Familienurlaub mit Kindern in Caorle - Reloaded

Urlaub in Caorle, in derselben Unterkunft Jahr für Jahr. Über Familien, die seit 33 Jahren stets an den gleichen Strand fahren, habe ich früher immer geschmunzelt. Jetzt sind auch wir auf einem guten Weg. Wieder in Caorle. Wieder in der Ferienanlage Lido di Altanea. Diesmal gleich mit mehreren Familien und insgesamt fünf Jungs zwischen drei und sieben Jahren. Ob das gutgegangen ist? Wie es war, wer bei der Minidisco getanzt hat und die Antwort auf die große Frage "Papa, kriegen wir ein Eis?", verrate ich euch jetzt.

Im Winter hatten wir in weinseliger Runde die Schnapsidee, uns doch alle "zufällig"  in dieselbe Anlage einzumieten, wenn wir doch sowieso alle an Pfingsten nach Caorle fahren. Gesagt, getan.

Die Ferienanlage Lido di Altanea schien uns für den Familienurlaub perfekt. Die Ferienhäuser sind um einen riesigen Pool herum angelegt, die Wege sind kurz. Und das Meer ist auch nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Es gibt gute Pizzen, einen Supermarkt in der Nähe und auch ein gutgelauntes Animationsteam.

Einzig der Check-in verlief holprig. Da gefühlt alle Familien gleichzeitig anreisten, mussten Nummern gezogen werden. "Wie beim Arbeitsamt", schimpften die einen. Ich fühlte mich als Beamter der Arbeitsagentur gleich heimisch. Ich nickte ein. (Hätte meine Frau behauptet, die Beamtenwitze über alles liebt!)

Während die Kinder mit den Papas bereits im Pool tobten, warteten die Mamas vor dem Büro der Lampo Group, bis die Anzeigetafel die richtige Nummer aufzeigte. Die Nummern bewegten sich allerdings irgendwann nicht mehr. Vermutlich weil die Mitarbeiter Mittagspause machten. "Wie beim Arbeitsamt!", schimpfte wieder jemand. Kurz bevor die ersten ausflippten, bekamen unsere Mamas jedoch Aperol Sprizz in die Hand gesteckt. Situation gerettet. Zwei Getränke später kamen sie endlich ran.

Unser Appartement bestand aus zwei Zimmern auf zwei Etagen. Da es uns gelang, dass die Kinder freiwillig unten auf der Ausziehcouch schliefen und dies auch tatsächlich taten, hatten wir die ganze Woche ein komplettes Schlafzimmer für uns Eltern allein. Denn um Nachts die schmale Treppe nach oben zu schleichen, dazu waren die Kinder zu unserem großen Glück dann doch zu faul. 

Abends entdeckten wir den kleinen Rummelplatz hinter der Galleria la Quercia, die uns beim letzten Urlaub mit Oma und Opa völlig verborgen geblieben war. Eigentlich ideal: In der Mitte ein wunderschönes riesiges Karussell. Daneben das gemütliche Ristorane La Baia, in dem die Eltern in Ruhe speisen konnten, während die Kinder über den Platz tobten. Einziger Wermutstropfen war, dass wir die Kinder eine Weile nicht mehr sahen. Eine lange Weile. Als wir nachschauten, wo die Jungs abgeblieben waren, fanden wir sie in der gegenüber liegenden Spielhölle wieder. Mein Kleiner zielte mit viereckigen Augen und einer Videospiel-Pistole in der Hand auf Pixelzombies. Der andere stand sehnsüchtig vor einem Greif-Arm Automaten und fragte, ob ich ihm den großen Plüsch-Tiger herausholen könnte. Die restlichen Kinder sprangen aufgeregt von Automat zu Automat und schauten den großen Kindern zu, wie sie Videospiele zockten. „OH – MEIN – GOTT!“

Auf den Schreck hin genehmigten wir uns erstmal eine zweite Flasche Wein. Irgendwann nahm der Abend eine ganz eigene Dynamik an und während die Kinder aufgeregt zwischen Ristorante – wo sie lustlos in eine Salamipizza bissen – und Spielhölle hin und her rannten, gab es klassische Urlaubs-Dialoge, die man als Eltern eigentlich lieber vermeiden möchte wie: „Papa, krieg ich bitte nochmal zehn Euro für die Spielautomaten?“

