Graffe und Glump

Mein Alltag in Weißblau: Eine Hommage an den Wertstoffhof
Mein Alltag in Weißblau: Eine Hommage an den Wertstoffhof

 

 

 

Mit Graffe, Glump, oder hochdeutsch “Schrott”, kann man bares Geld verdienen. Oder verlieren. Davon kann ein guter Bekannter von mir, den ich beim "Tag der Ausbildung" an seinem Infostand besucht habe, ein Lied singen. Ein Jubellied. Denn die Firma, für die er arbeitet, verdient mit Schrott und Wertstoffen, also mit Graffe und Glump, nicht wenig Geld. Und somit auch er.

Seine Firma scheint recht gut zu florieren, weil sie mit viel Werbematerial künftige Auszubildende für das Thema “Graffe und Glump” zu begeistern versuchte. “Schrott macht frei", war an diesem Tag sein Motto. Und auch, wenn mich persönlich dieses nicht zu einer Ausbildung als Fachkraft für Recycling verlocken würde, so verstand ich die Botschaft dahinter durchaus. Denn selten fühlen sich Menschen wie ich befreiter, als nach dem meist samstäglichen Besuch beim Wertstoffhof. Gesteigert wird dieses Hochgefühl noch, wenn zuvor der halbe Keller ausgemistet wurde. Voller Vorfreude, sich von dem ganzen Graffe endlich zu erleichtern, fährt man zum Wertstoffhof. Bis einen die große Ernüchterung in Form eines Schrottplatzmitarbeiters erreicht, der  händereibend das Glump auf eine Waage hievt. Die Frage, wer den großen Werbeaufwand der Firma eigentlich bezahlt, beantwortet sich dann ganz leicht: Ich selbst bin es. Denn einen Teil des angesammelten Sperrmülls muss gebührenpflichtig entsorgt werden. Und auf der Rückfahrt ist man nicht nur des überflüssigen Graffes erleichtert, sondern auch des einen und anderen Geldscheines. Aha, denke ich mir dann und weiß nun, warum der Schrotthändler so viele Auszubildende sucht. Weil mit der befreienden Wirkung des Ausmistens viel Geld verdient werden kann. Mein Geld. Und jetzt kommt die eigentliche Ironie der Sache: Auf das Hochgefühl folgt nach dem Bezahlen der Frust. Und nach dem Frust fahre ich gerne direkt zum Bau- oder Elektronikmarkt, um mir etwas Aufmunterndes zu kaufen. Etwas, das in zwei, drei Jahren spätestens am Schrottplatz landet und der ewige Kreislauf des Konsums erneut beginnt. Wie bescheuert kann man eigentlich sein, nicht nur für Glump Geld auszugeben, sondern auch noch für die Entsorgung ebenjenen Graffes?

An all das dachte ich also, als ich am Infostand das Schrotthändlers stand, nicht ohne eine gewisse Bewunderung für dieses Geschäftskonzept. Ausgerechnet eine Tätigkeit, die mahnendes Zeugnis unseres mangelnden Nachhaltigkeitsbewusstsein sein müsste, ist so zukunftsfähig, dass händeringend Nachwuchs gesucht wird. Was das wohl über unsere Wohlstandsgesellschaft aussagt, fragte ich mich, schüttelte den Kopf, steckte so viele Werbegeschenke ein, wie ich tragen konnte und ging einen Stand weiter. 

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