Fußball ist (fast) unser Leben

Meine Frau hat es nicht leicht mit drei Männern in einem Haushalt. Sicher, auch drei Männer haben es heutzutage nicht mehr so leicht. Männer an sich standen schon einmal besser da. Aber bevor ich jetzt völlig verpeilt in eine der aktuellen Debatten abbiege, die ich als Mann sowieso weder gewinnen kann noch führen sollte, hier das Schlagwort, das meine Frau noch mehr zum Rasen bringt: Fußball! 

Kein Thema beherrscht unsere Tischgespräche so sehr wie die Leistungen der Fußballmannschaften unserer Herzen vom FC Bayern über den SV Surberg bis zum SV Kirchanschöring. Während die Kinder gefühlt sämtliche aktuellen Spieler-Statistiken bis runter in die zweite kanadische Frauenliga auswendig können, bin ich aus Recherchegründen bei den Bayern der Siebziger und Achtziger hängengeblieben. Wenn dann über Beckenbauer, Gwinn und Musiala diskutiert wird, verstummt meine Frau zusehends. Bis sie auf den Tisch haut und den Kindern androht, sollten sie nicht sofort das Thema wechseln, alle Anwesenden künftig ins Ballettraining zu schicken. Ich selber habe mich die letzten Jahre ja gerne als Freund der Kultur und Literatur gelesen. Wer uns beim Vater-Sohn Ausflug in die Allianz-Arena gegen Real Madrid erlebt hat, wird aber daran zweifeln, dass einst am Esstisch auch über Camus’ Existentialismus in “Der Fremde” diskutiert wurde. Zwei Wochen war ich heiser, weil ich Olise so angefeuert hatte. Mein Kind jubelte nach dem Spiel, dass er vier Bierduschen abbekommen hatte. “Und es war so geil!” Ich versprach meiner Frau, dass die spontan auftretenden lautstarken Fangesänge der Kinder beim Spülmaschineneinräumen oder Vokabeln lernen im Laufe der Zeit wieder nachlassen würden. Stattdessen immer wieder Jubelschreie aus dem Kinderzimmer wenn die Bayern mal wieder einen Rückstand in einen Sieg verwandelt haben. Seit der Geburt meiner Kinder war mir klar, dass Fußball nicht das Wichtigste auf der Welt ist. Aber beide Kinder sind inzwischen groß und begeisterungsfähig genug, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Und ja, gemeinsam mit den Kindern in der Kurve zu stehen und einen großen Sieg unseres Teams zu feiern, das ist schon ein Herzenserlebnis das ich jedem Papa wünsche. Und natürlich jeder Mama. Wobei ich zumindest bei uns daheim ahne, dass das schwierig werden könnte. Aber auch diese Fußballsaison ist ja bald vorbei. Und dann… Ups, dann geht die Weltmeisterschaft los. Also wird wohl doch zwangsläufig einer von uns ins Balletttraining müssen. 

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