Mit den Kindern im Ägyptischen Museum München

Wie heißt der Gott mit dem Falkenkopf? Unsere Kinder wissen es jetzt!
Wie heißt der Gott mit dem Falkenkopf? Unsere Kinder wissen es jetzt!

Neulich ließ sich unser älterer Sohn vor dem Schlafengehen aus einem Bilderbuch über das Leben vom Kaiser Augustus vorlesen. Darin hieß es, dass Augustus eine erstklassige Erziehung genoss. Der Kleine blickte verwundert auf und fragte: „Hä? Was ist das, eine erstklassige Erziehung?“ Wir seufzten und gestanden uns ein: Tja, da ist offensichtlich noch Verbesserungsbedarf. Um das zu ändern, bin ich als ersten Schritt mit den Kindern nach München ins Ägyptische Museum gefahren. 

In dem roten Archäologen-Rucksack befinden sich spannende Aufgaben für die Kinder
In dem roten Archäologen-Rucksack befinden sich spannende Aufgaben für die Kinder

Während die Mama sich bei einem Mythic Yoga-Sunday von Diana Sans inspirieren ließ, stand bei uns Bildung auf dem Programm. Die Kinder durften wählen zwischen Lenbach-Haus und Ägyptischem Museum. Das Votum fiel eindeutig aus: „Ich will keine langweiligen Bilder anschauen!“

Das eigentliche Highlight war für die beiden Jungs vermutlich ohnehin die Fahrt vom Reichenbachplatz zum Königsplatz. Sie durften Trambahn und U-Bahn fahren und waren die glücklichsten Kinder der Welt. Am Königsplatz begann unsere Bildungs-Exkursion und Bastian referierte, wie die klassizistischen Bauten von Ludwig I. den Weltkrieg überstanden hatten. Aha. Hochmotiviert erreichten wir das Ägyptische Museum. Ein netter Herr musterte uns gutmütig und nannte den Eintrittspreis. Ich reichte ihm einen Fünfzig-Euro-Schein. Er schüttelte traurig den Kopf. „Tut mir leid, den kann ich nicht annehmen. Wir haben kein Wechselgeld.“

„Oh, dann zahle ich halt mit Karte.“

„Tut mir leid, auch das geht erst ab 10 Euro.“

„Wir sind ja auch drei Personen. Wie viel kostet es denn?“

„1 Euro.“

„Wie bitte?“

„Ja, Kinder sind frei und Erwachsene kosten einen Euro.“

Anscheinend gibt es in München Bildung fast gratis. Ich kramte in meinem Geldbeutel und reichte ihm einen Haufen meiner letzten Cent-Münzen.

 

Es stellte sich heraus, dass ich auch für die Schließfächer einen Euro brauchte. Nach kurzer Diskussion, in der ich erneut mit meinem Fünfzig-Euro-Schein wedelte, lieh er mir einen Euro aus seiner Privat-Kasse. Beinahe wäre unser Bildungs-Ausflug an einem Euro gescheitert. Dafür bekamen die Kinder einen Archäologen-Rucksack zur Verfügung gestellt, in dem sich Aufgaben für die Kleinen befanden. 

Kurze Verschnaufpause im Grab des Pharao
Kurze Verschnaufpause im Grab des Pharao

Zum Beispiel entdeckten die Kinder im Rucksack einen Plüsch – Falken. Im ersten Raum durften sie nach einer Falken-Statue suchen. Und tatsächlich: Da stand ein Mann mit einem Falkenkopf. Der Gott Horus! Nur Loni traute der Sache nicht ganz. „Das ist doch ein Papagei!“, sagte er immer wieder.

 

In einem anderen Raum gingen sie auf Skarabäus-Suche und durften die unzähligen Skarabäi in den Vitrinen zählen. Ein wenig gruselig war ein meterlanger Papyrus, auf dem das Totenbuch der Ägypter geschrieben stand. Darunter ein Bild, auf dem der Totengott Osiris Gericht über das Leben des Verstorbenen hielt. Daneben stand ein unheimliches Wesen namens Ammit, zu deutsch „Die Fresserin“. Die Kinder rätselten nun, aus welchen Tieren das Mischwesen Ammit zusammengesetzt war. Weil die Ägypter offensichtlich nicht gescheit malen konnten, schummelten wir und schauten auf Wikipedia nach. Richtige Antwort war: Ein Krokodil, ein Löwe und ein Nilpferd. Wenn der Verstorbene übrigens ein böser Mensch war, wurde er nach dem Gericht von Ammit gefressen. Cool, dachte ich mir. Wenn die Kinder nächstes Mal nicht brav sind, dann schimpfe ich, dass sie jetzt sofort folgen sollen, weil sonst die Ammit kommt!!!

Dieser Pharao war anders als die anderen. Das wissen jetzt auch die Kinder: Echnaton.
Dieser Pharao war anders als die anderen. Das wissen jetzt auch die Kinder: Echnaton.

Am Ende des Tages lösten wir auch noch das Geheimnis um den Fluch des Pharao. Ich referierte ein wenig über den Pharao Tut Ench Amun. Wir hofften, eine Pharaonen-Statue von Tut Ench Amun zu finden.

Irgendwann fragte Loni: „Wo ist es jetzt?“

„Was meinst du?“

„Das tödliche Huhn!“

„Wie bitte?“

„Du hast doch gesagt, wir suchen den Pharao Töd-Liches-Huhn!“

In dem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass der geheimnisvolle Fluch des Tut Ench Amun nichts anderes war als… DAS TÖDLICHE HUHN!

Irgendwann standen wir im Saal mit den Sarkophagen und Grabbeigaben. Während sich Bastian die Ausstellungsstücke hochinteressiert anschaute, hörte man es hinter einem der Sarkophage auf einmal laut seufzen:

„Ich habe HUNGER!“

Loni ließ die Schultern sacken und rief erneut: „Ich hab Hunger!“ Wie freundlich das Personal im Ägyptischen Museum ist, merkten wir, dass sofort eine der Aufseherinnen herbeieilte. Fürsorglich klärte sie uns auf, dass wir ohnehin fast das Ende der Ausstellung erreicht hätten. Und wenn der Kleine großen Hunger hätte, könne er nach einer Brotzeit im Museums-Café anschließend noch bis zum Ende des Tages den Museumsgang fortsetzen.

Für heute hatten wir allerdings genug gelernt. Wir holten unsere Sachen aus dem Spint und vergaßen natürlich nicht, unserem netten Museumskassierer  seinen Euro zurückzugeben.

 

Weil die Kinder im Museum so brav waren und der erste Schritt in Richtung „erstklassige Erziehung“ getan war, durften sich die Kinder nun etwas wünschen. Und was wünschten sie sich? Rolltreppenfahren! Am Isartor fuhren sie schließlich ein gutes Dutzend Mal die Treppen rauf, rannten wieder runter, fuhren wieder rauf. Das hat vielleicht wenig mit hervorragender Erziehung zu tun, aber Hauptsache die Kleinen sind glücklich!


Zuletzt im Elterntagebuch:

Robbi und sein kleines Baby
Robbi und sein kleines Baby

Mit vollem Namen haben die Kinder unseren neuen Mitbewohner „Robbi Eboot Straßer“ getauft. Robbi, weil der kleine Saugroboter so heißt. Eboot, weil es auf ihm draufsteht. „Und warum Straßer?“, habe ich gefragt. „Weil er doch zur Familie gehört!“, haben sie begeistert gerufen. Inklusive unserer Hasen sind wir nun also zu siebt…

Das ideale Geschenk für alle Eltern und die, die es (lieber nicht) werden wollen:

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