Ein Wochenende im Legoland Günzburg. Oder: „Nie wieder Achterbahn!“

Ein Besuch mit seinen Kindern im Legoland Günzburg gehört für uns Familienväter in Bayern ebenso zur Papapflicht wie einen Baum pflanzen, einmal Fußballtrainer sein oder in die Allianz Arena fahren. Auch wir Eltern hielten es für eine sehr gute Idee und buchten in unserem Übermut gleich zwei komplette Tage Legoland. Warum das mit Kindern wie unseren eine verdammt lange Zeit werden kann, wie der Parkbesuch trotz Corona verlief und welche Lehren wir noch gelernt haben, verrate ich euch jetzt.

Da wir ein gutes Kombi-Angebot mit Übernachtung im „Best Hotel Mindeltal“ bekommen haben, entschieden wir uns kurzerhand gleich für zwei Tage Legoland. Das entzerrt den Stress ein wenig. Und zusammen mit dem Hotel war der Preis insgesamt in Ordnung. Die Ticket-Buchung im Vorfeld ist während der Corona-Zeit zwingend, da man sonst gar nicht auf den Parkplatz gelassen wird.

 

Der Einlass ins Legoland ist professionell organisiert. Masken sind während Corona für alle Besucher ab 6 Jahre Pflicht, werden aber auch überall im Park verteilt. Beim sehr netten Eingangspersonal kann man sich auch Verlier-Bänder für die Kinder abholen. Die können mit Namen und Telefonnummer beschriftet werden, falls die Kleinen verloren gehen sollten. Dieses Glück hatten wir nicht. Wir hätten uns ohnehin bei der Allianz Arena getroffen. Diese ist – gleich am Anfang des Parks, eines der eindrucksvollsten Lego-Modelle, die zu Bestaunen sind. Maßstabsgetreu nachgebaut sitzen tatsächlich gefühlte 80000 Lego-Männchen in der Arena und unsere Kinder konnten sich gar nicht sattsehen davon. Ein Anfängerfehler, die erste halbe Stunde im Legoland vor den Legomodellen zu verbringen. Denn Hauptattraktion sind natürlich die Fahrgeschäfte. Und die sollte man entweder möglichst früh oder möglichst spät am Tag nutzen. Dazwischen sind die Wartezeiten ziemlich lang. Absolut empfehlenswert ist übrigens auch die Legoland-App, mit der man sich nicht nur GPS-Navigation durch den Park anzeigen lassen kann, sondern auch die Live-Wartezeiten der jeweiligen Fahrgeschäfte. 

So schlenderten wir blauäugig und staunend erst durch die großen Legowelten am Anfang des Parks. Hier sind bekannte Städte wie Berlin, Hamburg, Amsterdam oder Luzern als Legomodelle aufgebaut. Während die Schlangen an den Fahrgeschäften immer länger wurden. Unseren Kindern hätte übrigens dieser Mitteteil des Parks schon gereicht. Sie liebten es, stundenlang die vielen Züge, Straßenbahnen und Züge anzuschauen.

 

Als erstes wollten wir eine Runde mit dem Legoland-Zug fahren, um uns einen Überblick zu verschaffen. Wartezeit trotz der noch frühen Zeit aber schon 20 Minuten. Und hier nahm das Unheil seinen Lauf. Von allen Attraktionen links und rechts, die wir aus dem Zug heraus sehen konnten, entschied sich unser Großer für eine eindrucksvolle Halle, in der man in futuristisch umgebauten Industrieroboter eine Art Astronautentraining machen kann. Er wollte unbedingt dort hin. Vielleicht sollte man nicht unerwähnt lassen, dass unsere Kinder jetzt nicht gerade die mutigsten sind und sogar die Wasserrutsche im Schwimmbad meiden.

Während die Männer auf der Besucherplattform standen, wurden die Mama und der (noch) mutige Herr an den „Power Builder“ geschnallt wurde. Obwohl die niedrigste Stufe eingestellt wurde, wurden die beiden derart wild durch die Luft gewirbelt, dass einem schon beim Zuschauen schummrig wurde. Wenige Minuten später nahmen wir eine begeistert lachende Mama und ein sehr blasses, einsilbiges Kind entgegen. Wir lobten ihn begeistert, dass er sich getraut hatte, gleich das wildeste Fahrgeschäft von allen zu machen. Die Folgen ahnten wir noch nicht.

Als nächstes gingen wir in den Ninjago-Bereich. Vom großen „Lego Ninjago Ride“ hatten wir bereits gehört, dass er auch kleinen Kindern Spaß macht. 25 Minuten Wartezeit. Aber die Wartezonen waren interessant gestaltet. Überall konnte man etwas zum Thema nachlesen. Nur die Warte-Buchten, in denen ansonsten die Kinder sich die Zeit mit Lego-Spielen vertreiben können, waren Corona bedingt gesperrt. Als wir endlich dran kamen und mit 3D Brillen auf dem Kopf in unserem Wagen von einem 4D Abenteuer zum nächsten fuhren, waren die Großen wieder begeistert. Mit Handbewegungen mussten die Gegner mit Feuerbällen abgeschossen werden. Nur unser größter Ninago-Fan fand die Fahrt nicht so toll. Ihm war es zu laut und er fürchtete sich sehr vor den tatsächlich ziemlich coolen Effekten. Also wieder ein Fahrgeschäft, das wir „Nie mehr!“ machen sollten.

