Wenn die KI übernimmt – Berufswahl und Zukunft der Arbeit

Einen Satz, der bis vor einigen Jahren noch absolute Science Fiction war, hört man in Gesprächen junger Menschen in Bezug auf die Berufswahl derzeit immer häufiger: “Wenn die KI übernimmt, dann werde ich…”

Was bedeutet dieser Satz und wie wahrscheinlich ist es, dass wir uns wirklich mit dem Thema beschäftigen müssen?

Zwischen Dystopie und goldenem Zeitalter – was meint "die KI übernimmt"?

Gleich zwei game-changing Aussagen stecken in diesem Satz. Die erste hat mit uns allen zu tun. “Wenn die KI übernimmt”. Das ist natürlich sehr provokativ. Was sollte die KI denn übernehmen? Das hört sich eher negativ nach dystopischer Science Fiction an. Und dennoch ist von dieser Zukunfts-Fiktion etwas in unsere Gegenwart geschwappt. Die KI-Werkzeuge sind schon jetzt so gut, dass unzählige Berufe und Tätigkeiten disruptiert werden können. Und gleichzeitig stecken sie noch in den Kinderschuhen. Wir alle ahnen: Das ist erst der Anfang. Da kommt was auf uns zu. Der zweite Satz deutet aber auch an, dass der erste Satz nicht unbedingt dystopisch gelesen werden muss. Denn “wenn die KI übernimmt” könnte auch bedeuten, dass ein goldenes Zeitalter ausbricht. Eine Zeit, in der Maschinen die ganze lästige Arbeit verrichten und der Mensch sich auf das konzentrieren kann, was ihm Spaß macht.

Welche Berufe sind sicher vor der KI?

Die Realität wird wohl irgendwo dazwischen sein: Die künftige Generation wird sich Berufe suchen in Bereichen und Nischen, in denen der Mensch mehr gebraucht wird als die Maschine. Stand heute kann niemand sagen, wie groß oder wie klein dieser sein wird. Selbst wenn die Technik mehr und mehr Arbeit eines Menschen ersetzen oder imitieren kann, bleibt die Frage offen, inwieweit sich Firmen und Institutionen aus unterschiedlichen Gründen auch künftig die Arbeit von “echten” Menschen leisten werden.

Aber egal, ob sich der Satz “...dann werde ich…” auf eine Notwendigkeit oder eine Freiheit bezieht, ist es für jeden, der den Satz ausspricht äußerst erhellend, wie er endet. 

Denn egal, ob wir bereits seit Jahren einen Beruf ausüben, oder gerade an der Schwelle der Berufswahl stehen, trägt der Satz dazu bei, dass wir unsere Pläne, unseren Status Quo noch einmal reflektieren. Diejenigen, die die KI Zukunft eher pessimistisch auslegen, werden nun darüber nachdenken, welche Berufe halbwegs sicher davor sind, von einer KI disruptiert zu werden. Spoiler: Zwar kann ich nun einige Berufe aufführen, auf die das heute  zutrifft. Aber die “Arbeitswelt 4.0” dreht sich derart schnell, dass dieser Beitrag in einem halben Jahr vielleicht schon völlig überholt ist.

Heizungsbauer und Krankenpfleger – Handwerk und Pflege als Zukunftsberufe

Stand heute würde ich - hätte ich die Fähigkeiten dazu - eher zu einem handwerklichen Beruf, gerne provokativ sogar zum “Heizungsbauer” raten. Wenn das Klo daheim kaputt ist, bringt es (meistens) nichts, wenn man ChatGPT um Hilfe bittet. Da muss schon ein echter Klempner vorbeikommen, um das zu reparieren. Und schon jetzt merkt man, dass die Handwerker, die wegen der vergangenen Unattraktivität ihres Berufes sehr knapp sind, sich dies längst gut vergüten lassen. 

Ein weiteres Berufsfeld sind die Sozialen Berufe. Krankenpfleger, Altenpfleger, Erzieher werden voraussichtlich auch zukünftig gebraucht. Denn selbst wenn KI und Pflegeroboter schon heute vieles erledigen können - wer die Wahl hat, entscheidet sich weiterhin für einen echten Menschen. 

Hier entscheiden aber in erster Linie die Talente und Fähigkeiten, welchen Beruf man erlernen würde, “wenn die KI übernimmt”. 

Die Positiv-Vision: Grundeinkommen, Freiheit und sinnstiftende Arbeit

Noch interessanter finde ich persönlich die Positiv-Vision: Was, wenn die KI übernimmt, wir alle unser bedingungsloses Grundeinkommen haben und machen können, was wir wollen. Wenn es bei der täglichen Arbeit also nicht mehr um den Zwang geht, den täglichen Lohn zum Leben zu verdienen. Sondern einzig darum, den Tag sinnvoll zu gestalten und einer Tätigkeit nachzugehen, die einem Spaß macht und in der man einen tieferen Sinn sieht. Das kann sogar in vielen Fällen eine Arbeit als Heizungsbauer oder Krankenpfleger sein. Dann hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Es kann aber auch sein, dass man einer kreativen Tätigkeit nachgeht von der man heute Angst hat, dass die KI sie bald ersetzen wird. Wenn man nicht auf Geld angewiesen ist, kann man diese Arbeit künftig dann trotzdem verrichten. Einfach, weil sie einem Freude macht. Beispielsweise Bücher schreiben. Medien designen. Musik produzieren. Andere werden den ganzen Tag Fußball spielen. Auch wenn sie am Samstag nicht beim FC Bayern im Kader stehen. Einfach, weil sie Zeit dazu haben und weil es ihnen Freude macht.

