Die Geschichte der Familie Paumann in Tittmoning

Als ein Tittmoninger Stadtrichter in Salzburg als Ketzer geköpft wurde

Die Paumanns prägten über zweihundert Jahre im ausgehenden Mittelalter die Stadtgeschichte Tittmonings. Das meiste, was wir heute über die Paumanns wissen, stammt von der Heimatkundlerin Helga Reindl-Schedl. Sie hatte die Geschichte dieser einflussreichen Familie, die in einer spektakulären Hinrichtung in Salzburg gipfelte, einst detailreich rekonstruiert. Dank dieser Arbeit kann die Geschichte der Familie des Tittmoninger Stadtrichters Wolf Paumann, der seinen Glauben als sogenannter Wiedertäufer mit dem Leben bezahlen musste, recht genau nacherzählt werden.

Der Einfluss der Paumanns auf Tittmoning begann mit Ulrich Paumann, der – wie viele andere aufstrebende Familien Ende des 14. Jahrhunderts in die aufstrebende befestigte Stadt Tittmoning gekommen war. Im Jahr 1390 wird er als Stadtrichter Tittmonings genannt und in den kommenden Jahrzehnten stellte jede Generation der Paumanns einen Stadtrichter. Die Paumanns sind keine Adelsfamilie, sie gehörten ursprünglich sogar dem Stand der „Unfreien“ an. Als freie Bürger Tittmonings war es ihnen aber bereits gelungen, zahlreichen Grundbesitz und einige Ritterlehen zu erwerben. Besonders diese Lehen ließen darauf schließen, dass die Paumanns rasch einen hohen sozialen Stand erworben hatten. Durch kluge Einkaufspolitik, heute mag man es wohl „Immobilienspekulation“ nennen, weiteten die Paumanns ihre Güter weit über Tittmoning hinaus aus und besaßen schließlich Güter im halben Rupertiwinkel von Tittmoning bis nach Petting, zwischen Salzach und Alz.

Die Blütezeit erlebte die Familie unter Pankraz dem Älteren in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Pankraz erwarb, unter anderem, ein repräsentatives Haus in Tittmoning und stieß den Neubau des Stadtwachturms an der Katharinenkapelle an, den er auch finanzierte. Da sein Sohn Pankraz der Jüngere kinderlos blieb, übernahmen dessen Vettern Wolfgang und Friedrich die Geschicke der Familie. 

Wolfgang setzte die Familientradition als Stadtrichter zunächst erfolgreich fort. Mit dem Tod seines Herrn, des Erzbischofs Leonhard von Keutschach 1519, dem er sein Amt zu verdanken hatte, begann nicht nur für Wolfgang eine Zeit einschneidenden Wandels. In die Zeit des neuen Erzbischofs Matthäus Lang fiel die Verbreitung der Lehre Martin Luthers auch im Rupertiwinkel und der große Bauernaufstand 1525 im Salzburger Land. Den Aufstand konnte dieser nur mit Hilfe des Schwäbischen Bundes niederschlagen. Bis Matthäus Lang die entstandenen Schulden zurückzahlen konnte, wurde unter anderem auch die Stadt Tittmoning an Bayern verpfändet.

In derselben Zeit breitete sich auch in unserer Heimatregion der Glaube der Wiedertäufer, einer lutherischen Sekte, aus. Wolfgang Paumann war ein bekennender Wiedertäufer. Die Situation der Wiedertäufer verschärfte sich im Herbst 1527, als der Erzbischof Matthäus Lang die Behörden aufforderte, gegen die Wiedertäufer vorzugehen. Wenige Tage später machte der Erzbischof endgültig ernst. In einem weiteren Erlass drohte er nicht nur den Wiedertäufern mit dem Tod, sondern stellte auch jedwede Beherbergung und Unterstützung von Wiedertäufern, sowie den Besitz deren Schriften unter härteste Strafen. Immerhin gewährte er den Wiedertäufern eine letzte Frist, innerhalb von acht Tagen das Land zu verlassen.

Wolfgang Paumann musste als Stadtrichter von Tittmoning gewusst haben, dass er sich in Lebensgefahr befand. Ob er sich sicher fühlte, oder er denunziert wurde, ist nicht bekannt. Gesichert ist, dass er genau acht Tage später verhaftet wurde und in Salzburg über ihn Gericht gehalten wurde. Spätestens jetzt hatte Paumann den Ernst der Lage erkannt. Er bot sein gesamtes hab und Gut an und versuchte durch Widerrufung des Glaubens sein Leben zu retten. Seine verzweifelten Bemühungen blieben erfolglos. Wolfgang Paumann wurde am 4. November 1527 in Salzburg zusammen mit drei weiteren Wiedertäufern geköpft. Es gab noch weitere Hinrichtungen, aber Paumann war der einzige Edelmann und vermutlich der prominenteste Wiedertäufer, der in diesem Herbst in Salzburg öffentlich hingerichtet wurde. 

Mit dem Tod Wolfgang Paumanns begann auch der Anfang vom Ende der Familie Paumann in Tittmoning. Das Vermögen des Wolfgang ging an seine Nichte Anna über, deren Vormund er gewesen war. Anna trat in das Kloster Nonnberg ein und nahm sowohl das Erbe Wolfgangs, als auch ihres Vaters Friedrich in das Kloster mit. Anna Paumann wirkte später fast zwanzig Jahre lang als Äbtissin im Kloster Nonnberg. 

Die Geschichte der Paumanns endete fast zeitgleich mit einem Teil ihrer Güter. Anna Paumann starb 1571. Im selben Jahr ging ein Großteil der ehemaligen Paumann-Besitzungen des Kloster Nonnbergs beim Stadtbrand Tittmoning in Flammen auf. 

Die ausführliche Geschichte der Paumann ist in der Arbeit von Helga Reindl-Schedl nachzulesen: https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_124_0347-0374.pdf

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