Früh übt sich, wer ein Lausbub werden will

Sebastian hat Angst vor Ziegen. Meint die Oma. Falsch! Sebastian hat Angst vorm Blöken.

Warum? In unserem Schlafzimmer steht eine Wecklampe, bei der man das Licht dynamisch verstellen kann. Sebastian dreht immer begeistert am Rad und testet auch sonst alle Knöpfe aus. Das Billigprodukt aus China hat als Weckmodus einen Entspannungsalarm. Genau so klingt er auch. Man wird, so verspricht es Theorie und Packungsbeilage, sanft vom Klang eines plätschernden Bächleins und von lieblichen Tierstimmen geweckt.

Tatsächlich hört sich das so an: Der Bach beginnt mit ungefähr zwölf Dezibel zu Dröhnen, übertönt einzig vom turbinenartigen "Zirpen" der Grillen. Doch das ist nur ein sanftes Hintergrundgeräusch im Vergleich zu dem Folgelärm, der nun, in Verkleidung von Tierstimmen folgt - Guantanamo ein Scheiß dagegen: Im drei Sekundentakt beginnt eine Ziege zu „blöken“. Es hört sich allerdings mehr an wie der Schmerzensschrei eines Folteropfers als ein beruhigendes Tierblöken.

Als unser neugieriger Sohn letztens den "Entspannungsknopf" drückte, wurde er von dem aggressiven Zirpen, dem kreischenden Bachrauschen und, vor allem, von dem wütendem Tierblöken so erschreckt, dass er zusammenschreckte, zu heulen begann und sich nach dem Horror nur mit Mühe wieder beruhigen ließ.

Seitdem hat er Angst vor allem, was mäht. Was der Papa manchmal blökend ausnutzt.

 

Erkenntnis Zwei: Nach zwei Tagen bei Oma und Opa haben Kinder nur Flausen im Kopf.

Zwei Tage lang herrschte die Monarchie und der Kleinste war der König. Sebastian: "Umpa, Auto!" Und schon saßen sie zu Dritt im Auto und fuhren zum Streichelzoo. "Sebastian, jetzt gehst du aber ins Bett." Sebastian: "Nah!" Also durfte er noch auf bleiben.

Zurück in der knallharten Realität muss sich der gestürzte König erst wieder an die neuen Machtverhältnisse und an die Bedeutung des Wortes "Nein" erinnern. Und die Eltern müssen feststellen, dass sich in den zwei Tagen manches verändert hat. Zum Beispiel gelingt es Sebastian nun irgendwie, in die oberste Schublade zu greifen. Keine fünf Minuten zu Hause, stolziert der kleine Monarch stolz aus der Küche heraus, das Längste der Küchenmesser in der Hand. Nach Minuten des Chaos und Aktionismus sind mehrere dm Kindersicherungen natürlich derart falsch angebracht, dass sowohl Schubladen weiter zu öffnen sind und vor allem der Inhalt seitlich auch von Krippenkindern problemlos herauszufischen ist. Inzwischen liegen die Messer einen Meter höher. Hoffentlich hält sich das Wachstum weiter bescheiden zurück. 

Die Fortsetzung mit dem Wochenhighlight, dem Geburtstag der Mama, gibt es beim nächsten Mal!


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