Stern des Südens

Neulich war ich auf dem Konzert vom Willy Astor in Waging. Der war in Sachen Bayerischen Wortwitzes schon immer ein unerreichtes Idol. Auf dem Konzert erfuhr ich, dass er auch noch für dieses eine Lied verantwortlich ist, das ich mir so oft in meinem Leben anhören musste, wie kein anderes. Und nein, er war nicht der unbekannte bayerische fünfte Beatle. Aber er hat einen anderen Ohrwurm geschrieben, den jeder in Bayern kennt. Einen Superhit, den die eine Hälfte Bayerns frenetisch mitsingt und die andere Hälfte abgrundtief verachtet.

Auch in meinem Leben spielte das Lied immer wieder eine wichtige Rolle. Und zwar, weil es das allererste war, das meine Kinder, kaum der ersten lingualen Geräusche fähig, zum Besten gaben. Dieses legendäre Lied, bei dem jeder Zuhörer eine Gänsehaut (aus jeweils konträren Gründen) bekommt, ist natürlich „FC Bayern, Stern des Südens“, die Hymne des FC Bayern. Es bietet sich die Frage an, was es mit Kindern macht, wenn sie in der musikalischen Früherziehung mit derartigem Liedgut konfrontiert werden. Wird aus ihnen zwangsläufig ein Bayern-Fan? Oder ist es uns Bayern eher genetisch vorgegeben, ob wir Sechziger oder Bayern werden? Zugegeben, war ich einst, als meine Frau in den Wehen lag, ein glühender Bayern-Fan. Bastian Schweinsteiger hatte gerade seinen Elfmeter gegen Chelsea verschossen und ich verrate jetzt nicht, wie mein Erstgeborener getauft ist. Aber eine große Liebe wächst mit noch größeren Niederlagen. Und wie oft sind die Bayern seitdem nicht Meister geworden? Jedenfalls habe ich meine Kinder letztens erwischt, wie sie auf der Playstation heimlich den „TSV München“ gespielt haben. Es würde ihnen in ihrer Charakterentwicklung sicher guttun, sich mit einer weniger erfolgsverwöhnten Mannschaft zu identifizieren, dachte ich wohlwollend. Nachdem der TSV München aber hoch gegen Paris Saint Germain verlor, erlosch das Interesse wieder. Erfolgsfans halt. Ein Erfolg bleibt bis heute jener Song, den Willy Astor, wie er nostalgisch erzählte, in Waging am See, geschrieben hat. „FC Bayern, Stern des Südens“ singen die Kinder nämlich bis heute noch gerne.

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