Die Tage verliefen meist nach einem ähnlichen Rhythmus: Baden am Pool. Oder Baden im Meer. Abends Ristorante und Mindidisco. Dazwischen alle fünfzehn Minuten die Frage: „Krieg ich ein Eis? Krieg ich ein Ahais?“ ab und an variiert durch ein „Krieg ich ein Lemon Soda?“

Dass die Anlage Altanea sehr kinderfreundlich ist, konnte man anhand der Pool-Regeln erkennen: Obwohl die Benutzung von aufblasbaren Schwimmutensilien verboten war, war der gesamte Pool bis an den Rand gefüllt mit aufblasbaren Einhörnern, Krokodilen und anderen Luftmatratzen.

Eines Vormittags rannte der Bademeister allerdings aufgeregt von Familie zu Familie. Er erklärte, dass heute eine Kontrolle (!!!) sei und auf gar keinen Fall auch nur winzige aufblasbare Schwimmreifen den Beckenrand zum Pool überschreiten durften.

Den Kontrolleuren bot sich nun also folgendes Bild: Kein einziges Aufblastier im Pool. Dafür Dutzende rings herum. Vermutlich haben sie zufrieden genickt und im Prüfbogen einen Haken gesetzt. Am Nachmittag war der Spuk vorüber und alle lagen wieder auf ihren Luftmatratzen und Schwimm-Einhörnern, als sei nichts gewesen.

Die frische Luft am Meer tat uns Eltern so gut, dass wir eines Nachmittags völlig übermüdet kurz einnickten.

Als wir wieder aufwachten, waren wir zunächst hocherfreut über unsere Kinder, dass sie so brav alleine im Sand gespielt hatten. Als wir Abends jedoch zusammenpackten, merkten wir, dass Leonard mit nur einem Schuh am Fuß zurück humpeln wollte.

„Wo ist denn der andere?“

„Den haben wir vergraben!“, erklärten die beiden stolz.

Vier Tage lang haben wir den halben Strand umgegraben, um die niegelnagelneue Sandale wiederzufinden. Dann lag die Sandale wie durch ein Wunder auf unserer Liege. Die Nachbarn hatten die Sandale zufällig entdeckt.

Am Meer gab es oft den Moment an dem die Eltern der ewigen „Krieg ich ein Eis?“ – Fragerei nachgaben und genervt „Ja!“ grummelten. Im nächsten Moment saßen die Kinder auf der Deich-Mauer und riefen begeistert: „Der Eiswagen ist schon fast da!“ Als ich nachschaute, war der Eiswagen noch ungefähr zwei Kilometer weit weg. Die Kinder warteten trotzdem.

Das Meer ist übrigens an sich eine super Erfindung. Eine Mischung aus Wellenbad und riesigem Sandkasten. Blöderweise war der Sand am Nachmittag so heiß, dass er für Kinderfüße nahezu unpassierbar wurde. Und die Wellen hatten zur Folge, dass unser Kleiner immer wieder prustend schrie: „Papa, ich hab schon wieder Zuckerwasser verschluckt!“ Also votierten die Kinder meistens, an den Pool zu gehen.

 Dort konnten auch die Eltern den Urlaub genießen. Schließlich gab es im Pool-Ristorante – Zitat Bastian – „Alkohol Sprizz“ zu erwerben.

Die besten bayerischen Sparwitze des schwarzen Humors:

Abends forderten die Kinder immer wieder ein, dass ihnen die Papas Witze erzählten. Ganz hoch im Kurs waren dieses Jahr Witze dieser Art:

Haserl liegt im Gras ganz stad – Kopf abg’mahd.  

Bauer lacht: Extra g’macht!

Kalt is worden – Oachkatzerl am Baam eing’froren.

