Am Traunsteiner Christkindlmarkt

Der Traunsteiner Christkindlmarkt ist einer der schönsten und besinnlichsten Adventsmärkte in Bayern. Das behauptet natürlich jeder Christkindlmarkt von sich. Geht es nach meinen Kindern, dann können sie dies aber bestätigen. Denn auch wer noch keinen Meter groß ist und nicht auf Glühwein und "Last Christmas" steht, kommt beim Traunsteiner Christkindlmarkt voll auf seine Kosten. Besondere Highlights: Riesenrad, Karussell und natürlich die Modelleisenbahn!

Seit einigen Jahren ist es unsere Weihnachtstradition, dass wir gleich zur Eröffnung des Traunsteiner Christkindlmarktes live mit dabei sind und zusammen mit Bürgermeister Kegel und den Weihnachtsengeln den Weihnachtsmarkts-Saisonbeginn feiern. Das heißt, die Kinder lauschen ungefähr zwanzig Sekunden gespannt der Rede des Bürgermeisters, dann lamentieren sie, dass sie endlich zur Eisenbahn wollen. Die Eisenbahn ist nämlich der heimliche Höhepunkt für Kinder. Und nicht nur, weil sie vom Modelleisenbahnverein vom Opa betreut wird. Nein, hier ist der Treffpunkt der Mamas und Papas. Und, zugegeben macht es auch ein klein wenig Riesenspass, selber den Zügen zuzuschauen. Eine Frage hat aber auch der Opa nie beantworten können: Warum fahren die Züge eigentlich die meiste Zeit durch den Tunnel sind so gut wie nie an der Oberfläche zu sehen? Den Kindern ist es egal. Umso leuchtender sind die Kinderaugen schließlich, wenn doch einmal ein Zug durch die liebevoll modellierte Landschaft düst. Spannend ist auch jedes Mal, ob der Hubschrauber funktioniert, oder wieder Mal defekt ist. 

Stammgäste des Christkindlmarktes wissen inzwischen, dass der Knopf an der Modelleisenbahn weder den Heißluftballon zum schweben bringt, noch die Lok aus dem Tunnel lockt und schon gar keine geheime Funktionen auslöst. Wenigstens bei uns passiert seit Jahren folgendes, wenn man darauf drückt: NICHTS!

Die Kinder halten es ewig bei der Eisenbahn aus. Wenn die Eltern noch nicht erfroren sind, oder inzwischen zu viele der Glühwein-Stände getestet haben, wird zum Karussell weiter flaniert. Das wunderschöne Retro-Karussell bietet Pferde, Tiger, Schwäne und andere Tiere. Am begehrtesten ist besonders bei Mädchen das weiße Pferd. Vielleicht, weil es aussieht wie ein Einhorn. Halt ohne Horn. Dramen spielen sich ab, wenn es einem Kind auch beim fünften Anlauf nicht gelingt, einen Platz auf dem begehrten Pferd zu ergattern. Tränen der Kinder führen zu ausgefahrenen Ellbogen der Eltern. Ganz klugen Mamas ist es gelungen, genau zu eruieren, wie der Haltemechanismus des Karussells programmiert ist und wo sie sich positionieren müssen, um genau dort zu stehen, wo das weiße Pferd stehenbleibt. 

Für viele Kindertränen sorgte bei uns dieses Jahr das Riesenrad. Die Kinder lieben es, eine Runde auf dem Riesenrad zu fahren. In der Regel schimpft der Papa: "Schad ums Geld!", aber wenn die Oma dabei ist, ist eine Runde immer drin. Dieses Jahr aber war das Riesenrad wegen eines technischen Defekts außer Betrieb. Und noch schlimmer: Das Riesenrad wurde inzwischen abgebaut. Unser Loni konnte es gar nicht fassen und weinte dicke Krokodilstränen, weil er dieses Jahr nicht Liesenlad fahren konnte.

Da half es auch nichts, dass er als Trostpflasterl eine Bosna bekam. Eine Bosna gehört zum Christkindlmarkt nämlich ebenso wie der Glühwein. 

Und eine Bosna werde ich für immer mit dem schönsten Weihnachten aller Zeiten verbinden: Als ich ein erstes Mal alleine mit dem kleinen Basti am Christkindlmarkt war, bekam er seine erste Bosna. Auf dem Weg zurück trug ich ihn auf meinem Kopf und die Brösel der Bosnasemmel rieselten leise auf meinen Mantel. Als wir glückselig zu Hause ankamen, empfing uns die Mama schon grinsend. Sie strich mit der Hand über ihren großen Bauch und sagte: "Ich glaube, ich habe Wehen!"

Wie diese vorweihnachtliche Nacht weiter gegangen ist, könnt ihr übrigens im Teil 2 des Elterntagebuchs "Plötzlich zu viert" nachlesen : )

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