Die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf

Die Geburt des berühmtesten Weihnachtsliedes der Welt

Der berühmteste Weihnachts-Ort im Rupertiwinkel ist die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf. Oberndorf liegt doch in Österreich, werden einige gleich protestieren. Stimmt auch. Und dennoch hat Oberndorf eine Jahrhundertelange gemeinsame Geschichte mit dem bayerischen Laufen an der Salzach. Und vielleicht hat diese wechselvolle Geschichte dazu beigetragen, dass hier in Oberndorf am Heiligabend des Jahres 1818 das berühmteste Weihnachtslied der Welt uraufgeführt wurde: "Stille Nacht, Heilige Nacht". Eine kleine Kapelle erinnert heute an die kaum zu glaubende Weltkarriere eines bescheidenen, kleinen Weihnachtsliedes.

Die Stille-Nacht-Kapelle und das dortige Museum erinnern an die Entstehungsgeschichte des Liedes "Stille Nacht, Heilige Nacht". Besucht man Oberndorf zur Weihnachtszeit, geht es rund um die Kapelle zu wie in einem Weihnachts-Disney-Land. Busseweise reisen die Menschen aus der ganzen Welt nach Oberndorf, um die Kapelle zu besuchen. Und zuletzt macht es die Stadt recht geschickt, sich zur wichtigsten Weihnachts-Touristenattraktion der Region zu mausern. Ist der ganze Hype wegen eines Liedes gerechtfertigt?

Es stellt sich natürlich die Frage, warum dieses kleine Liedchen so einen epischen Siegeszug um die ganze Welt gemacht hat. Wegen des bis heute modernen, nach Frieden sehnenden Textes? Aufgrund der leisen, berührenden Melodie? Mit Sicherheit. Aber vielleicht ist das Lied auch deshalb so berühmt geworden, weil die Entstehungsgeschichte von unzähligen Entstehungslegenden umrankt ist. Und alle Legenden haben eines gemeinsam: Die Geschichte der Entstehung des Liedes "Stille Nacht, Heilige Nacht" ist stets wie eine wundervolle Allegorie auf die Weihnachtsgeschichte an sich: Auf der einen Seite der Heiland, der Retter der Welt, geboren in einem Stall, in einer Krippe. Auf der anderen Seite ein stilles Lied, entstanden in einer Zeit der Armut - und heute eines der kommerziell erfolgreichsten Lieder der Welt. 

Es lohnt sich deshalb, diese Geschichte noch einmal genauer anzuschauen:

Oberndorf war jahrhundertelang, wie es der Name sagt, das "Obere Dorf" der durch den Salzhandel reich gewordenen Stadt Laufen an der Salzach. Durch die Umwälzungen der Napoleonischen Kriege geschah 1816 das für die Bevölkerung unfassbare: Die Stadt wurde geteilt, die Salzach wurde Grenzfluss und zur Staatsgrenze zwischen Österreich und Bayern. Die Pfarrgemeinde auf der anderen Seite der Salzach hatte ihre Pfarrkirche an Bayern verloren. Die kleine Schifferkirche Sankt Nikola wurde die neue Pfarrkirche der Bewohner der "drenteren" Seite. Dort wohnten seit jeher die ärmeren Schichten und die Handwerker. Das Jahr 1818 war also geprägt von politischer Unsicherheit, Kriegen und Armut.

Das Stadtviertel Oberndorf war mehrmals von Feuer und Hochwasser zerstört worden. Und auch Franz Xaver Mohr, der Hilfspfarrer von Oberndorf, lebte ein bescheidenes Leben. Er bat den Lehrer des benachbarten Arnsdorf, Franz Xaver Gruber, sein Gedicht "Stille Nacht, Heilige Nacht" zu vertonen. 

In der Christmette 1818 wurde das entstandene Lied ein erstes Mal vorgetragen: Gruber sang und Franz Xaver Mohr begleitete auf der Gitarre.

Warum die Kirchenorgel bei dem Lied schwieg, sorgte für so manche Legende. Die stille Gitarrenbegleitung aber trug mit zur enormen Wirkung des Liedes bei. 

Dieses still und in bescheidenen, ärmlichen Verhältnissen vorgetragene Weihnachtslied trat die folgenden Jahrzehnte einen beispiellosen Siegeszug um die Welt an.

Heute ist "Stille Nacht, Heilige Nacht" einer der drei meist gecoverten Songs der Welt. Es ist das bekannteste Weihnachtslied schlechthin. Und die Version von Bing Crosby ist die am drittbesten verkaufte Single aller Zeiten. 

Reich sind die Urheber des Liedes nicht geworden. Sie haben den Triumph ihres Liedes nicht mehr erlebt. 

Und auch das fügt sich in diese wundersame Weihnachtsgeschichte dieses Weihnachtsliedes ein.