Das Ende der Geschichten

Was, wenn dein Vater nicht der ist, der er zu sein scheint? Zwischen verstaubten Mappen und dem Duft nach Sonnencreme entdeckt Greta ein Geheimnis, das alles verändert. Eine emotionale New-Adult-Geschichte über Liebe, das Verstummen und die Macht der Worte.

Diese New Adult Kurzgeschichte über die absolute Liebe, die das Lesen von Literatur (ebenso wie das Schreiben) entfachen kann. Inspiriert wurde ich zu der Geschichte während ich "Morgen, Morgen und wieder Morgen von Gabrielle Zevin gelesen habe. Wie ist es möglich, so große Gefühle durch Geschichten auszulösen? Und was macht es mit denjenigen die wissen, welche Wahrheiten hinter den Geschichten stecken? Viel Freude beim Lesen!

Um was geht es in der Geschichte? Lass es Dir erzählen!

Eine New Adult Kurzgeschichte

Johann machte nie viel Aufhebens von seiner Leidenschaft. Alle wussten, dass er, bevor er ein Studium zum Verwaltungsbeamten machte, in seiner Freizeit schrieb. Veröffentlicht hatte er noch nie etwas. Einzig seine Kurzgeschichten, mit Tintenstrahldrucker ausgedruckt und in Klarsichtfolien in DIN-A4-Schnellhefter sortiert, hatte er als Teenager auf der Liegewiese im Strandbad immer dabei gehabt.

So manch langweiligen Sommernachmittag, erzählten es die, die damals dabei waren, hatte er mit den Geschichten in den Mappen verkürzt. Ob die Texte gut waren oder nicht, das war nie ein Thema gewesen. Der eine und andere meinte sich zu erinnern, dass sich manchmal regelrecht darum gestritten wurde, wer eine Mappe als nächstes lesen dürfe, wenn alle Mappen bereits besetzt waren.

Interessanterweise konnte keiner von damals erklären, worum es in den Geschichten ging. Aber alle konnten das jeweilige Gefühl beschreiben, das sie hatten, als sie, auf dem Bauch liegend, in der Hochsommersonne in eine der Mappen-Kurzgeschichten versanken.

Einige der Mädchen hätten Schmetterlinge im Bauch gehabt und waren regelrecht süchtig nach den Mappen.

Einer der Jungs erzählte hinter vorgehaltener Hand, er wisse aus sicherer Quelle, dass eine damalige Freundin sich mit einer Geschichte über eine Stunde auf der Damentoilette eingesperrt hatte.

Der Gedanke, was sie dort alleine mit der Geschichte gemacht haben könnte, heizte den restlichen Sommer die Fantasie der pubertierenden Teenager an.

Während seines Arbeitsverwaltungsstudiums kam er nur noch selten ins Strandbad und hatte bald die Mappen gar nicht mehr dabei. Die Geschichten gerieten in Vergessenheit.

Im Laufe der Jahre war die Erinnerung an die bunten Schnellhefter im Strandbad nur noch eine selten erzählte Anekdote.

Eine kleine Jugendsünde aus einer Zeit, als alle Dinge taten, die sie sich heute als Erwachsene nicht mehr erklären konnten.

Es spielte keine Rolle, ob Johann noch schrieb oder was aus den alten Mappen geworden war. Sie hatten in jenen Sommern ihren Dienst getan.

Und da keine der Geschichten in irgendeiner Weise in Erinnerung blieb, fragte auch niemand mehr danach.

Johanns Tochter Greta war siebzehn Jahre alt, als sie beim Stöbern auf dem Dachboden eine alte Kiste voller bunter Schnellhefter entdeckte.

Jeder Schnellhefter war fein säuberlich nummeriert, abgegriffen, etwas fettig und sie meinte sogar, Sonnencreme zu riechen.

„2 - Nach der verlorenen Zeit“ oder „5 - Summer of Love“ stand auf den Schnellheftern.

Aus reiner Neugier begann sie die hinterste Geschichte des Schnellhefters „1 - Everybody Hurts“ zu lesen.

Der in Times New Roman in blauer Farbe ausgedruckte Text hieß „Mozartplatz“ und als sie erneut aufblickte, war eine Stunde vergangen.

