Wann geht das eigentlich los, eher auf die heutige Jugend zu schimpfen, als sich beim Schimpfen auf selbige persönlich angegriffen zu fühlen? Diese missratene Jugend, die von grundauf verdorben und faul ist und über die die alten Babylonier ebenso geschimpft haben, wie Sokrates - das waren doch mal wir!
Und jetzt? Wird irgendwo über die heutige Jugend geschimpft, entstehen in meinem Kopf Bilder von mit Smartphones verwachsenen Nullbock-Alpha-Teenies, immer einen Swipe von der endgültigen Langeweile entfernt. Wenn sich dann lautstark über diese heutige Jugend empört wird und, dass es nun endgültig bergab geht, muss auch ich mich immer mehr aufregen. In erster Linie natürlich, dass ich selber nicht mehr dazugehöre. Dass sich heute niemand mehr darüber aufregt, wenn man zu viel ORF 1 schaut und Ministrieren schwänzt, weil zeitgleich Knight Rider im Fernsehen kommt. Dann rege ich mich kurz auf, dass es der nächsten Generation tatsächlich gelungen ist, unsere eh schon lahme Rebellion gegen die Elterngeneration noch zu unterbieten. Warum sind die heutigen Alphas eine für bereits in die Jahre gekommenen Erwachsene so anstrengende Generation, frage ich mich dann. Und komme rasch zur Erkenntnis, dass das eigentliche Problem nicht die Jugendlichen selber sind, sondern deren Eltern. Und sofort schließt sich der Kreis der Empörung, weil ich ja selber ein Alpha-Papa bin und quasi aktiv an der Erziehung dieser Generation mitwirke. Im Generationen-Bullshit-Bingo bin ich dann total dankbar, dass ich ohne TikTok und Snapchat aufgewachsen bin und mich auch auf Youtube Videos einlassen kann, die länger als fünfzehn Sekunden sind. Sofort habe ich meine eigenen Eltern im Kopf die meinten, ich solle doch lieber im Wald eine Hütte bauen anstatt so lange vor dem Amiga 500 zu sitzen. Aber anders als die heutige Generation haben wir unseren Eltern so wenig wie möglich nachgemacht. Oder anders: die Eltern haben uns nichts nachgemacht. Haben uns verwirrt bis fasziniert zugeschaut, wie wir “Personal Computer” und dieses “Internet” erkundeten. Heute nutzt die junge Generation dasselbe Smartphone und hat genau im Blick, wenn Mana oder Papa längere Zeit über den Bildschirm wischen, als es ihnen selber erlaubt ist. Und wenn sie ein Technikproblem haben, fragen sie, ganz so wie die Omas und Opas dieser Welt, noch immer… uns. Ja, die heutige Jugend hatte ich mir ein wenig anders vorgestellt. Wenigstens ist die Generation der Eltern in ihrem nörgelnden Grant die gleiche geblieben. Nur schade, dass ich da jetzt auch dazu gehöre. Kann man sich denn heutzutage die Jugend nicht mal mehr bis Mitte Vierzig bewahren?

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