Früher war mehr Krampus am Nikolaustag

Wie streng oder verweichlicht Eltern in ihren Erziehungsmethoden sind, lässt sich sehr gut am Nikolausabend ablesen. Der Heilige Sankt Nikolaus, oder in unserem Fall der ehrwürdige Herr Dr. Schenk ist ja seit Urzeiten eine Respektsperson. Eine Autorität und moralische Instanz. Wir Eltern wissen das und waren dementsprechend seit Tagen aufgeregt, dass der Dr. Schenk äh der Nikolaus ins Haus kommt. Doch wie würden die Kinder dieses Jahr sich betragen?

Im Verhalten der Kinder gegenüber dem Nikolaus spiegelt sich die Erziehung der Eltern wieder. 

 

 

Um es vorweg zu nehmen. Es war heuer das schönste Nikolausfest aller Zeiten, dennoch blieben mir als Papa einige Zweifel, ob unsere Erziehungsphilosophie nicht zu überdenken sei. Denn: Wir sind viel zu nett!

Obwohl die zwei Lausbuam, vor allem der Kleinere, zuletzt neue Bestmarken des Nichtfolgens und sich Streitens aufgestellt hatten und zudem seit Monaten das Ehebett der Eltern feindlich übernommen haben, verzichteten wir auf einen Krampus! Im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar. Schreckliche Weichspülpädagogik: Oh Nein, die armen Kinderlein könnten vielleicht Angst bekommen vor dem Krampus.

Jawoll! Das sollen sie ja auch! Ein wenig Respekt würde den Schratzen nicht schaden! So wie sie sich die letzten Tage über aufgeführt haben: Morgens Zirkus und Abends Theater! Eine ganze Perchtenpass hätten wir anfordern sollen! Oder gleich die Berchtesgadener Buttenmanderl. Da wär schnell Respekt und Demut eingekehrt. Rückblickend überlege ich sogar, ob man nicht ein Schauspielerkind hätte engagieren sollen. Eines, das unter dem Hinweis, dass es nicht gescheit gefolgt hatte, schreiend in einen Sack gesteckt und von den Krampussen nach draußen gezerrt würde. Da wäre schnell Ruhe gewesen.

Was passierte tatsächlich?

Der Nikolaus kommt herein und sofort schreit das erste Kind: "Das ist gar nicht der echte Nikolaus!" Das nächste Kind hatte vergessen, ein Nikolausgedicht auswendig zu lernen und trägt stattdessen einen Witz vor...

Und statt dass ein Krampus dafür sorgt, dass der Ernst der Lage zum Ausdruck gebracht wird, bekommen unsere zwei Kinder auch noch Geschenke als hätten die Engerl respektive Oma und Opa den Nikolaustag mit Heiligabend verwechselt.

Die mahnenden Worte des Nikolaus nur noch Schall und Rauch, kaum war der Heilige Mann bei der Tür hinaus. 

Tief durchatmen, Papa, tief durchatmen. 

 

Denn auch wenn sich das Betragen meiner Kinder durch den Nikolobesuch in keiner Weise verbessern ließ, war es dennoch ein wunderbarer Abend. Die Kinder haben Flöte gespielt und Gedichte vorgetragen und ja, auch der Witz war eigentlich ganz lustig. Und auch die große Frage, warum der Kleine sogleich die Identität des Heiligen Nikolaus in Zweifel stellte, klärte sich einige Tage später auf: Einer der größeren Jungs briefte kurz vorher im Spielekeller alle anwesenden Kinder, dass es den NIKOLAUS GAR NICHT gibt!!!

So oder so. Egal ob es den Nikolaus gibt oder nicht. Eines ist sicher, was es nächstes Jahr garantiert gibt: DEN KRAMPUS!

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