Sie konnte nicht mehr sagen, um was es in der Geschichte genau gegangen war, obwohl sie den Text wieder und wieder und wieder gelesen hatte.

Aber sie war verliebt. Sie war verliebt in Johnny, der in der Geschichte verliebt in Franny war.

Die Kurzgeschichte löste in ihr Emotionen aus, wie sie es sonst nur von den Songs ihrer Lieblingsband Coldplay kannte.

„Feels like I‘m falling in love“ hatte bei ihr vor einem Jahr in ihrem Unterleib ein ähnliches Feuerwerk ausgelöst.

Sie liebte diese eine Geschichte so sehr, dass sie den natürlichen Impuls, die nächste Geschichte zu lesen, mit allem, was sie hatte, unterdrückte.

Sie fürchtete sich, von der nächsten Geschichte enttäuscht zu sein. Sie hatte das Gefühl, diese eine Geschichte, in die sie sich Hals über Kopf verliebt hatte, zu verraten, wenn sie in der Mappe weiterlas.

Wenn die gesamte Weltliteratur von einem Tag auf den anderen vernichtet würde und einzig diese Geschichte übrig blieb, würde sie ein glücklicher Leser bleiben.

Aber noch mehr fürchtete sie sich davor, dass auch die nächste Geschichte ebenso umwerfend war. Oder sogar noch besser.

So wie damals, als sie dachte, besser als „Viva La Vida“ könne Coldplay unmöglich sein. Und sie dann das erste Mal „A Sky Full of Stars“ hörte und völlig zusammengebrochen war.

Erst als sie sich die Lippe blutig gebissen hatte, tat sie es. Sie blätterte um und begann vorsichtig die ersten Sätze der nächsten Geschichte zu lesen.

Aber nur kurz. Mit offenem Mund legte sie die Mappe beiseite. „Verdammte Scheiße“, flüsterte sie.

Mit zitternden Händen griff sie nach der nächsten Mappe. Schlug wahllos eine Geschichte auf. „Kobolde und Römische Raketen“ hieß diese.

Sie überflog die ersten Sätze und warf die Mappe beiseite. „Oh mein Gott! Was ist das?“, murmelte sie, wischte sich eine Träne aus den Augenwinkeln und kramte eine weitere der Mappen in der Kiste hervor.

„Im Schatten junger Mädchenblüte“ hieß diese. Sie blätterte nach der hintersten Geschichte im Schnellhefter. „Die Leiden der jungen L.“ hieß der Text.

Nach wenigen Sätzen spürte sie erneut den Sog, der sie in die Geschichte hineinzog. Den Sog, den sie zuletzt als Kind gespürt hatte, als sie ein erstes Mal schnell genug lesen konnte, um Harry Potter und Biss zum Morgengrauen zu verschlingen.

Dieses Kribbeln im Bauch, das noch Stunden und Tage anhalten konnte.

Was sie am meisten verwirrte, war, dass sich die Namen in den Geschichten in den verschiedenen Mappen ständig wiederholten.

Immer wieder tauchten Nick, Marylou und Daisy auf. Aber auch ein gewisser Tommy oder ein John.

Es war fast so, als hätten alle diese Geschichten in einem gemeinsamen Universum gespielt. Als wären es die Abenteuer einer Clique, die sich durch alle Mappen zog.

Aber das waren keine Romane, die genug Zeit und Seiten hatten, um eine Liebesbeziehung zu den Charakteren aufzubauen. Das waren kurze Geschichten, kurze Sätze in denen aber bereits alles stand, was man wissen, was man fühlen musste.

„Wer kann so schreiben? Von wem ist das?“, frage sie sich und gönnte sich noch zwei weitere Sätze, ehe sie die Mappe weit von sich warf und sich die Hand auf das klopfende Herz legte.

Nick, Marylou und Daisy, all diese Personen kannte sie nicht. Aber die wenigen Sätze und Geschichten hatten genügt und sie wollte Teil dieser Clique, dieser Menschen, dieser Zeit sein.

Draußen war es längst dunkel geworden und unten schrie jemand, dass das Essen fertig sei. Sie packte die Mappen vorsichtig wie einen wertvollen Schatz zurück in die Kiste, verschloss sie und stellte sie zurück an ihren Platz am Speicher.