Meine Prognose: Teilzeit, weniger Bullshit-Jobs und mehr Selbstbestimmung

Meine persönliche Prognose ist es, dass sich beide möglichen KI-Welten einander angleichen werden. Ich fürchte, dass mehr Berufe disruptiert werden als neue geschaffen werden. Gleichzeitig bin ich hoffnungsvoll, dass der Markt und die Regierungen dafür sorgen werden, dass die Firmen und Institutionen möglichst viele Arbeitsplätze erhalten (obwohl sie es nicht müssten). Ich glaube, dass es mittelfristig immer mehr Teilzeit-Arbeitsplätze geben wird. Die sogenannten “Bullshit-Jobs”, Tätigkeiten die man eigentlich nicht braucht, werden deutlich reduziert. Die Menschen werden 20-30 Stunden in ihrem Beruf arbeiten und dennoch (notfalls subventionierte) Löhne wie zuvor in Vollzeit erhalten. Denn das Geld und die Extrem-Gewinne der großen Konzerne sind ja weiterhin da.

In der neu gewonnenen - oder erzwungenen - je nach Perspektive - Freiheit werden die Menschen entweder in den Familien der Care-Arbeit nachgehen. Oder sie werden sich eine sinnstiftende Tätigkeit suchen. Viele werden sich selbständig machen. Es wird (noch) mehr Musiker, Yogalehrer, Schriftsteller geben. Ich glaube nicht, dass es einen Anstieg der Lifestyle-Teilzeit gibt, die Leute also überwiegend Bergwandern und Radfahren gehen werden. Und selbst wenn es so wäre, wäre dies eher als positives Zeichen zu werten. Denn Freizeit war die längste Zeit der Menschheitsgeschichte ein Luxus von dem die meisten Menschen nur geträumt haben.

Ach ja, Stand heute übernimmt die KI zumindest die lästigen Arbeiten am Ende eines Blogbeitrages. Zum Beispiel diese:

Häufige Fragen: KI und Berufswahl

Welche Berufe sind am sichersten vor der KI?
Berufe mit hohem Anteil an körperlicher Präsenz, menschlichem Urteil und Empathie gelten als besonders stabil: Handwerk (Klempner, Elektriker, Zimmerer), Pflege und Medizin (Krankenpfleger, Altenpfleger, Hebammen), Pädagogik (Erzieher, Lehrer) sowie Berufe mit komplexer sozialer Interaktion wie Therapeuten oder Berater. Das Grundprinzip: Je schwerer eine Tätigkeit zu digitalisieren und zu automatisieren ist, desto sicherer ist sie – zumindest mittelfristig.
Welche Berufe hat die KI bereits übernommen oder stark verändert?
Betroffen sind vor allem Tätigkeiten mit hohem Routineanteil: Dateneingabe, einfache Textproduktion, Buchhaltung, Bilderstellung und -bearbeitung, Kundenservice (Chatbots), Übersetzungen sowie Teile der Programmierung. Laut einer McKinsey-Studie (2023) könnten bis 2030 bis zu 30 % aller Arbeitsstunden in Industrieländern automatisiert werden – nicht unbedingt ganze Berufe, aber viele Teilaufgaben.
Wann übernimmt die KI wirklich die Arbeit – eine Prognose?
Es gibt keine verlässliche Antwort – und das ist entscheidend. Experten sind sich uneinig: Manche rechnen mit massiver Disruption bis 2030, andere sehen KI eher als Ergänzung als als Ersatz. Was klar ist: Die Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen. Es ist eher ein schleichender Prozess – ähnlich wie die Industrialisierung, nur deutlich schneller. Wer sich laufend neue Fähigkeiten aneignet (sogenannte Future Skills), ist besser aufgestellt.
Was sind Future Skills – und welche brauche ich für die KI-Ära?
Future Skills sind Fähigkeiten, die Maschinen (noch) nicht imitieren können: kritisches Denken, kreative Problemlösung, Empathie, Kommunikation und soziale Intelligenz. Dazu kommen digitale Kompetenz – also der souveräne Umgang mit KI-Tools selbst – sowie Anpassungsfähigkeit und lebenslanges Lernen. Wer KI als Werkzeug beherrscht statt sie zu fürchten, hat einen klaren Vorteil auf dem Arbeitsmarkt von morgen.
Sollte ich bei der Berufswahl heute auf KI-Sicherheit achten?
Ja – aber nicht auf Kosten deiner Talente und Interessen. Die beste Berufswahl liegt an der Schnittmenge aus dem, was du gut kannst, was dir Freude macht und was gebraucht wird. Ein Beruf, der heute als „KI-sicher" gilt, kann morgen schon anders aussehen. Wichtiger als der spezifische Beruf ist die Haltung: Flexibilität, Neugier und die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln. Wer das mitbringt, kommt auch in der KI-Welt gut zurecht.
Kommt das bedingungslose Grundeinkommen wegen der KI?
Das ist eine der spannendsten politischen Debatten unserer Zeit. Länder wie Finnland, Kenia und zuletzt Deutschland haben Pilotprojekte gestartet – mit teils positiven Ergebnissen. Befürworter argumentieren: Wenn KI die Produktivität der Wirtschaft massiv steigert, sollte dieser Gewinn breiter verteilt werden. Ob und wann ein bedingungsloses Grundeinkommen kommt, ist offen. Wahrscheinlicher ist zunächst ein Ausbau von Teilzeitmodellen und staatlichen Zuschüssen – ein schrittweiser Übergang statt einer Revolution.

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