Die Nekropole von Baratti ist kein gewöhnlicher Museumsbesuch. Hier watschelt man in der Hocke durch jahrtausendealte Fürstengräber, wandert auf einem mystischen Waldpfad an Höhlengräbern entlang, die direkt aus dem Fels gehauen wurden — und steht plötzlich an einem Aussichtspunkt mit Blick auf das türkisblaue Meer. Wir berichten, warum die Via delle Cave unser absolutes Highlight war, weshalb man den Eisenweg getrost weglassen kann, und was man beim Besuch unbedingt früh morgens erledigen sollte.
Der Besuch von Populonia - Teil 2
Am zweiten Tag kehrten wir zurück nach Baratti, um die Nekropole zu besichtigen. Und gleich vorweg: Die Nekropole ist wesentlich weitläufiger als die Akropolis und man braucht hier noch mehr Zeit. Was wir in der Akropolis und Populonia Alta erlebt haben, könnt Ihr hier nachlesen.
Parkplatz und Anfahrt zur Nekropole Baratti
In der Bucht von Baratti geht es irgendwann links zum Besucherparkplatz des archäologischen Parks. Man muss etwas aufpassen, da man ansonsten beim kostenpflichtigen Badeparkplatz landet. Das Parkticket vom Archäologieparkplatz kann am Besucherzentrum gratis entwertet werden.
Überblick: Zwei Wanderungen, ein Ristorante, viel Zeit einplanen
Auch gibt es hier ein weiteres Besucherzentrum, ein nettes Ristorante mit Kiosk und etwas weiter oben, für die vielen Schulklassen, die hierher kommen, einen Ort für Museumspädagogik. Dort wird etruskisch getöpfert und gebastelt.
Die weitläufige Nekropole ist in zwei Wanderungen aufgeteilt: die Höhlengräber und ein Eisenweg. Wir wollten beide machen – und zeitlich sind beide Wanderungen auch drin. Wobei die erste wesentlich interessanter war und wir uns bei der zweiten mehr mit der lädierten Wade beschäftigten als mit den spärlichen archäologischen Stätten. Wer also, so wie wir, fußkrank ist, der sollte entweder lieber daheim bleiben oder sich auf den Weg „Via delle Cave" konzentrieren. Der ist wirklich fantastisch.
Tumuli der Nekropole San Cerbone: Fürstengräber im Freien
Doch zunächst wollten wir den Fehler vom Vortag nicht wiederholen und schauten uns die riesigen Rundgräber rund um das Besucherzentrum an. Denn auch hier sind einige der archäologischen Höhepunkte eintrittsfrei von der Straße aus zu bestaunen. Das Gräberfeld ist allerdings baumlos und es kann hier zu späterer Stunde extrem heiß werden.
Wir hatten darüber hinaus das Glück, dass gerade eine öffentliche Führung stattfand und der Eingang zum großen Rundgrab aufgesperrt wurde. Wir durften in der Hocke einen kleinen Gang entlangwatscheln und standen schließlich im Inneren des geräumigen Grabes.
Die Tumuli: Hügelgräber der etruskischen Fürsten
Die sogenannten Tumuli waren die Hügelgräber der Fürsten. Sie stammen aus dem 7. Jahrhundert vor Christus. Es war ein besonderes Erlebnis, in eines dieser Gräber hineinschauen zu dürfen.
Außen herum gibt es noch mehrere kleinere Gräber und Sarkophage – alles sehr gut beschriftet. Zudem kann man sich die Geschichte dazu über einen Audioguide fürs Smartphone nachhören.
Via delle Cave: Die Wanderung zu den Höhlengräbern Populonia
Nun begannen wir die Wanderung. Zunächst ging es entlang einer Blumenwiese auf freiem Feld zum Zentrum für experimentelle Archäologie. Im Wald geht es zwar steiler bergauf, aber es wird auch schattiger. Wieder wanderten wir durch Kork- und Steineichen durch den mediterranen Wald.
Abenteuerwanderung für Kinder: Gräber und Felsgänge am Wegrand
Für die Kinder war es eine tolle Abenteuerwanderung, da es überall entlang des Weges kleinere Gräber und Felsgänge zu entdecken gab.
Das Belvedere: Aussichtspunkt mit Blick auf die Höhlengräber
Erster Höhepunkt ist das Belvedere, ein Aussichtspunkt. Hier hat man nicht nur eine Aussicht auf das Meer, sondern auch auf die Ausgrabungsstätte und die Höhlengräber darunter.
Die Necropoli delle Grotte: Geheimnisvolle Gräber im Fels
Die Höhlengräber waren leider nicht begehbar. Auf der einen Seite gab es einen alten Steinbruch zu besichtigen, auf der anderen die Höhlengräber. Der Steinbruch wurde auf mysteriöse Art und Weise von einem Tag auf den anderen stillgelegt. Man sieht noch genau, wie die Steinquader aus dem Felsen gehauen wurden. Warum man die Arbeit einstellte, ist bis heute nicht herausgefunden worden.
Rückweg entlang der Höhlengräber: Mystisch und unvergesslich
Den restlichen Rückweg wanderte man entlang der unzähligen Höhlengräber. In einige kann man hineinschauen, andere sind verschüttet. Auf, über und neben ihnen wachsen die Eichen. Es ist eine geheimnisvoll mystische Wanderung und die Kinder sind begeistert auf Entdeckungsreise gegangen.