Beim Abendbrot rotierten ihre Gedanken. Sie saß mit ihrem kahl gewordenen Vater, der auch zum Abendessen noch seine Arbeitskrawatte trug und ihrer dauererschöpften Mutter am Tisch und löffelte in ihrer Kartoffelsuppe.

Ihr pubertierender, vier Jahre jüngerer Bruder führte die Konversation, die überwiegend aus Wörtern wie Digga, cringe und ehrenlos bestand. Sie schaute zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter hin und her.

Fragte sich, von wem die Geschichten waren. Ob die Geschichten ein Geschenk waren, oder einer der beiden diese tatsächlich geschrieben hatte.

Da alle Geschichten aus der Sicht eines Jungen geschrieben waren, wusste etwas in Greta, dass ihr Vater der Autor war.

Aber so sehr sie sich bemühte, gelang es ihr nicht, den Brillen tragenden, im Gesicht aufgeschwemmten traurigen Verwaltungsbeamten mit dem Autor dieser leidenschaftlichen Texte in Einklang zu bringen.

Sie fragte sich, ob Loni Schneider, Ines und Greta – eine hieß zufällig wie sie – vielleicht niemand anderes waren als ihre Mutter.

Die Frau, deren dunkle Ränder unter den Augen und das früh ergraute Haar ebenfalls eine Geschichte erzählten. Aber keine, die ähnlich schöne Gefühle auslöste wie die Geschichten über sie.

Den ganzen beginnenden Sommer über las sie heimlich am Speicher in chronologischer Reihenfolge der nummerierten Mappen eine Geschichte nach der anderen. Beginnend bei der sich ganz hinten im Schnellhefter befindlichen.

Wie ein Junkie, der damit kämpfte, seine Sucht zu kontrollieren, achtete sie streng darauf, dass sie jeden Tag nur eine Geschichte las. Ging sie danach zum See oder zum Sonnwendfeuer, fühlte sich ihr eigenes Leben noch intensiver, noch liebenswerter an. Auch wenn sie den ganzen restlichen Tag den Drang, die nächste Geschichte zu lesen, nur mit Mühe unterdrücken konnte.

Sie wusste nicht, ob der Sommer einzig wegen der Geschichten der beste ihres Lebens wurde. Aber sie wusste, dass das Lodern in ihrem Bauch, das jede einzelne Geschichte auszulösen vermochte, ganze Tage und ganze Nächte anhielt.

Wenn sich ihre Eltern beim Abendessen wieder mit gesenkten Blicken anschwiegen, fragte sie sich ab und an, über wen der echte Autor damals schrieb und ob es tatsächlich sein konnte, dass dieser ihr so fremde Mann der Autor dieser Geschichten war, die sie so gut verstand.

An manchen Tagen mochte sie den Gedanken, dass er womöglich tatsächlich dieser tief inspirierte, das Leben bis ins Mark durchdringende Poet war, der die Geschichten geschrieben hatte.

Natürlich war es seltsam, sich mit einer uralten, abgewetzten Mappe ins Zimmer einzuschließen und sich beim langsamen Lesen jeder einzelnen Zeile zu streicheln. Deshalb redete sie sich in schwülen Sommernächten wie diesen ein, dass die Mappen ein Geschenk eines gutaussehenden Jugendfreundes ihrer Eltern waren, der Maik oder Ben oder wie eine der Figuren der Geschichten hieß.

Der Sommer kippte in den Hochsommer, Abends zirpten die Grillen, es roch nach Holzkohle und Grillfleisch und bald hielt sie die allerletzte Mappe in der Hand. Und eine Woche später war sie bei der letzten Geschichte angekommen.

Sie hatte den ganzen Sommer über 77 Nächte mit all den Figuren verbracht, die vielleicht in Wirklichkeit nur eine war, oder zwei. Oder ein kleiner Freundeskreis. Sie hatte große erfüllte und unglückliche Lieben gefühlt. Verrat, Unglücksfälle. Sie hatte geweint, geflucht und gejubelt.

In den letzten Geschichten war immer öfter eine Person namens Rosalind vorgekommen. Sie war schön, gebildet. Aber mit ihr hatten sich die Geschichten verändert.

Sie waren ernsthafter geworden. Weniger leidenschaftlich. Gleichzeitig von einer fast obszönen Erotik und es verging keine Nacht, in der sie sich nicht schweißgebadet auf den Speicher schlich, um sich nochmal eine der Geschichten zu gönnen.

