mannschaft, des SV Kirchanschöring besucht. Zwei Rekorde hält der Dürnberger Bernhard, international unter dem Namen Bernd bekannt: Kein deutscher Fußballspieler hatte mehr Partien im Europapokal der Landesmeister absolviert. Und bis heute ist er neben dem Ajax-Keeper Heinz Stuy der erfolgreichste Fußballer, der nie ein Spiel in der Nationalmannschaft machen konnte. Auch heute noch muss es den kleinen Kirchanschöringer Nachwuchskicker wie ein Märchen erscheinen, wenn ihnen der Papa erzählt, was der Bernhard, der Samstag für Samstag am Sportplatz die Spiele des SVK verfolgt, in seinen jungen Jahren so geleistet hat. Der Bernhard, wird der Papa behaupten, hat den Champions League Pokal gleich drei Mal gewonnen. Der Bernhard, wird der Papa erzählen, hat früher beim FC Bayern gespielt. Zusammen mit Franz Beckenbauer, Karl Heinz Rummenigge oder Lothar Matthäus – diese Namen kennt auch heute noch jedes Kind. Eine sagenhafte, legendäre Zeit wird sich auftun, die größte des deutschen Fußballs. Bis heute. Es geht natürlich um Bernd Dürnberger, der unter dem Spitznamen „Wipf“ dreizehn Jahre lang als Dauerläufer das Spiel des FC Bayern mit geprägt hat und bis heute zu den erfolgreichsten Fußballern des Landes zählt. Einen ewigen Rekord hält er sogar sicher: Er ist der deutsche Spieler mit den meisten Einsätzen im Europapokal der Landesmeister, wie die Champions League früher hieß. Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen, seine Jahre beim FC Bayern zu rekonstruieren, um diese großartige Zeit auch für die jüngere Generation festzuhalten:

Von Breitners ESV Freilassing zum FC Bayern

Die Jugendmannschaft des SV Kirchanschöring mit Bernhard Dürnberger
Die Jugendmannschaft des SV Kirchanschöring mit Bernhard Dürnberger

Bernhard Dürnberger begann seine Fußballzeit beim SV Kirchanschöring in der Schülermannschaft. 1967 kam er in die Jugendmannschaft und fiel als kleiner Wirbelwind gegen chancenlose, wesentlich größere Gegenspieler auf.

Auch Paul Breitner Senior, Trainer der damals besten Jugendmannschaft in der Region, wurde auf das kleine Supertalent aufmerksam. "Wenn du was werden willst, musst du zu mir nach Freilassing kommen", lockte er das junge Talent und holte ihn zum ESV Freilassing.

Die Jugendmannschaft des ESV Freilassing
Die Jugendmannschaft des ESV Freilassing

Bernd Dürnberger in der Jugendnationalmannschaft

Paul Breitner, Bernd Dürnberger
Paul Breitner Senior mit seinen Schützlingen

Das Ehepaar Breitner fuhr wöchentlich nach Kirchanschöring, um mit ihn im Einzeltraining zu fördern. Beim ESV kickte er eineinhalb Jahre mit Paul Breitner Junior zusammen, der 1970 den Sprung zum FC Bayern schaffte. Dürnberger selbst sorgte als Stürmer in der Jugendnationalmannschaft für Furore. Im  Europameisterschaftsspiel gegen die UdSSR schoss er beim 4:0 Sieg alle Tore für die Deutschen. 1972 folgte er mit 18 Jahren Paul Breitner zum FC Bayern. Breitner Senior war es auch, der den jungen Dürnberger nach München zur Vertragsunterzeichnung fuhr.

Bernd Dürnberger beim FC Bayern

Bernd Duernberger Udo Lattek
Dürnberger mit Udo Lattek

Die Rahmenbedingungen hätten für ein Nachwuchstalent kaum härter sein können. Der FC Bayern war amtierender Deutscher Meister und sechs der Spieler waren gerade Europameister geworden. Im Kader standen einige der weltbesten Spieler, die gerade auf dem Höhepunkt ihrer Karriere waren: Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller. Dazu junge, fordernde Talente, die es bereits in die Nationalmannschaft geschafft hatten, wie Uli Hoeneß und Paul Breitner. "Wo kommt der her? Aus Kirchanschöring?", erinnerte sich Sepp Maier. "Ich hab gar nicht gewusst, wo das ist, dieses Kirchanschöring."