Der Eisenweg: Nur für Ausdauernde empfohlen
Leider waren wir nach dem ersten Teil bereits recht fußkrank und hätten besser auf direktem Weg zurück zum Besucherzentrum gehen sollen.
Da wir hofften, dass der Weg so spektakulär weitergeht, haben wir die Eisenrunde auch noch gemacht. Laut Lageplan führt der Weg vorbei an den alten Industriestätten, wo das Eisenerz verhüttet wurde. Viel gesehen haben wir davon nicht. Der Weg wird noch einmal recht steil, was mit einem kaputten Bein nicht leicht zu bewältigen ist. Ganz oben gibt es noch einmal ein schönes Rundgrab. Am Ende der Tour gäbe es noch einige Ruinen auf einer freien Wiese – aber dafür hatten wir am Ende schon keinen Blick mehr.
Belohnung nach der Tour: Toskanische Küche im Ristorante
Wir freuten uns nun auf das Ristorante und ließen uns als Belohnung nach der Tour im Ristorante I Tretruschi direkt daneben mit toskanischen Spezialitäten verwöhnen.
Fazit: Lohnt sich die Nekropole Baratti mit Kindern?
Was wir beim nächsten Mal anders machen würden
Gute Schuhe, viel Wasser und Sonnencreme sind Pflicht. Wer fußkrank ist, sollte sich auf die Via delle Cave konzentrieren und den Eisenweg weglassen. Das Gräberfeld der Tumuli unbedingt früh morgens besuchen – es ist baumlos und wird mittags sehr heiß.
Unser Gesamturteil zur Nekropole Baratti
Wer sich darauf einlässt, bekommt etwas sehr Seltenes: eine Totenstadt, in der drei Jahrtausende Geschichte im Fels stecken, eingebettet in toskanischen Wald mit dem Meer immer im Blick. Die Via delle Cave ist unser absolutes Highlight – und die Kinder waren begeistert.
Wir kommen wieder.
FAQ
Häufige Fragen zur Nekropole Baratti & Via delle Cave
+ Was ist die Nekropole Baratti?
Die Nekropole Baratti ist das weitläufige etruskische Gräberfeld im Golf von Baratti bei Populonia. Sie umfasst zwei Bereiche: die Nekropole San Cerbone mit monumentalen Hügelgräbern (Tumuli) aus dem 7.–6. Jahrhundert v. Chr. sowie die Necropoli delle Grotte mit Höhlengräbern aus dem 4.–2. Jahrhundert v. Chr., die über die Via delle Cave erreichbar sind.
+ Was sind die Tumuli der Nekropole San Cerbone?
Die Tumuli sind die monumentalen Hügelgräber der etruskischen Fürstenklasse aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. Das beeindruckendste Exemplar ist die Tomba dei Carri (Grab der Streitwagen) mit 28 Metern Durchmesser. Im Inneren läuft heute eine Klanginstallation mit einer Passage aus der Odyssee. Einige Tumuli sind eintrittsfrei von der Straße aus zu besichtigen.
+ Was ist die Via delle Cave und wie lang ist die Wanderung?
Die Via delle Cave ist ein etruskischer Hohlweg, der heute als Wanderpfad durch den mediterranen Wald zur Necropoli delle Grotte führt. Die Route ist etwa 4,4 km lang und dauert rund 1,5 bis 2 Stunden — mit Kindern eher 2,5 Stunden. Highlights: das Zentrum für experimentelle Archäologie, der Aussichtspunkt Belvedere und die Höhlengräber.
+ Sind die Höhlengräber begehbar?
Die Höhlengräber der Necropoli delle Grotte sind von außen gut einsehbar, aber nicht begehbar. Man kann direkt an ihnen entlanglaufen, in einige hineinsehen und die Steinbruchfronten mit den sichtbaren Werkzeugspuren der etruskischen Arbeiter bestaunen.
+ Lohnt sich der Eisenweg in der Nekropole?
Der Eisenweg (Via del Ferro) ist deutlich anspruchsvoller als die Via delle Cave — steiler, länger und archäologisch weniger spektakulär. Wer fußkrank ist oder Kinder dabei hat, lässt den Eisenweg lieber aus und konzentriert sich auf die Via delle Cave.
+ Wo parkt man für die Nekropole Baratti?
In der Bucht von Baratti gibt es zwei Parkplätze nebeneinander: einen kostenpflichtigen Badeparkplatz und den Archäologieparkplatz. Unbedingt auf den richtigen achten! Das Ticket des Archäologieparkplatzes kann am Besucherzentrum gratis entwertet werden.
+ Ist die Nekropole Baratti mit Kindern geeignet?
Ja — besonders die Via delle Cave ist für Kinder ein echtes Abenteuer. Überall am Wegrand gibt es Gräber, Felsgänge und in den Stein gehauene Treppen zu entdecken. Es gibt auch ein Zentrum für experimentelle Archäologie, wo Kinder etruskisch töpfern können. Das baumlose Gräberfeld der Tumuli wird mittags sehr heiß — dort früh starten.
+ Gibt es ein Restaurant bei der Nekropole Baratti?
Ja — direkt beim Besucherzentrum der Nekropole gibt es ein nettes Ristorante mit Kiosk. Nach der Wanderung durch Wald und Gräber eine sehr willkommene Belohnung mit toskanischen Spezialitäten. Aus eigener Erfahrung empfohlen.
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