Walfisch, Weißbier und Weltpolitik

Uns gehts doch gut. Eigentlich. Wenn Wirtshausroas oder Georgiritt oder Lindlsonntag stattfindet, kommt der ganze Landkreis in die Stadt. Und es wird gefeiert, gelacht und eingekauft. Eigentlich alles wie immer. Quasi Alltag. Aber da sind diese ganz feinen Risse. 

Einige der Tracht tragenden haben das Auto dahoam stehen gelassen. Klar, das kann auch am Konsum bayerischer Kulturgüter liegen. Aber die urige Gemütlichkeit die man sich ansonsten vom aufblühenden Frühling erhofft, mag sich nicht so recht einstellen. In den Gesprächen wird auf einmal über Weltgegenden wie der “Straße von Hormus” diskutiert. Inzwischen wissen wir, dass diese keine Fahrrad- oder Spielstraße ist, wenn auch derzeit verkehrsberuhigt, sondern quasi eine Meerenge. Es ist aber auch nicht die Meerenge, in der der Wal steckengeblieben ist, von dem alle reden. Und obwohl auch sie sehr weit entfernt vom bayerischen Meer ist, spüren wir schleichend, dass dort unten etwas nicht in Ordnung ist. Irgendwie hatten wir doch gedacht, dass es jetzt langsam wieder bergauf gehen müsste. Das wurde uns doch vor gar nicht allzu langer Zeit im Merz-Wahlkampf versprochen. Nein, nicht beim Walkampf vor der Insel Poel. Auch nicht im März sondern vom Merz, unserem Bundeskanzler. Er versprach, dass nun alles besser wird. Der Wirtschaftsmotor würde nun anspringen, eigentlich. Tatsächlich richten sich unsere bangen Blicke auf Benzinpreise, Öllieferungen und einen Wal, den niemand retten kann. Irgendwie ironisch, dass vor der Zeit der Ölbohrungen die Menschen Wale jagten, um deren Walöl als Energiequelle zu benutzen. Darüber gibt es sogar ein bekanntes Buch. Der Wal im Buch war allerdings weiß. Und er wurde von einem Kapitän gejagt, der sein Ego über das Wohl seiner Besatzung stellte und durch unkluge Entscheidungen sein Schiff zum Sinken brachte. Haben wir ein Glück, dass das nur ein Roman ist. Und keine Metapher auf tatsächliche Geschehnisse. Im echten Leben sitzen wir nämlich wieder im Biergarten. Freuen uns, dass das Wetter so schön ist. Regen uns ein bisschen darüber auf, wenn wieder irgendein Präsident irgendeine Zivilisation auslöschen möchte. Und stoßen darauf an, dass diese nicht wir sind. Weil unsere Kultur mag schließlich jeder. Egal ob der Amerikaner, oder der Chinese. Aber irgendwie merken wir dann, dass das Bier nicht mehr ganz so gut schmeckt wie noch vor Kurzem. Wenigstens kommt keiner in die Versuchung, nach zwei Maß noch Auto zu fahren, wie Beckstein es einst noch für möglich hielt. Das kann sich heutzutage wirklich keiner mehr leisten.

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