Ausflug mit den Kindern zum Klobenstein bei Kössen

Eine der schönsten Wanderungen zwischen Chiemgau und Tirol ist der Schmugglerweg zum Klobenstein bei Kössen. Letztes Jahr habe ich auf der Wanderung bereits meinen Vatertag genossen, warum dieses Jahr nicht mal die Kinder mitnehmen? Während also die anderen Papas ihren Vatertag mit Kumpel oder Kasten Bier verbrachten, wagte ich das Abenteuer „harmonischer Familienausflug in die Berge“. 

So viel sei schon mal verraten: Die Wanderung von Ettenhausen zum Klobenstein ist wunderschön und man schafft sie mit Kindern im gehfähigen Alter in eineinhalb Stunden. Beim Rückweg wird es dann schon lustiger.

Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Parkplatz der alten Geigelstein-Bahn in Ettenhausen. Theoretisch kann man auch direkt am Klobenstein parken – aber das haben wir den Kindern nicht verraten. Die Wanderung beginnt idyllisch zwischen Pferdekoppeln. Erst nach und nach geht es in die Berge hinein. Falls die Kinder bereits nach zehn Minuten streiken, kann man den Ausflug auch verkürzen und direkt zur „Schönen Aussicht“, zum „Wasserfall“ oder zum naheliegenden Fischweiher gehen. Unsere hatten seit einigen Tagen wenig Auslauf und gaukelten uns zunächst vor, hochmotivierte Wanderer zu sein. Es entspannen sich gutgelaunte Konversationen wie:

Leo zeigt auf einen Haufen Steine am Wegrand: „Papa schau mal: Da liegen tote Menschen!“

Ich: „Was liegt da?“

Leo: „Da liegen tote Menschen! Gell, Papa?“

Ich (kopfschüttelnd): „Wohl eher nicht.“

 

Leo (empört): „Doch!“

Da die Wanderung die erste Stunde eher flach verläuft kann es nun passieren, dass sich die sportliche Mama ein wenig beschwert: „Das ist kein Bergsteigen, das ist ein Spaziergang!“ Aber nach einigen Almweiden bei denen man Kuhfladen-Slalomlauf – Wettrennen veranstalten kann, wird es die letzte halbe Stunde knackiger. Wer bis hierhin mit dem Elektroradl unterwegs ist, sollte nun lieber umkehren. Denn ab jetzt geht es über Felsen und Wurzeln auch teilweise steil bergauf. Für die Kinder ideal, denn sie können jetzt beweisen, welch gute Bergsteiger sie sind. Kurz danach geht es schon wieder bergab und schon ist der Klobenstein und die spektakuläre Hängebrücke über die Entenlochklamm in Sicht.

Leo, der sich schon seit Stunden auf die „Hängematte“ über die Tiroler Ache freut, ist dann doch eher skeptisch. Der Fluss hat Hochwasser und die Wassermassen schießen dunkel und wild unter der Brücke hindurch. Während die Klapperl-Touristen stundenlang Selfies auf der Brücke machen, wackelt sie recht bedrohlich und kurz können die Kinder nicht verbergen, dass sie doch einen Heidenrespekt vor der Überquerung haben. Auf der anderen Seite angekommen, sind sie sogleich wieder mutig und ausgelassen und stürmen zum Wirt.

 

Dort gibt es Hollerschorle und Kaiserschmarrn. Und die weltbesten Kartoffelpuffer! Ganz ehrlich, die Kartoffelpuffer waren eine derartige Geschmacksexplosion im Mund, dass wir ernsthafte Pläne schmiedeten, unseren nächsten Jahresurlaub hier am Klobenstein zu verbringen und tagelang nur Kartoffelpuffer zu essen.

Ein wenig nervös wurden wir erst, als sich bei unserem Leo erste Anzeichen von Müdigkeit gepaart mit Zuckerschock anzeigten. Wir spazierten zum krönenden Abschluss noch zur Kapelle hoch und zwängten uns durch den namengebenden geklobenen Stein hindurch. Danach zündeten wir in der Kirche eine Kerze an. Leider hatten wir nur noch Münzen für eine einzige. Böser Fehler! Inmitten des heiligen Ortes wälzte sich plötzlich ein schreiendes Kind auf dem Boden. Hatten wir vorher noch dezent darauf hingewiesen, dass man in dem Wallfahrtsort leise sein müsse, hallten nun die Schreie der Empörung durch das Tal. „Ich will auch eine Käääääääärzäääääää!“ Wir komplimentierten das strampelnde Kind aus dem Gotteshaus und einigten uns darauf, dass Bastian zwar die Kerze angezündet hat, sich Leo aber etwas wünschen dürfe. „Ich will beim Rofu die Playmobil Polizeistation!“ schrie er.

Wir hatten nun eineinhalb Stunden Wanderung und ein streikendes Kind vor uns. Nach fünf Minuten war die Kerze vergessen. Denn: „Meine Füße tun so weh!“. Nach zehn Minuten: „Ich kann nicht mehr. Ich bin müde. Du musst mich auf dem Kopf tragen!“

Ich versuchte, ihn bei Laune zu halten, indem ich ihm eine spannende Geschichte von den Schlechinger Schmuggler erzählte: „Und die Schmuggler mussten immer ganz leise sein! Einmal hat ein Schmuggler ganz laut gejammert, dass ihm seine Füße so weh tun. Das hat sofort die Polizei gehört und ihn verhaftet!“ Kurz funktionierte es und Leo ergänzte mich: „Und dann ist der Schmuggler von den Räubern und Einbrechern befreit worden. Und die haben ihn dann aufgegessen!“ (Entsetzter Blick des Papa und Themawechsel)

 

Nach mehreren Wanderliedern und einigen Strophen des aktuellen Lieblingsliedes unserer Kinder („Wer beißt sich an der Kante fest? Anthony Modeste!“) sowie einer Erschöpfungspause inmitten eines Kuhfladens kamen wir tatsächlich noch vor Sonnenuntergang in Ettenhausen wieder an. Dass wir kurzzeitig ein Kind zu zweit tragen mussten und es ein bis zwei Heulkrämpfe bei unterschiedlichen beteiligten Personen gab, bestreite ich vehement. So war also mein schöner Vatertag. Nächstes Jahr dann vielleicht doch wieder Bollerwagen und Kasten Bier…

Mehr zum Klobenstein unter "Chiemgau":

Der Klobenstein bei Kössen
Der Klobenstein bei Kössen

 

Der Klobenstein bei Kössen, direkt an der Tiroler Ache gelegen, ist die bekannteste Sehenswürdigkeit am Schmugglerweg zwischen Ettenhausen und Kössen. Nicht zu verwechseln mit dem Traunsteiner Klobenstein gibt es auch hier eine ähnliche Sage bezüglich eines Felsens, der in zwei Teile gebrochen ist und dadurch einem Menschen das Leben gerettet hat.

Den Kössener Klobenstein kann zwar mit dem Auto erreichen. Dann verpasst man allerdings eine der schönsten Wanderungen im Chiemgau. Weiterlesen

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