Wehmütige Weißwurst Erinnerungen

Was wäre ein weißblaues Leben ohne die Weißwurst? Wie viele selige Erinnerungen hängen an jenen kleinen, aneinandergeketteten Würsten? In Sachen Weißwurst habe ich schon so ziemlich alles erlebt. Weißwürste zuzeln, Weißwurste Grillen, allein die Techniken, wie man Weißwürste richtig isst, erhitzen die Gemüter. Einzig ein Problem ist für mich noch geblieben: Weißwürste sind aus Fleisch.

Mit Weißwürsten verbindet der typische Bayer natürlich nur Schönes. Zum einen, weil man sie traditionell nie alleine, sondern meist in Gesellschaft genießt. Und zum anderen, weil es in der Regel nicht nur vor Zwölf Uhr mittags ist, wenn man die Weißwürst isst, sondern es auch einen triftigen, zünftigen Grund gibt. Gerne auch der, dass einfach Samstag ist. Und, in engem zeitlichen Zusammenhang dazu, dass man eine aufregende Nacht hinter sich hat. Dann kann man das Weißwurstessen auch Katerfrühstück nennen. Meist brummt dabei noch der Schädel, es werden die besten Anekdoten des Vorabends zum Besten gegeben und nach ein, zwei Weißbier, lässt auch das Schädelweh nach. Ähnlich beliebt ist die Freitagsweißwurst. Diese bietet in unzähligen Firmen südlich des Weißwurstäquators eine gern genutzte Gelegenheit, das Tagewerk kurz vor dem Wochenende vorzeitig ruhen zu lassen. So oder so, die Weißwurst wird geliebt. Heiß und innig. Mit süßem, selten scharfem Senf, „gezuzelt“ von den Profis und mit Besteck aus der Haut geschält von den Genießern. Meine lustigste Weißwurst Erinnerung war ein Barbecue beim Nachbar aus Amerika. Staunend schauten wir ihm zu, wie er begeistert Weißwürste auf dem Webergrill wendete. Gegessen haben wir sie trotzdem. Und so ähnlich sind sie auch entstanden, die Weißwürste, die demnächst 165. Geburtstag feiern: Als nach einem Missgeschick Bratwürste im heißen Wasser zubereitet wurden. Was für ein Glück im Unglück.

Gibt es auch vegetarische Weißwürste?

Beim Thema Weißwurst werde ich regelmäßig wehmütig. Weil sie mir schon immer sakrisch gut geschmeckt hat. Trotzdem musste die Wurst meinen Essgewohnheiten weichen, weil’s mir halt nicht Wurst ist, was drin ist. Das weiß zwar der 08-15 Weißwurst-Zuzler in der Regel auch nicht. Gesichert gilt jedoch, dass es sich bei ihr um kein vegetarisches Produkt handelt. Seit ich kein Fleisch mehr esse, muss ich somit auch auf dieses Stück bayerische Identitätsstiftung verzichten. Hoffend setze ich ganz auf die Forschung: Diese hat vieles ermöglicht, um den „Bavarian- vegetarian Way of Life“ aufrecht zu erhalten. Leberkässemmeln gibt es längst auch fleischlos. Nur für die im weißblauen Vormittag so lebenswichtige Weißwurst wurde noch kein Ersatzprodukt erfunden. So bleibt mir nichts anderes übrig, als in den Erinnerungen an die schönsten Weißwurstfrühstücke zu schwelgen und darauf zu hoffen, dass unsere Staatsregierung alles erdenklich mögliche unternimmt, um der Erforschung vegetarischer Weißwürste endlich zum Durchbruch zu verhelfen. 

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