Auftaut – Obeg’haut

 

Auch dieser Erstklassler-Klassiker wurde wieder aufgewärmt:

Bei der Einweihung des neuen Schwimmbades wird auch das neue Becken vorgestellt: Wenn man hineinspringt, kann man sich eine Flüssigkeit wünschen – und sofort füllt sich das Becken damit. Als erstes springt der bayerische Bürgermeister. Er wippt einmal am Sprungbrett, springt ab und ruft „Bier!“ Im nächsten Moment landet er im mit Bier gefüllten Becken.

Als nächstes ist der Bürgermeister der französischen Partnerstadt dran. Er wippt, springt ab und ruft: „Champagner!“ Schon schwimmt er eine Runde im Champagner.

 

Nun kommt der Bürgermeister der österreichischen Nachbarstadt dran. Er klettert auf den Dreimeter-Turm. Nimmt Anlauf, wippt einmal auf dem Sprungbrett – rutscht aus und schreit: „Scheiße!“

Ein Witz, der meine Kinder lange, lange beschäftigt hat. Am Ende des Urlaubs hielt es mein Kleiner nicht mehr aus und er fragte: „Papa, was wollte sich der Österreicher eigentlich wünschen?“

Ein Highlight am Vormittag war die Minidisco im Wasser. Vielleicht nicht unbedingt für die Kinder. Aber die Mama ging jeden Tag hochmotiviert ab, wenn aus den Lautsprechern „Baby Shark“ oder „My heart goes boom boom boom“ erklang. Und an einem Vormittag tanzten sogar mehr Erwachsene als Kinder zu den Songs der Minidisco. Lag sicher nicht am Alkohol Sprizz.

Während die Kinder und die Erwachsenen die Choreographien nachtanzten, stand unser eines Kind meistens mit verschränkten Armen und streng drein blickend am Beckenrand. Wenigstens Loni ließ sich von der Mama anstecken und machte ein bisschen mit.

Auch am Abend bot sich das gleiche Bild. Während hundert Kinder brav die Choreographien mitmachten, schauten meine Kinder mit offenem Mund staunend zu.

Die Tage vergingen wie im Flug. Der ganze Urlaub war völlig überraschend total entspannt und harmonisch - zum Leidwesen dieses Elterntagebuches, das somit in Sachen Alltagskatastrophen relativ kurz ausfällt. Dafür stehen die Chancen hervorragend, dass der Urlaub auch nächstes Jahr wiederholt wird. (siehe meine Anfangsbemerkung...)

So schön der Urlaub war, so schnell war er schon wieder vorbei. Da die Stau-Prognosen für Samstag leider deprimierend waren, fiel kurzerhand der Beschluss, schon am Freitababend zu fahren. Ein wenig nervös war ich, wie die End-Kontrolle der Zimmer verlaufen würde. Schließlich hatte ich 100 Euro Kaution bezahlt. Es waren zwar - anders als bei den Nachbarn - keine Gläser in tausend Kristalle zersprungen, dafür hatten die Kinder derart gebröselt, dass sich eine komplette Ameisenstraße an unseren Essensresten gütlich tat. Die Kontrolle verlief aber relativ glimpflich. Das Fräulein schaute mir bei der Schlüsselabgabe tief in die Augen und fragte: „Alles okay?“ Ich nickte. „Good“, sagte sie und gab mir die Kaution.

 

Die Rückfahrt verlief übrigens sensationell. Die Kinder schliefen nach einer Stunde ein und ohne Stau und ohne Pause kamen wir superschnell zu Hause an. 

Schöne Grüße an alle Mit-Urlauber! Falls Ihr bis hierhin mitgelesen habt: War wirklich schön! Dann bis nächstes Jahr : )

Zum letzten Eintrag:

Mit den Kindern auf dem Festival im Grünen

Das Festival im Grünen in Kirchanschöring ist nicht nur wegen der genialen Bands Jahr für Jahr ein Highlight, sondern auch wegen seiner Familienfreundlichkeit. Als wir vor fast fünfzehn Jahren ein erstes Mal auf diesem schon damals wunderbar untypischen Festival feierten, wagten wir noch nicht mal im Traum daran zu denken, dass wir eines Tages eine der Familien sein würden, die sich in der Wiese sitzend die Musik anhörten. Diesmal war es soweit.

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