Dennoch gelang es dem jungen Dürnberger, sich gleich in die Mannschaft der Superstars zu integrieren. "Er war immer dabei, wenn eine Gaudi gemacht wurde", so Sepp Maier. 

Dürnberger hatte dennoch Glück, die eigentlich optimal besetzten Bayern hatten ein Außenstürmerproblem. Da er bereits in der Jugendnationalmannschaft als Linksaußen gespielt hatte, gab ihm Udo Lattek regelmäßig die Chance, sich beim FC Bayern zu bewähren. Bei seinem Bundesligadebüt am 16. September gegen Rot-Weiß Oberhausen war der 18-Jährige einer der jüngsten Spieler der Bundesliga. Sein erstes Tor schoss er am 5. Oktober zum 1:1 Endstand gegen Wuppertal. In 16 Partien spielte der Youngster die vollen 90 Minuten. 14 Mal wurde er eingewechselt. Natürlich war der Respekt vor den großen Namen anfangs groß. Geholfen hat ihm aber, dass er mit Paul Breitner bereits einen der Schlüsselspieler gut kannte. 

Gegen Ende seiner ersten Saison wandte Trainerfuchs Lattek einen Kniff an, der auch für Dürnbergers Karriere entscheidend sein sollte: Er setzte ihn ein erstes Mal als Verteidiger ein. Das Experiment glückte und Dürnberger bestätigte, als Allroundtalent einsetzbar zu sein. 1973 feierte er seinen ersten Meistertitel.

Bernd Dürnberger - der "Wipf" vom FC Bayern

Bernd Duernberger Nationalmannschaft
Dürnberger als Jugendnationalspieler

Auch einen Spitznamen hatte er recht schnell inne. Streng genommen sogar zwei. Denn "Bernd" nannte ihn außerhalb von Kirchanschöring keiner. Beim FC Bayern war er schnell der "Wipf". Sepp Mayer vermutet, dass er anfangs so ein kleiner unscheinbarer - eben ein Wipf war. Ob ihm Franz Roth oder Manager Robert Schwan den Spitznamen verpasst hatte, konnte nicht mehr geklärt werden.

Seine zweite Saison begann er als Pionier bei der Bundeswehr und hatte aufgrund dieser Doppelbelastung Trainingsrückstand. Dennoch war er dreißig Mal in der Bundesliga im Einsatz, schoss acht Tore. Im Europapokal der Landesmeister machte er vor allem im Deutsch- Deutschen Duell gegen Dynamo Dresden durch seinen Treffer im Hinspiel auf sich aufmerksam.

Im Mai stand der FC Bayern im Finale des Europapokals gegen Atletico Madrid. Dürnberger musste zunächst auf der Ersatzbank zusehen, kam aber in der 76. Minute für Torstensson ins Spiel. Nach Neunzig Minuten stand es 0:0 Unentschieden. Als sich in der Nachspielzeit bereits alle auf Elfmeterschießen eingerichtet hatten, gelang Luis Aragonés das Tor für die Spanier. Das Endspiel schien verloren. Die Spanier sahen sich bereits als sichere Sieger, als Schwarzenbeck mit einem Weitschuss in allerletzter Sekunde der legendäre Ausgleichstreffer gelang. Bayern siegte im Wiederholungsspiel überragend mit 4:0. Dürnberger selbst erlebte beim Rückspiel die erste bittere Erfahrung seiner Karriere: Wegen einer Verletzung aus dem Hinspiel konnte er das Spiel nur als Zuschauer verfolgen.

Seinen „gefühlt“ ersten internationalen Titel holte er, wie er selbst in Interviews sagte, erst 1975. Er war das gesamte Turnier über als Stammspieler dabei, schoss im Halbfinale gegen AS St. Etienne das Entscheidungstor und spielte beim Finalsieg gegen Leeds United die vollen 90 Minuten durch.

Bernd Dürnberger in den "Anschöringer Gschichtn"

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Kommentare: 1
  • #1

    Ralf Rössner (Mittwoch, 24 März 2021 13:19)

    Der Bernd ist für mich einer der besten und zuverlässigsten Spieler die der FCB jemals hervorgebracht hat! Eine Schande das er niemals in der Nationalmannschaft zum Zug kam. Heute wird jedes "Bürschchen" das mal zwei Tore geschossen hat gleich berufen. Als ich damals selbst noch spielte, war er für mich so eine Art Vorbild. Wünsche Ihm alles Gute...

    Gruß Ralf aus Hessen