August Kobus, Freilassing 1945

Heute fast vergessen ist eine schier unfassbare Begebenheit aus dem Jahr 1945: In Freilassing wurde ein verunglückter Pilot der Alliierten Streitkräfte vom Bürgermeister persönlich exekutiert. Aus den Prozessakten und Hinweisen im Freilassinger Heimatbuch lässt sich das Ereignis rekonstruieren:

Im April 1945 steht die politische Führung Freilassings stark unter Druck. Die Alliierten nähern sich unaufhaltsam, die Niederlage Deutschlands ist nur noch eine Frage von Wochen.

Zudem ist die Bevölkerung aufgebracht. Tieffliegerangriffe häufen sich. Am 4. April kommt ein Eisenbahner aus Lohen zu Tode. Einige Tage später wird ein kleiner Junge zum Krüppel geschossen. Die Stimmung in der Stadt ist explosiv, die Wut über die gezielten Angriffe der Alliierten auf die Zivilbevölkerung steigt.

Am 16. April gelingt es der Deutschen Luftabwehr, ein amerikanisches Flugzeug abzuschießen. Die Maschine stürzt bei Sillersdorf ab. Der Pilot, Chester E. Coggeshall, überlebt sichtlich verletzt.

Sofort ist Polizei und Militär vor Ort und nimmt den amerikanischen Piloten in Gewahrsam. Wie sich die zur Absturzstelle eilende Zivilbevölkerung verhielt, ist nicht dokumentiert.

In einem gepanzerten Fahrzeug wird Coggeshall nach Freilassing gebracht. Der Ranghöchste Nazi ist Ortsgruppenleiter August Kobus, seit viereinhalb Jahren Bürgermeister von Freilassing.

Der Gefangene soll zunächst in einer Apotheke/ Medikamentenausgabe Erste Hilfe erhalten. Aber Kobus stellt sich persönlich in den Türrahmen, hält den Verletzten zurück: "Dieses Schwein braucht keine Hilfe!", beschimpft Kobus den Piloten.

Die Militärs warten auf Befehle, wie es weitergeht.

August Kobus führt ein Telefonat mit Kreisleiter Bernhard Stredele aus Berchtesgaden. Stredele befiehlt die sofortige Exekution. Kobus behaupte später, vom Kreisleiter mit ernsten Konsequenzen bedroht worden zu sein, wenn er den Befehl verweigert.

Dass sich Kobus in ernster Gefahr befand, kann bezweifelt werden. Immerhin scheint sein Hass auf den Angreifer groß genug zu sein, dass er als Bürgermeister persönlich den angeblichen Befehl ausführt.

Kobus fährt auf dem Fahrrad in ein nahegelegenes Waldstück. Der Panzerwagen mit dem Piloten folgt ihm.

Im Wald wird Coggeshall mit zwei Kopfschüssen vom Bürgermeister hingerichtet.

Keine zwei Wochen darauf wird Freilassing, es ist einer der letzten Angriffe des zweiten Weltkriegs, folgenschwer bombardiert.

Kobus wird nach Kriegsende zum Tode durch den Strang verurteilt.

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