Kurt Gaugler und der SVK

Vom SVK-Torwart der legendären Aufstiegself von 1976 zum Manager in der 2. Bundesliga und Chef der DFL-Stiftung. Kurt Gaugler ist eine der prägendsten Figuren der Vereinsgeschichte. Erfahre mehr über den Weg eines Kirchanschöringers, der die Fußballwelt bewegte und doch immer heimatverbunden blieb.

Den Namen Kurt Gaugler verbindet man in Fußball-Deutschland in erster Linie mit Wacker Burghausen. Als Manager des damaligen Zweitlige-Vereins und später Geschäftsführer der DFL-Stiftung war er viele Jahre einer der wichtigsten Fußball-Funktionäre Deutschlands. Gleichzeitig ist Gaugler aber auch eine der prägenden Persönlichkeiten der heute legendären Kirchanschöringer Landesliga-Mannschaft von 1976 und blieb den Schwarz-Gelben bis heute eng verbunden. Für seine Verdienste ist Kurt Gaugler inzwischen zum Ehrenmitglied des SVK ernannt worden. Was ihm selber ein wenig peinlich ist. “Seit ich das weiß, war ich gar nicht mehr im Stadion”, gestand er. Eine dankbare Demut von einem, der mit Angela Merkel, Edmund Stoiber und Auma Obama zusammengearbeitet hat, aber nie vergaß, wo er herkommt? Wenn er selbst die Geschichte seiner erstaunlichen Sportkarriere erzählt, erscheint diese als logische Abfolge von Chancen-erkennen und Verantwortung übernehmen. Obwohl Gaugler den jungen Kurt selbst als “Gribbe” bezeichnete, dem die Mutter nicht selten das Fußballtraining verbot, war er als junger Mann stets Kapitän aller Mannschaften, in der er spielte. Dieser “Gribbe” täuschte also an, dass er das Haus in die eine Richtung verließ und lief per Umweg dann doch wieder zum Fußballplatz. Gaugler war bereits als Jugendlicher ein Talent und spielte in der Oberbayern-Auswahl. Sein Highlight war ein Spiel im Olympiastadion gegen die Bayern-Auswahl vor zehntausend Zuschauern. 

Bis zur A-Jugend bekleidete Gaugler als Mittelstürmer eine Feldspieler-Position. Durch einen Zufall wurde er ins Tor gestellt. Ähnlich wie heute der moderne Torwarttyp Manuel Neuer wurde Kurt Gaugler schon in den Siebziger Jahren zu einem Torhüter mit Feldspielerqualitäten. Der neue SVK Trainer Sepp Fellner machte mit ihm vor jedem Training Sonderschichten und so wurde der starke Mittelstürmer Gaugler zu einem der besten Torhüter der Region. Als sicherer Rückhalt im Tor und zugleich treffsicherer Elfmeterschütze war Gaugler einer der Grundpfeiler des sensationellen kirchanschöringer Durchmarsches von 1974 bis 1976. Der A-Klassen Meister dominierte auch die Bezirksliga und das kleine Dorf stieg schließlich in die Landesliga auf. Neben dem Fußballplatz absolvierte er zwei Ausbildungen. Zunächst schloss er eine Ausbildung als Schlosser ab. Danach bot ihm die Firma Meindl eine Lehre als Bürokaufmann an. Nebenbei trainierte er auch noch die Jugendmannschaft des SVK. Kurt Gaugler blieb in den folgenden Jahren in der Bezirksliga entscheidender Rückhalt im Tor des SVK und der Bezirks- und Oberbayern Auswahl. So oft es sich ergab, spielte er aber auch gerne in der “Zweiten” im Sturm. Oder wurde auch mal während eines Spieles erst als Torwart, dann als Mittelstürmer eingesetzt. 

Seine Erfolge als Torwart und Führungsspieler weckten das Interesse anderer Vereine. So fragte unter anderem Wüstenrot Salzburg (heute Red Bull), die einen Ersatztorwart suchten, bei Gaugler an.Damals entschieden nicht Ablösesummen, für welchen Verein man spielte. Vereine lockten mit Arbeits- oder Ausbildungsplätzen. 

Die damaligen Landesliga-Aufsteiger von “Anschöring” waren eine eingeschworene Truppe, die, wie wir heute wissen, auch fünfzig Jahre später noch teils zusammen am Spielfeldrand die Spiele des SVK anschaut. Als zu Beginn der Saison 1979/80 bekannt wurde, dass ausgerechnet der Kapitän das Team verlassen würde, war das für die Mannschaft ein harter Einschnitt. Aber Gaugler bekam in Burghausen nicht nur eine sportliche, sondern mit der Ausbildung zum Technischen Zeichner auch beruflich attraktive neue Perspektive. “Die Kirchanschöringer trennen sich von ihrem verdienten Schlussmann in Freundschaft. Zweifellos bedeutet dies einen großen Verlust”, meldete der Bezirksligist damals an die Presse. Auch in Burghausen war er auf Anhieb Spielführer der Mannschaft. Zur Betriebsphilosophie bei Wacker gehörte es, dass potentielle Führungskräfte Erfahrung als Trainer der Jugendmannschaft sammelten. So war er auch in Burghausen als Jugend-Trainer aktiv und baute die F-Jugend auf. 1983 stieg er mit Wacker in die Landesliga auf und wurde in der Folgesaison Vizemeister. 

