Es gibt Sportarten, bei denen ich mich für einigermaßen talentiert halte. Laufen gehört, so viel sei verraten, eher nicht dazu. Trotzdem habe ich mich heuer zum ersten Mal auf einen Firmenlauf eingelassen – mit meinen Kollegen, ein paar Tausend anderen Freizeitsportlern und deutlich mehr Ehrgeiz, als mir guttut. Wie das für einen Familienvater ausgeht, der eigentlich schon mit der Organisation drumherum vollauf beschäftigt ist, lest Ihr in meiner neuen Kolumne aus „Mein Alltag in Weißblau“:
Es soll ja nicht wenige Menschen geben, die froh und dankbar sind, wenn sie nach Dienstschluss auch eine Pause von ihren Arbeitskollegen machen dürfen. Umso schöner ist es, dass bei den jährlichen Firmenläufen in der Region mehrere Tausend Freizeitsportler zusammenkommen, um mit ihren Kollegen gemeinsam ein paar Kilometer Strecke zu machen.
Diesmal war ich ein erstes Mal auch mit dabei. Größte Herausforderung war zunächst die Organisation. Wegen Starkregens wurde der Lauf um eine Woche verschoben. Was Pech war, weil meine Frau am selben Tag und zeitgleich in einem anderen Landkreis Firmenlauf hatte. Glück im Unglück, dass sie wegen eines Muskelfaserrisses absagen musste. Dennoch mussten wir die Fahrten der Kinder ins Fußballtraining organisieren. Das erledigte ich schnell nebenbei.
Trotz eines Infekts, der mich kurz davor ereilt hatte, stand ich schließlich hochmotiviert neben meinen Arbeitskollegen am Massenstart. Und lernte, dass ein „Lauf“ auch eher im Gehen beginnen kann. Und es eine Weile dauert, bis sich das Feld der unterschiedlich schnell laufenden Teilnehmer auseinanderzieht. Und ich lernte noch viel mehr: Wenn der Lauf-erfahrene Kollege sagt, man solle sich einen Doppelknoten in die Laufschuhe machen, dann ist das nicht die blödeste Idee. Ich verzichtete dennoch darauf. Und noch vor Kilometer eins lief ich mit offenen Schuhbändern.
Mein Laufplan war, ganz entspannt zu beginnen, ab der Hälfte schneller zu werden und den letzten Kilometer Vollgas zu geben. Tatsächlich wurde ich in der ersten Hälfte immer schneller, versuchte in der zweiten das Tempo zu halten und brach im letzten Kilometer ein. Warum? Bei der letzten Wasserstation bildete ich mir ein, nun doch noch die offenen Schnürsenkel zu binden. Das war schlau. Und weil ich schon mal da war, schüttete ich einen halben Becher Wasser in mich hinein. Das war bescheuert. Und den Rest über mich drüber. Was hat mich da geritten? Mit schwerem Bauch und noch schwererem Laufshirt kämpfte ich mich den letzten Kilometer Richtung Ziel. Und wurde noch von dem einen und anderen Lauflegastheniker überholt.
Egal. Ich hatte es geschafft. Meine Zeit war dennoch okay und als Team wurden wir sogar für den siebten Platz geehrt. Voller Euphorie und Endorphine rief ich daheim an, um der Familie den Triumph mitzuteilen. „Du hast mich vergessen!“, meldete sich mein Sohn kühl. Was? Meine Fußballfahrt-Organisation war ähnlich schlecht wie mein Schlussspurt und mein Kind hätte um ein Haar ebenfalls sechs Kilometer weit nach Hause laufen müssen. Aus Fehlern lernt man. Ich habe an diesem Tag viel gelernt. Auch Familienalltag ist kein Sprint. Sonst geht am Ende die Puste aus.
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