Viel Amore für Wanda, Wien und die Literatur

Marco Wandas beendet Lesetour in der Szene Salzburg. Die Wandlung des Marco Michael Vitzthum, besser bekannt als Marco Wanda vom exzessiven Rockstar zum seriösen Schriftsteller, feierte am Dienstag in der Szene Salzburg sein vorläufiges Finale. “Ich werde definitiv nicht mehr öffentlich aus diesem Buch vorlesen”, erklärte Marco Wanda am Ende eines intensiven Abends den über 300 Zuhörern der von der ARGE Salzburg organisierten Lesung. 

Dass es Wanda und den sensationellen Erfolg der Wiener Band überhaupt gegeben hat, ist das Thema des Buches, mit dem Marco Wanda sich nach vielen Jahren Tourlebens voller Musik, Alkohol und Amore  als Schriftsteller neu erfand. Wobei die vermeintliche Wandlung aus seiner Sicht nie eine war. “Ich habe mich immer als Schriftsteller identifiziert”, erzählte er in Salzburg. Neu war einzig die tatsächliche Veröffentlichung seines Roman-Debüts “Ich habe lange Zeit gar nicht bemerkt, dass ich gerade ein Buch schreibe”, so Marco Wanda über die Entstehung von “Dass es uns überhaupt gegeben hat”. 

In Salzburg hat er, die erfahrene Austrorock-Rampensau das Publikum ab Sekunde Eins im Griff. Ein wenig ironisch gab der seriöse Herr auf der Bühne die gewohnten Rockstar-Posen und freute sich, dass er so auch vor Literatur-Publikum Begeisterungsstürme auszulösen vermochte. Dann legte er  den Schalter um und im Scheinwerferlicht saß der Schriftsteller Marco Wanda, der ruhig, meist humorvoll, immer tiefgründig und nicht selten nachdenklich in einem nicht enden wollenden Stream of Consciousness die bemerkenswertesten Kapitel seines Buches, also seines Lebens vorlas. Ein Auftritt wie das komplette Gegenteil eines Wanda-Konzertes. Konzentriert, eher leise und ganz alleine, ohne seine Bandkollegen wirkte er dennoch ganz bei sich angekommen zu sein. Seine fein gesponnene literarische Prosa wirkte auch im ausgesprochenen Wort magisch nachhallend im weiten Raum der Szene. Szenenapplaus gab es dennoch immer wieder und viele Lacher, da Marco Wanda urkomisch und selbstironisch über den unglaublichen Aufstieg von Wanda zu erzählen vermag. Ebenso schonungslos schildert er im Buch von den Schattenseiten seines Lebens: Von den Drogen, vom Alkohol. Und auch in Salzburg nahm das große Thema der Band Wanda - und auch ihres Sängers - immer wieder viel Raum ein: Der Tod. Die Kapitel über die beginnende Krebserkrankung seines Bandkollegen Christian Hummer oder die letzten Tage mit seinem Vater las er in einer Stille, wie es sie auf einem Wanda-Konzert niemals geben könnte, vor. Er nahm das Publikum mit ins Kairo des arabischen Frühlings und nach Paris in die Nacht der Terroranschläge 2015. Und landete am Ende eines wilden Ritts durch sein Buch, durch die Bandgeschichte, bei der Einsicht, dass das Leben nichts anderes ist als Urlaub vom Tod. Und das wichtigste im Leben die Liebe. So endete die Wanda-Lesung wieder bei “Amore” - dort, wo alles begann. 

Im anschließenden Bühnen-Gespräch mit Moderatorin und Journalistin Larissa Schütz erzählte er offen darüber, dass er inzwischen die große Lebensentscheidung getroffen habe, keinen Alkohol mehr zu trinken. In Bezug auf seine Erlebnisse in Kairo während der Revolution wurde er sehr politisch. Er habe damals eine extrem gespaltene Gesellschaft und die daraus resultierenden Gewaltausbrüche erlebt. Er fürchtet seitdem, dass sich Europa in eine ähnliche Richtung entwickelt. Er positionierte sich einerseits klar gegen rechtsextreme Parteien in Österreich und Deutschland. Betonte aber gleichzeitig, dass er es nicht gut findet, wenn auf deren Wähler eingehauen wird. “ich möchte nicht, dass wir zwei Drittel der Menschen hier endgültig in die Arme von Kickl und Weidel treiben.” 

Mit offenkundiger Wehmut verkündete er vorerst seinen Abschied von der Lesebühne. Salzburg war die letzte Station seiner großen Lesetour. Dass er weiter Bücher schreiben würde, daran ließ er keinen Zweifel. Einzig, ob es diese ebenfalls ans Licht der Öffentlichkeit finden würden, ließ er offen. 

Der PRessetext in der PNP

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