Die NATO-Sirene

Die Kurzgeschichte handelt von einem Vater und Sohn, die während eines Spaziergangs auf eine alte NATO-Sirene stoßen. Als diese unerwartet aufheult, werden sie mit ihrer Angst und der potenziellen Bedrohung eines Atomschlags konfrontiert.

Über den Feldern bildeten sich grauweiße Nebelschwaden, die von dampfenden Sommertagen erzählten und die klamme Kälte des kommenden Herbstes ankündigten. Viktor spazierte mit seinem Sohn von Hügel zu Hügel aus der Stadt hinaus. Weiter, als sie je gewandert waren. Die Stadt mit all ihren Problemen schwand in ihrem Rücken. Vor ihnen in der Ferne ein kleines Dorf, ein Kirchturm. Die Luft frisch und verheißungsvoll. Die Natur still, wie erschöpft. Die Blätter an den Bäumen angebraunt, die meisten Vögel längst geflüchtet. Nach Süden, nach Westen. Viktors Sohn wich den Fragen seines Vaters nach der Schule aus. Viktor seinerseits vermied jede Erinnerung an seine Frau, so spazierten sie schweigend Seite an Seite die Radwege entlang, bogen auf einen Feldweg ab und wanderten querfeldein auf einen kleinen Turm zu. „Was ist das?“, fragte das Kind und deutete auf den schlanken, etwa zwanzig Meter hohen Turm, der wie ein Zepter auf einem nahezu perfekt runden grünen Hügel thronte. „Ist das ein Sender?“ Viktor schüttelte den Kopf. „Das ist eine NATO-Sirene“, antwortete er. 

Der Sohn schaute seinen Vater fragend an. „Was ist denn eine NATO-Sirene?“

„Was eine Sirene ist, weißt du?“ 

Der Junge nickte. Immer wenn es brannte, oder auf der Autobahn ein Unfall war, hörte man leise aus den umliegenden Dörfern die Sirenen. Er erinnerte sich an einen Tag in seiner frühen Kindheit, als unterschiedlich tönende Sirenen gleichzeitig aufheulten und ihn auf Tage verängstigen. Obwohl ihn seine Mutter damals beruhigt hatte, dies sei nur eine Übung gewesen. Immer, wenn er eine Sirene hörte, zuckte er bis heute zusammen.

„Weißt du auch, was die NATO ist?“

Viktors Sohn überlegte. Er hatte für die Schule die Abkürzung einmal auswendig lernen müssen. Aber er bekam den genauen Wortlaut nicht mehr zusammen. „Ein Militärbündnis“, sagte er.

„Hervorragend“, entgegnete Viktor und strich ihm über den Kopf. Das Kind lächelte. 

„Weißt du, wofür die NATO eine Sirene braucht?“

„Um zu warnen“, antwortete der Junge. 

„Natürlich. Aber wovor?“

„Vor einem Brand?“, antwortete der Sohn fragend.

Viktor schmunzelte. Er sah einer Gruppe Raben nach, die wild krähend unter der NATO-Sirene aufflatterten und davon stieben. 

„Du hast ein wenig Recht. Die NATO-Sirenen warnen indirekt vor einem Brand. Vor einem Weltenbrand. Denn wenn du jemals dieses grässliche Geräusch hören solltest, dann wird die ganze Welt brennen. Sie warnt nämlich vor einem anstehenden Atomangriff.“

Der Junge blieb stehen und sah seinen Vater mit offenem Mund an. „Vor einer Atombombe? Wenn die Sirene losgeht, wird gleich eine Atombombe einschlagen?“

Viktor nickte. „Nicht sofort. Ein paar Minuten haben wir dann schon noch. Aber wir müssten umgehend einen Bunker aufsuchen.“

„Wo ist denn der nächste Bunker?“, fragte der Junge.

Hinter dem Horizont zeugte ein rötlich aufflammender Himmel davon, dass hinter den Wolken die Sonne gerade unterging. Bis auf das ferne Schreien der Raben war es totenstill zwischen den Hügeln.

Viktor versuchte zu schlucken, er merkte, dass er den ganzen Tag über schon zu wenig getrunken hatte. Der altvertraute Stich in seiner Magengrube machte sich wieder bemerkbar.

„Weißt du, vor vielen Jahren, als deine Großeltern noch Kinder waren, gab es hier in der Gegend mehrere Bunker. Aber später, als ich Kind war, dachten die Menschen, dass nun eine Zeit des ewigen Friedens ausgebrochen sei. Es gibt keinen Bunker mehr.“

„Aber was machen wir denn, wenn die Atom-Sirene losgeht?“

Viktor versuchte, seinen Sohn in den Arm zu nehmen, zog seine Hand aber wieder zurück. Die Raben waren wieder zurückgekehrt und sprangen suchend über die Wiese unterhalb er NATO-Sirene.

„Vor ein paar Jahren wollten sie die NATO-Sirene abbauen. Sie wurde nicht mehr gebraucht. Und keiner wusste, ob sie überhaupt noch geht“, sagte Viktor.