Während er beruflich in Burghausen blieb, war das Thema SV Kirchanschöring nicht beendet. Nach fünf Jahren bei Wacker, wo es sportlich stetig aufwärts ging, kehrte er als Torwart zum SVK zurück. Gerade rechtzeitig, um für das Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern im Tor zu stehen. Kurt Gaugler war also (neben Bernd Dürnberger auf Seiten der Bayern) einer der Kirchanschöringer, der sowohl 1974 als auch 1984 bei den SVK-Duellen gegen den FC Bayern auf dem Platz stand. Das Comeback in Kirchanschöring war allerdings geprägt von Verletzungen und nach eineinhalb Jahren war für ihn der aktive Fußball zunächst vorbei. Nun begann die zweite Karriere des Kurt Gaugler als Funktionär, die ihn später über den halben Globus bringen sollte. 

In Burghausen sah die Firma Wacker damals den Fußball eher als Mittel zur Entwicklung der Führungskräfte. Mit Kurt Gaugler hatten sie nun einen Mitarbeiter, der zugleich Führungskraft als auch Fußballexperte war. Sein Aufstieg zum sportlichen Leiter war eine logische Konsequenz. Stufe für Stufe auf der Karriereleiter hatte er sich nach und nach erarbeitet. Während seiner Zeit als sportlicher Leiter stieg Wacker Burghausen zur unumstritten stärksten Mannschaft Südostbayerns auf. Der Höhepunkt für die Fußball- Annalen war der Aufstieg Burghausens in die Zweite Bundesliga. Fragt man Gaugler selbst erzählt er, dass sein größter Erfolg der Aufstieg der A-Jugend Burghausens in die Erste Bundesliga war. Gauglers Vision war, dass sportlicher Erfolg nachhaltig sein müsse. Deshalb war ihm der Unterbau einer gesunden Nachwuchsarbeit noch wichtiger als der finale Erfolg der “Ersten” Mannschaft. 

Den Kontakt zu seinem Heimatverein Kirchanschöring ließ Gaugler nie abreißen. Als beide Torhüter des SVK verletzungsbedingt ausfielen, stand Gaugler in den Neunziger Jahren sogar noch einmal als Keeper zwischen dem Pfosten. Die Nervosität war selbst beim Routinier riesig. Aber das Experiment glückte, der SVK siegte und Gaugler konnte sich wieder seinen Aufgaben als Wacker-Manager widmen. 

Seine dritte Karriere begann, als er 2008 überraschend zum Sprecher der Bundesliga Stiftung gewählt wurde. Überrascht war vor allem er selbst. Da er aber auch in den anderen Ligen, in denen er mit Wacker gespielt hatte, Funktionär und Liga-Sprecher war, war auch dieser Schritt nur konsequent. 

Diese zeitintensive neue Funktion stieß in Burghausen auf wenig Begeisterung. Seine neue Aufgabe brachte ihn mit Politikern wie Schröder, Merkel, Stoiber zusammen. Er initiierte Hilfsaktionen in Brasilien oder Südafrika. Er setzte sich für mehr Gerechtigkeit bei den Paralympics ein und kooperierte mit Aula Obama oder Manuel Neuer und seiner Stiftung. IN einem “Leute von heute” Fragebogen von 1995 wurde er befragt, wem er Hunderttausend Mark spenden würde (wenn er diese hätte). “Behinderten, Kinderdörfer oder Sportvereinen mit guter Jugendarbeit”, antwortete er damals. Nun hatte er mit der DFL Stiftung teils ein Budget von 80 Millionen Euro zu verwalten. Und konnte nun tatsächlich Geld für diese Sozialprojekte verteilen. Der kirchanschöringer Keeper Kurt Gaugler war auf einmal Weltbürger, der 250 Mal im Jahr im Flugzeug saß. Im Gespräch betont er aber auch, dass diese Karriere seinen Preis hatte. Der heutige Rentner und Opa erzählt, dass er heute versucht, zumindest seinen Enkelkindern die Zeit zurückzugeben, die er für seine Kinder damals nicht hatte. 

Neben all seinen Funktionen betrieb Gaugler nämlich auch noch ein Sportgeschäfte. Einer der Kunden war sein alter Verein, der SV Kirchanschöring. Er sorgte in all den Jahren nicht nur dafür, dass der SVK finanzierbare Trainingsanzüge und Trikots für Jugend- und Seniorenteams beziehen konnte. Er nutzte seine Kontakte auch, um dem SVK so manch finanziell ertragreiches Freundschaftsspiel wie gegen Lech Posen mit dem damals noch jungen Stürmertalent Robert Lewandowski vermittelte. Da Kurt Gaugler nicht nur als Kapitän der Landesmeisterstatus eine Schwarz-Gelbe Fußballlegende ist, sondern auch im Hintergrund ein Gönner und Förderer des Vereins blieb, ist er inzwischen Ehrenmitglied des SV Kirchanschöring. 

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