Wegen der riesigen Hitze bot sich etwas an, bei dem man nass werden konnte. Also weiter zur Wildwasserrutsche der „Dschungel-Expedition“. Die Kinder schauten schon die ganze Wartezeit sehr skeptisch. 30 Minuten Warten. Aber dafür im Schatten und überall konnte man zwischen dem Buschwerk Lego-Wildtiere entdecken. Als die Fahrt im Floss begann, wurden wir schon von misstrauischen Fragen der Kinder gelöchert. Ja, wir würden den Wasserfall hinunterfahren. Ja, es könnte sein, dass wir nass werden. Und dann gab es nicht nur gruselige Spinnen zu sehen, sondern oben auf dem Berg drehte sich das Expeditions-Boot einmal und fuhr eine Runde rückwärts. Da war es bei den Kindern schon ganz aus. Sie wollten die Fahrt sofort beenden. Ging natürlich nicht. Wir mussten ja irgendwie noch den riesigen Wasserfall nach unten. 

Auf dem Foto, das im steilen Fall nach unten gemacht wird, sieht man lauter begeistert schreiende Legopark-Besucher. Und zwei Kinder, die sich mit entsetztem Blick an ihren Eltern festklammern. Fazit der Kinder über das für die Eltern bisherige Highlight: „Nie wieder!“

 

Im „Land der Pharaonen“ ging es verhältnismäßig fade zu. Die „Wüsten Rally“ war nichts anderes als ein Gemeinschaftsspiel, bei dem wir sogar Rennen und ziemlich viel Pumpen mussten. Wir wurden nicht letzter. Yeah! Die Tempel-Xpedition hatte zwar kurze Wartezeiten, aber das Schießen mit Infraropistolen fühlte sich im Vergelich zu NInjago dann doch ziemlich nach unserer Kindheit in den Achtzigern an. Wenigstens fürchteten sich die Kinder nur ein bisschen. Mehr Spaß hatten sie bei der Ballonfahrt. Dort blieb allerdings mehr der Legoland-Azubi Jannick in Erinnerung, der abwechselnd so ziemlich alle Gäste persönlich tadelte, weil sie entweder den Abstand nicht einhielten, oder die Maske nicht über die Nase trugen und dann trotzdem den charmanten Animateur spielte. Jannick halt, der Kevin des Nordens, dachten wir.

Wesentlich mehr Spaß hatten wir dann im Land der Seeräuber. Die dortige Seeräuberschlacht bot nicht nur kühles Nass, sondern auch jede Menge zu entdecken und ziemlich viele coole Effekte, bei denen man sich bei den Temperaturen garantiert abkühlen konnte. Gegen Abend freuten wir uns in der Markthalle über relativ gute Fast-Food Speisen und, dass es für Kinder sogar vegetarische Kids-Menüs gab. Die bestellten wir uns.

 

Nach unserem ersten Tag Legoland kehrten wir glücklich und zufrieden im Hotel im Mindeltal zurück.

Aber da gab es ja noch den zweiten Tag. Was wir noch nicht gemacht hatten, war die Fahrt in der kleineren der beiden Ritter-Achterbahnen. Die größere wollten wir unseren Kindern nicht zumuten. Womit wir nicht gerechnet hatten war, dass unsere Kinder auch die Fahrt in der sehr, sehr netten Drachenjagd als gefühlten Bungee-Sprung empfanden. Nach der Fahrt, die vielleicht ein kleines Mü rasanter war als die Raupe in Caorle, waren wir die Rabeneltern, die ihren Kinder mit einem Höllentrip für alle Zeiten traumatisiert hatten. „Nie wieder Achterbahn!“, schimpften die Kinder.

 

Es war unser zweiter Tag im Legoland. Es war Elf Uhr vormittags. Und was gab es noch zu machen, was den Eltern halbwegs Spaß machte? NICHTS!

Mit faszinierendem Entsetzen schauten wir also zu, wie unsere großen Kinder gemeinsam mit anderen zweijährigen Kleinkindern auf Baby-Kanus paddelten, oder am Kleinkinder-Ritterturnier teilnahmen und wie stolz und glücklich ihr Blick dabei war. Irgendwann akzeptierten wir, dass das Legoland halt nicht dazu da ist, die Eltern zu erfreuen, sondern die Kinder.

Ein Highlight hatten wir dann doch noch: Der Spaziergang durch das Sea-World Aquarium war sehr eindrucksvoll. Teilweise ging man durch eine Röhre und das Gefühl, wenn ein Hai oder ein Rochen über einen hinweg schwebt, war unbeschreiblich.

 

Ach ja, ein wildes Fahrgeschäft gab es dann doch noch, das Kindern genauso gefiel wie den Eltern:  Im Ninjago-Spinner konnte man die Kabine auf Knopfdruck um 360 Grad drehen. Während der Kleine auf der ersten Fahrt ununterbrochen auf den „Stop“-Knopf drückte, fand er ab dem zweiten Mal Gefallen daran und lachte sogar, wenn er kopfüber in der Ninjago-Kabine hing.

Nur mit Achtsamkeit und Meditation hält man zwei Tage Legoland aus. Das wissen wir nun.
Nur mit Achtsamkeit und Meditation hält man zwei Tage Legoland aus. Das wissen wir nun.

Unser Fazit nach zwei Tagen Legoland: Mit dem Wissen, dass die Kinder alles was cool war, total verweigerten, hätte ein einziger Tag völlig genügt. Richtig interessant sind ohnehin nur die erste Stunde und die letzte. Da die Wartezeiten dann recht kurz sind, kann man die Fahrgeschäfte seiner Wahl gleich mehrmals hintereinander machen. Nächstes Mal, falls es ein nächstes Mal gibt, würden wir sogar eine Übernachtung im Ressort-eigenen Hotel erwägen. Denn dann könnten wir die Kinder auch mal im Zimmer lassen und trotzdem schnell Achterbahn fahren gehen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0