„Und warum steht sie dann immer noch?“

Viktor schwieg. Er fragte sich, ob diese vielen schwarzen Vögel wirklich Raben waren, oder Krähen. Oder vielleicht sogar Dohlen. 

„Sag, Papa. Warum haben sie die Atombomben-Sirenen nicht einfach weggemacht?“

„Du weißt, was in der Ukraine passiert ist? Was die Russen...“, weiter kam Viktor nicht.

Ein ohrenbetäubendes Heulen schnitt ihm das Wort ab. Die Raben flatterten wild schreiend auf und flogen flüchtend Richtung Westen davon. 

Es war ein auf- und abschwellender Heulton, der 2 Mal unterbrochen wurde. Danach war es wieder still. Gespenstisch still. Die Schreie der Raben hallten aus der Ferne, währen die Vögel am feuerroten Horizont kleiner wurden.

„Was war das?“, fragte der Junge, seine Stimme schrill, seine Augen weit aufgerissen. „War das die Atom-Sirene?“

Viktor blickte ungläubig auf den grauen Turm, der nun bedrohlich stumm über die Hügellandschaft ragte. Aus der Ferne hörte man ein Martinshorn. Einige unendlich lange Momente blieb es still und beide suchten schweigend nach Anzeichen, was dies zu bedeuten habe.

Dann heulte die Sirene erneut auf. Zwei kurze, anschwellende Heultöne, gefolgt von gespenstischer Stille. Viktor unterdrückte den Drang, loszulaufen. Er wusste, dass es keinen Schutz gab. Der einzige Bunker unter dem Landratsamt war zu weit weg. Und er würde nur Platz für wenige Menschen bieten.

Er griff nach der Hand seines Sohnes. 

„Papa!“, rief der Junge.

Wie festgewurzelt blieben sie stehen und starrten den Turm an. Jede halbe Minute ertönte das schaurige Heulen des ABC-Alarms. Viktor hatte nur noch den einen Gedanken, dass er wenigstens mit seinem Sohn zusammen war. 

Er versuchte, ein tröstliches Wort zu sagen, aber es war kein Wort mehr nötig.

„Wie lange, glaubst du?“, fragte schließlich das Kind.

„Höchstens 10 Minuten.“ Dann umarmten sie sich.

Die Sirene heulte auf, dann wurde es wieder still. Sie heulte auf, Stille.

Viktor und sein Sohn hielten sich fest und schauten dem roten Feuerball nach, der zwischen den Wolken auftauchte. Martinshörner wurden immer lauter. Viktor schloss die Augen. Er dachte an die Mutter seines Sohnes und all das, was er in seinem Leben gerne anders gemacht hätte. Er betete, dass der Junge keine Schmerzen haben würde. 

„Es ist irgendwie schön“, sagte der Junge. Viktor schloss die Augen und hoffte, dass sein Sohn seine Tränen nicht sehen würde. 

Die Sirene heulte auf und schwieg. Viktor spürte einen tiefen Frieden und hielt seinen Sohn fester in seinen Armen. Auf einmal hörte er Stimmen. Zwei Polizisten kamen den Hügel heraufgerannt. 

Was sollten zwei bayerische Landespolizisten einer Atombombe entgegensetzen, fragte sich Viktor und bedauerte, dass die friedvolle Zweisamkeit mit seinem Sohn zu Ende war. 

Auch der Junge blickte nun neugierig auf. Was wollten die Polizeibeamten hier?

„Diese Scheiß Sirene!“, fluchte der eine Polizist, als er sich Viktor näherte. 

„Bitte entschuldigen's“, rief der Polizist. „Wir haben gerade Probleme mit der Elektrik der Sirene. Der Elektriker kommt gleich. Ich hoffe, Sie haben sich nicht erschreckt.“

Kurzgeschichte über den Ausbruch des dritten Weltkriegs:

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Kommentare: 1
  • #1

    UFO (Sonntag, 24 September 2023 18:17)

    HELLSEHER IRLMAIER ! ' DIE RUSDISCHEN PANZER KOMMEN ÜBER DIE DONAUBRÜCKEN UND FAHREN DURCH BIS ZUM RHEIN ,WEIL NACH ATOMANGRIFF DER RUSSEN AUF DIE UKRAINE ,27 MILLIONEN MENSCHEN AUF DER FLUCHT RICHTUNG WESTEN SIND ,UND NIEMAND KANN DANN DIESE GROẞEN FLUSSBRÜCKEN ZETSTÖREN, UND SO FAHREN DIE RUSSISCHEN PANZER ÜBER UNSERE BRÜCKEN BIS FRANKREICH ,!? ES LOHNT SICH FAST NICHT GASMASKEN UND GEIGERZÄHLER ZU KAUFEN ,WENN WIE IN TSCHERNOBYL WELTWEIT ALLES VERSTRAHLT IST !? I GEH IN DIE BERG UND VUI MAI RUHA ! MUAS JEDA SELBST WISSN !? IRLI