Aber es waren keine Schmetterlinge mehr, die sie im Bauch hatte. Es war etwas Animalischeres. Und ein erstes Mal kam auch eine Prise Scham dazu, wenn sie die Mappe erschöpft beiseite legte.

Als sie die oberste Geschichte der letzten Mappe „Das Ende von etwas“ aufschlug, hatte sie ein mulmiges Gefühl. Zu viel Zeit, zu viele Nächte, zu viele Schmetterlinge im Bauch hatte sie mit den Geschichten verbracht.

Die Geschichten hatten sie ihren Eltern ein wenig nähergebracht. Aber gleichzeitig auch stark entfernt. Wer auch immer diese Menschen in den Mappen waren, sie liebte sie von ganzem Herzen.

So sehr sie in den Gesprächen beim Abendessen versuchte, Anzeichen von Peter, Katharina oder Friedrich zu erhaschen, da war nichts. Sie hielt sich drei Tage lang vom Speicher fern.

Die Nacht auf den 1. September war ein Samstag und aus einem unbestimmten Grund fand sie genau diese Nacht als passend, die allerletzte Geschichte zu lesen.

Sie wartete, bis alle ins Bett gegangen waren. Dann schlich sie sich auf den Speicher hinauf, kramte die Kiste mit den Mappen hervor, atmete den Duft nach Sonnencreme ein und nahm die oberste Mappe heraus.

Mit klopfendem Herzen fühlte sie sich wie eine der Figuren in den Geschichten, die kurz davor war, etwas extrem Verbotenes, aber extrem Befriedigendes zu tun.

Sie kuschelte sich unter die Bettdecke und schaute erst lange die erste Seite an. Die fettige Folie, die zahllosen kaum zu erkennenden Fingerabdrücke, die seltsam altmodisch wirkende Schrift der verblassenden, blau ausgedruckten Buchstaben.

Sie fragte sich, warum alle Mappen so intensiv nach Sonnencreme rochen. Wer die Menschen waren, die vor ihr in dieser Mappe geblättert hatten. Und ob diese ähnlich gefühlt hatten wie sie und vielleicht ähnliche Dinge getan hatten, wenn sie heimlich in den Texten lasen.

„Das Ende von etwas“. Ganz vorsichtig, wie ein Forscher, der mit Samthandschuhen ein wertvolles Artefakt zu untersuchen beginnt, las sie die ersten Buchstaben. Dann tauchte sie unter in dieser Welt, die sie den ganzen Sommer über gefangen gehalten hatte.

Eine Stunde später saß sie aufrecht im Bett. Hellwach. Voller Gedanken. Die Geschichte rotierte weiter durch ihre Gehirnwindungen.

Sie versuchte, die ganze Geschichte vom Anfang bis zum Schluss noch einmal zu rekonstruieren, um zu verstehen, was gerade passiert war. Es ging um Peter, der in dieser Geschichte nicht nur ein Name war, sondern wie ein real existierender Peter wirkte. Er hatte sich in ein Mädchen namens Rosalind verliebt.

Rosalind war unfassbar schön und konnte wild und aufregend sein. Aber auch äußerst verletzlich, voller Selbstzweifel und unbeschreiblicher Ängste. Obwohl Peter und Rosalind sofort ein leidenschaftliches Liebespaar wurden, traten schon nach der ersten gemeinsamen Nacht, in der beide kein Auge zutaten, die ersten Risse auf.

Rosalind entdeckte zufällig am nächsten Morgen eine Geschichte, die Peter geschrieben hatte. Die Geschichte handelte von einem verträumten jungen Mann, der gedanklich in der Zeit der Romantik gefangen war und es liebte, sich hemmungslos in die unterschiedlichsten Frauen zu verlieben. Rosalind fragte Peter, ob die Geschichte wahr sei. Peter verneinte.

Rosalind konnte auch in den folgenden Wochen die Geschichte nicht vergessen und war eifersüchtig auf die anderen Mädchen in der Geschichte, auch wenn Peter betonte, dass es sich nur um Fiktion handelte und diese nicht existierten. Rosalind warf ihm vor, dass Peter in diese Mädchen verliebt sei und er immer alle anderen Mädchen mehr lieben würde als sie.

