Kolumne über das abenteuerliche Experiment, in der Fastenzeit den Gürtel enger zu schnallen. Zwischen Bio-Eiern, Inflation und der Tücke der EC-Karte wird die Jagd nach dem Sparfuchs zur humorvollen Zerreißprobe für die ganze Familie. Ein bayerischer Blick auf Geld, Moral und die Sonne im Tank.
Über Geld spricht man nicht. Ganz besonders nicht, wenn man entweder zu wenig hat. Oder viel zu viel im Tresor liegen hat. Also könnte ich theoretisch darüber sprechen. Ich hab zwar meistens keines. Aber ich weiß, wo ich welches kriegen kann, wenn ich es brauche. Gelobt seien die Kinder, die brauchen sich darüber meistens keine Gedanken machen. “Mein Geldbeutel heißt Papa und Mama”, hat mal eine Bekannte gesagt. In meiner Kindheit reichte es, dass meine Mama sagte: “Tut mir leid, wir können heute nicht Essen gehen, ich habe nicht genug Geld dabei.” Heute folgt prompt die Retourkutsche: “Dann zahl doch mit der Karte!” Jedenfalls tut sich der Homo Sapiens - und stellvertretend für ihn auch meine Familie - sehr schwer, den Gürtel bei Bedarf einmal enger zu schnallen. Keine Sorge, uns geht's immer noch gut, weil. Aber anlässlich der Fastenzeit haben wir einmal das Experiment gewagt, mit einem bescheidenen Bargeld-Kontingent über die Runden zu kommen. Einfach, um allen Beteiligten einmal begreiflich zu machen, wie privilegiert wir sind, uns normalerweise keine Gedanken über den Butterpreis machen zu müssen. Denn, das haben wir schnell festgestellt, eine Packung Bio-Eier oder eine Packung frischen Kaffees können ein strenges Tagesbudget schnell sprengen. Türkei- Urlauber berichteten letztens, dass dort die Inflation seit Jahren so hoch ist, dass ein Teil des Geldes umgehend in Gold investiert wird. Und der Rest buchstäblich verfeiert. Weil man kein Hellseher sein muss um zu prophezeien, dass die hart verdiente Lira am Monatsende wesentlich weniger wert sein wird als am Anfang. Wir Deutsche schimpfen ja erst, wenn die Inflation, so wie jetzt, an der Tankstelle angekommen ist. Dann aber gleich so leidenschaftlich, dass man am liebsten direkt an der Zapfsäule mit Mistgabeln und Fackeln gegen die Benzinpreise demonstrieren würde. Wenn das nicht so gefährlich wäre. Wir Oberbayern sind da natürlich entspannter. Wir können ja zum Tanken nach Österreich fahren. Und mich geht das ganze ja sowieso nichts mehr an, seit ich ein Elektroauto fahre. Ja, Elektroautos sind der Teufel und Solarstrom nur eine linksgrüne Ideologie. Aber jeden Tag wenn die Sonne scheint, recke ich dankend die Hände in die Höhe und kann mein Glück kaum fassen, in der eigenen Garage tanken zu können. Dann freue ich mich so sehr, dass ich die Familie ins vollgetankte E-Auto packe und zum Essen einlade. Scheiß auf Sparen und strenges Bargeld-Budget! Solange noch Geld aus der EC-Karte rauskommt, muss man feiern als gäbe es kein Morgen. Oder als wäre man in der Türkei.
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