Die große Nacht des Bernd Dürnberger

Im Frühjahr 1976 war das kleine Dorf Kirchanschöring nicht nur im Fußball-Bayern in aller Munde. Die Fußballer der “Ersten” Mannschaft hatten sich als Aufsteiger auch in der Bezirksliga an der Tabellenspitze festgesetzt. Und dem größten Fußballtalent der Dorfgeschichte, Bernd Dürnberger, war es in seiner vierten Saison beim FC Bayern gelungen, als unangefochtener Stammspieler neben Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier auf dem Platz zu stehen.

Bernd Dürnbergers wichtige Tore gegen Benfica Lissabon 1976

Innerhalb des letzten Jahres hatte Bernhard Dürnberger, bei Bayern nur “Bernd” oder “Wipf” gerufen bereits zwei enorm wichtige Tore geschossen. Darunter vor einem Jahr das spielentscheidende 2:0 im Europapokal Halbfinale gegen AS St. Etienne. Und in dieser Spielzeit, als ein peinliches Ausscheiden gegen Malmö drohte, die erlösende 1:0 Führung per Elfmeter. Wenn die Bayern mit Dürnberger im Olympiastadion spielten, dann pilgerte auch stets eine Schar heimischer Schlachtenbummler mit nach München. Was ganz gut passte, da der SVK meist zeitversetzt Sonntags spielte. Auch zum großen Viertelfinal Rückspiel der Bayern gegen Benfica Lissabon waren Dutzende Fans aus Kirchanschöring unter den 74500 Zuschauern im Olympiastadion. Der Titelverteidiger hatte sich im Hinspiel in Lissabon äußerst schwer getan und keine Mittel und Wege gefunden, die Defensive von Benfica zu knacken. Es endete 0:0. Keine gute Voraussetzung für die Bayern. Ein einziges Tor von Benfica hätte aufgrund der Auswärtstorregel gereicht und die Bayern hätten gleich zwei Mal gegen den Defensivriegel treffen müssen. Zur Pause war nach insgesamt 135 Minuten immer noch kein Tor gefallen. Alles spielte Benfica in die Karten. Auch die kirchanschöringer Fans rechneten - waren sie optimistisch - höchstens mit einem knappen 1:0 für die Bayern. Vielleicht wäre es mit dem Titel-Hattrick des FC Bayern nichts geworden, wenn nicht der kleine Kirchanschöring wie aufgedreht aus der Kabine zurückgekehrt wäre. Während sich die Portugiesen weiter darauf konzentrieren, die Bayern-Stars Beckenbauer und Müller kalt zu stellen, übersehen sie den kleinen Wipf auf der Außenbahn.

Keine vier Minuten waren nach dem Seitenwechsel gespielt, da schickte Beckenbauer Dürnberger steil, der zog an seinem Gegenspieler Barros vorbei und schoss den Ball aus spitzem Winkel unhaltbar ins lange Eck. Im Stadion entlud sich die erlösende Erleichterung. Dürnberger hüpfte außer sich vor Freude in die Arme seiner jubelnden Mitspieler. Benfica war geknackt. Aber noch lange nicht besiegt. Ein einziges Tor würde dem portugiesischen Meister reichen, um die Bayern doch noch aus dem Europapokal zu werfen. So oder so, sie mussten nun offensiver werden. Das verschaffte den Bayern Räume. Als alle mit der wütenden Gegenoffensive von Benfica rechneten, erreichte eine Flanke von Karl-Heinz Rummenigge von links den Kopf von Gerd Müller. Der Bomber legte ab auf Dürnberger, der zog direkt aus zwölf Metern ab und das Leder zappelte im Netz. Doppeltorschütze Dürnberger stand grinsend, ein wenig verdutzt vor dem Strafraum der Portugiesen und reckte die Arme in Siegerpose. Spätestens jetzt war allen im Stadion klar, dass der “Wipf” Benfica im Alleingang geknackt hatte. Doch noch war es nicht vorbei. Die gesamte zweite Hälfte feuern die Bayern den vielleicht schönsten Fußball ab, so war sich zumindest 40 Jahre später der Spiegel sicher, der jemals im Olympiastadion zu sehen war. Rummenigge erhöhte auf 3:0. Nene verkürzte für Benfica auf 3:1. Doch die Bayern hatten sich in einen Rausch gespielt. Und selbst der Bomber der Nation, der zuvor an Ladehemmungen litt, traf wieder und sorgte für die 4:1 und 5:1 Schlusspunkte. 

Held des Abends aber war Bernd Dürnberger. Auch wenn er nach dem Spiel sofort der Presse diktierte: “Mit zwei Toren wird man nicht über Nacht zum Star!”. Die Gala von München blieb aber auch in Kirchanschöring im kollektiven Gedächtnis. Wer damals live dabei war, oder das Spiel im Radio oder auf ZDF verfolgte, erinnert sich bis heute an das Spiel als die große Nacht des Bernd Dürnberger. Es folgte die fällige Nominierung für die Nationalmannschaft. Im Spiel gegen Spanien (immerhin das Viertelfinale der Europameisterschaft) saß Dürnberger auf der Bank, kam allerdings nicht zum Einsatz. Die Bayern trafen im Halbfinale gegen Real Madrid und vor allem die beiden ehemaligen ESV Freilassing-Spieler Dürnberger auf Seiten der Bayern und Paul Breitner bei Real standen im Mittelpunkt. Der Rest ist Fußball-Geschichte. Im Finale trafen die Bayern erneut auf AS St. Etienne und Dürnberger gelang es mit dem FC Bayern, den Europapokal der Landesmeister ein drittes Mal in Folge als Sieger mit nach München bringen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Stefan Ehinger (Mittwoch, 18 März 2026 16:42)

    Super Artikel!