Der Streit ersetzte die Leidenschaft in der Beziehung zwischen Rosalind und Peter. Als sie ihn vor die Wahl stellte, sich entweder für sie oder für seine Geschichten zu entscheiden, schien das Ende der Beziehung besiegelt.

Peter, der das Schreiben so sehr liebte, dass es zu einem Teil seiner Identität geworden war, zerriss sich den Kopf, wie er sich von Rosalind auf eine möglichst schmerzfreie Weise trennen konnte. Er fürchtete, sie so sehr zu verletzen, dass sie sich etwas antun könnte, wenn er ihr klarmachte, er hätte sich für das Schreiben entschieden.

An dem Abend, an dem er ihr seine Entscheidung verkünden wollte, hatte auch Rosalind etwas Wichtiges zu sagen. Sie stritten sich kurz, wer als erstes seine sorgsam zurechtgelegten Worte aussprechen durfte. Wer das Wichtigere zu sagen hatte.

Peter war sicher, dass er es war, aber Rosalind setzte sich durch. Das war der Augenblick gewesen, als in der realen Welt die Mappe ein erstes Mal kurz geschlossen und beiseite gelegt worden war.

Sie hatte die Geschichte bis hierhin verschlungen und sie für ein spannendes fiktives Beziehungsdrama gehalten. Doch dann standen da die letzten Worte, die der Autor der Mappen aufs Papier gebracht hatte. Die Worte, die ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf gingen:

„Doch Peter kam gar nicht dazu, ihr zu sagen, was er ihr sagen musste. Denn Rosalinds Satz war so klar, so alles auf den Kopf stellend, dass Peter wusste, alle Worte, die er bisher für wichtig erachtet hatte, würden ab sofort nichtig sein. Rosalinds kurzer Satz war gewesen: ‚Ich bin schwanger.‘“

Immer wieder dachte sie über diesen letzten Satz, dieses letzte Wort nach. „Ich bin schwanger.“ Schwanger.

Als sie am nächsten Tag am Frühstückstisch saß und ihren Eltern dabei zusah, wie sie schweigend ihr Graubrot verzehrten, fragte sie: „Mama, wie lange wart ihr eigentlich zusammen, bevor ich auf die Welt kam?“

Ihre Mutter legte das Marmeladenbrot beiseite und ein Lächeln huschte über ihre Lippen. „Oh, das ging ja damals alles sehr schnell. Das war nicht mehr als ein Dreivierteljahr.“

Ihr Blick wechselte von ihrer Mutter auf Johann. Johann schaute gedankenverloren in seine Kaffeetasse, auf der stand: „Bester Papa der Welt“. Ihr Bruder lachte: „Alter! Ihr habt doch nicht nur geheiratet, weil du Mama geschwängert hast!“

Johann legte sein Messer beiseite. Schaute erst seine Kinder an, dann seine Frau. „Nein“, sagte er. „Das haben wir nicht.“ Und etwas in seinem Blick ließ Peter, Hans, Joji und Friedrich aufblitzen und seine Tochter war die einzige am Tisch, die diesen kurzen Augenblick bemerkte und verstand.

Sie las nie wieder in den Mappen, ließ sie in der Kiste am Dachboden. Aber in diesem Herbst begann Greta selbst eine Geschichte zu schreiben. Sie druckte sie aus, fügte die Seiten in eine Klarsichtfolie und legte die Geschichte zuoberst in die Kiste mit den Mappen. In dieser Geschichte ließ sie am Ende ihren Vater eine Geschichte finden, die sie, der Grund warum er als Autor verstummt war, für ihn geschrieben hatte. Sie nannte den Text “Das Ende der Geschichten.”

 

Ende 

(der Geschichte)

Und wenn du jetzt noch nicht fertig bist …

Die Geschichten, die dich
nicht mehr loslassen.

01Sonnwende

02Sternenkinder

03Die Verantwortung trägt der Zufall

04Ewige Jugend

05Der letzte Geburtstag

06Das Geheimnis der Loreley

07Perseidennacht

08Der Tod von Altötting

09Die Ameisen

10Das Escort-Mädchen

Wie hat dir die Geschichte gefallen?

Lass einen Kommentar da und teile "Das Ende der Geschichte!"

Kommentar schreiben

Kommentare: 0