So war der wunderschöne Familienurlaub in Kärnten

Urlaub ist die schönste Zeit! Und so habe auch ich am letzten Arbeitstag den Stift in die Ecke gepfeffert und bin jubelnd in die Ferien gestürmt. Eine Woche später: Müde und ausgelaugt - nach fünf Tagen Familienurlaub erschöpft und kraftlos - schleppe ich mich ins Büro und verschließe die Tür hinter mir. Erst jetzt realisiere ich: Ich bin alleine! Ich bin wirklich und tatsächlich ALLEINE! Fassungslos vor Glück kullern kleine Tränen auf die Tatstatur. Ich bin unendlich dankbar, sooo dankbar dafür, endlich wieder arbeiten zu dürfen. 

 

Hä?

Wie konnte es soweit kommen?

Schuld daran ist eine Binsenweisheit. Eine für die ich eigentlich 5 Euro ins Phrasenschwein schmeißen müsste. Denn: Leider haben Eltern keinen Urlaub.

Sie dürfen in Urlaub fahren, aber Urlaub kriegen sie nicht. Urlaub kriegen nur die Kinder. Die können sich von den Strapazen und der strengen Führung und Kontrolle ihrer Erzieherinnen erholen und unter Aufsicht der überforderten Eltern endlich tun und lassen was sie wollen. 

Dementsprechend motiviert brachen die Kinder nach Kärnten auf. 

Und zunächst war es ein traumhafter Familienurlaub. Wir waren im sehr familienfreundlichen Strandhotel Kärntner Hof in Pörtschach untergebracht. Die Sonne schien, es wurde gebadet. Basti zeigte durchkraulte auf der Schwimmnudel stolz den See und zeigte, was er im Schwimmkurs gelernt hatte. Die Mama übte sich euphorisch im Stand Up Paddling und Loni begnügte sich damit, am Ufer Dreckbatzel-Burgen zu bauen.

 

Aber schon am Abend zeigten sich erste Wolken am Himmel. Nicht nur im übertragenen Sinn. Es zeichnete sich ab, dass die Kinder es zwar genossen, ein eigenes Bett zu haben. Aber noch schöner fanden sie es, neben Papa oder Mama einzuschlafen. Also wurden mehrmals sämtliche Bettkonstellationen ausprobiert, bis die Kinder endlich erschöpft einschliefen und die Eltern erschöpft mit weit aufgerissenen Augen neben ihnen lagen. Es war erst / oder schon neun, das Zimmer abgedunkelt. Was nun? Heimlich schlichen sich die Eltern nach unten und tranken Wein. Alle glücklich und zufrieden. Denn sie tranken sehr viel Wein.

Am Tag Zwei ging es zum Minimundus nach Klagenfurt. Ich verbrachte dort schon jeden Urlaub meiner Kindheit und freute mich selber auf Minimundus. Allerdings hatte ich in meiner Vorfreude vergessen, dass ich inzwischen die Rolle gewechselt hatte und nun eine Aufsichtspflicht hatte. Ich hätte mich nicht freuen dürfen… Und als ich wieder zu Hause die alten Dias anschaute, meinte ich, eine gewisse Resignation in den Augen meiner Mama zu lesen:

Ob sie auch nach wenigen Minuten ihren Kindern hinterherfetzen musste, die sofort ausgebüchst waren, um den Modelleisenbahnen anzuschauen? Ob meine Schwester damals gleichzeitig in die entgegengesetzte Richtung gerannt war wie ich? Ob mein Papa irgendwann schlicht aufgegeben hat, den exakten Standort seiner beiden Kinder zu kennen?

So jedenfalls ging es uns. Minimundus 2017 – Kindertraum und Elternhorror! Aber wir machten das beste daraus. Kurz, nur kurz sind wir verzweifelt unseren Kindern hinterhergelaufen, haben laut bis Drei gezählt, wahlweise gedroht oder Eis versprochen. Dann haben wir es aufgegeben. Haben uns auf eine Bank gesetzt und die anderen Väter und Mütter beobachtet, wie sie schimpften, sich gegenseitig Vorwürfe machten und widerspenstige Dreikäsehochs hinter sich her schleiften. Da wars kurzeitig sehr amüsant. Bis uns einfiel, dass wir ja doch ein wenig Verantwortung für die wilden Kerle hatten und unsere Kinder wieder einfangen mussten.

Den Loni fanden wir dann am anderen Ende des Parks beim ICE. "Opa!", rief er. "Opa!" 

Entspannte Eltern im Urlaub
Entspannte Eltern im Urlaub

Am Nachmittag gings auf den Pyramidenkogel, den Aussichtsturm mit dem Rundblick über den Wörthersee. Kaum oben, stoben die beiden schon wieder in sämtliche Hinmelsrichtungen auseinander und testeten, ob das Geländer auch tatsächlich kindersicher war. Und jetzt, erst jetzt gab es die erste gewaschene Standpauke von der Mama. Was es nicht gab war ein Eis. Sie schleckten schließlich das Eis vom Papa weg. 

Auch an diesem Abend saßen gegen neun zwei gestresste Eltern mit weit aufgerissenen Augen todmüde aufrecht im Bett. Das mit dem Abendwein haben wir allerdings eingeschränkt, als das Restaurantmädchen endlich den Preis für das Vierterl herauskriegen konnte: 12 EUR...

 

Aber noch immer war es ein schöner Urlaub. 

Bis es zu regnen begann. Besser gesagt, zu schütten. Auch im schönen Kärnten wird es zwei Kindern bei Regen schnell langweilig und es ist faszinierend, wie instinktsicher ein Zweijähriger herauskriegt, was man alles nicht darf. Und es trotzdem tut. 

Letztendlich hat sich die Mama durch die Nässe und weil sie sich zu wenig Wein trinken traute, ihre Mandeln also nicht desinfizierte, böse erkältet. Wir beschränkten unsere Seightseeing Aktivitäten auf den Besuch der schönsten HNO Praxen Klagenfurts. 

Und um zumindest noch ein wenig die Illusion, Urlaub zu haben zu schüren, fuhren wir kurzerhand noch mit dem Schiff über den verregneten Wörthersee. Bastian freundete sich rasch mit dem gesamten Personal an: Er fuhr beim Kapitän mit und quatschte dem halben Schiff die Ohren voll. So wissen inzwischen alle, dass der Loni einmal dem Papa eine Flasche Bier aus dem Keller geholt hat, die ihm dann runtergefallen ist und seitdem das Haus nach Bier stinkt. 

 

Am letzten Tag wäre das Wetter wieder schön geworden. Aber die zwei hustenden und schnupfenden Eltern waren heilfroh, endlich wieder nach Hause fahren zu dürfen, voller Vorfreude, dass bald die Arbeit wieder losgeht!

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