Volterra Toskana: 10 Dinge, die man unterlassen sollte

Volterra stand bei uns jahrelang nicht auf dem Reiseplan – wozu, wenn San Gimignano nur 27 Kilometer entfernt liegt? Doch wer die Toskana wirklich kennenlernen will, kommt an der etruskischen Bergstadt nicht vorbei. Also haben wir uns ins Abenteuer gestürzt: Serpentinen hoch, Parkplatz gesucht, Touristenmassen getrotzt – und dabei eine Stadt erlebt, die uns noch lange beschäftigt hat. Hier sind unsere 10 ehrlichen Tipps, was man in Volterra besser unterlassen sollte.

1. Die Anfahrt nach Volterra unterschätzen

Volterra liegt romantisch auf einem Bergrücken in 550 Metern Höhe und ist bereits von 10 Kilometer Entfernung zu sehen. Flachlandchiemgauer wie wir können bei solchen Zahlen nur müde lächeln, da unser Traunstein schon auf 591 Meter Höhe liegt. Was ich dabei völlig überschätzt habe: Unsere Unterkunft in Piombino liegt am Meer, also auf Höhe 0. Bis Volterra sind also 550 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Das ist so, als würde ich von Traunstein aus mit dem Auto auf die Staudacheralm fahren.

2. Volterra ist kein altes Mittelalterstädtchen, sondern eine moderne Kleinstadt

Ich habe mir Volterra als ein lauschiges kleines, von einer antiken Stadtmauer umgebenes Mittelalterstädtchen vorgestellt. Aber während man zunächst kilometerweit romantisch die Serpentinen entlang durch die fantastisch schönen toskanischen Felder den Berg hinauf fährt, befindet man sich auf einmal in einer normalen Stadt mit Infrastruktur und Kleinstadtverkehr. Volterra ist kein Freilichtmuseum wie Venedig, wo es kaum mehr echte Einwohner gibt. In Volterra leben über 11.300 echte Menschen, die keine Statisten für die amerikanischen Fotografen sind. Erstaunt stelle ich fest, dass Volterra so ist, als hätte man Traunstein einfach auf der Stoißeralm aufgebaut.

3. Wer in die Altstadt mit dem Auto fährt, sollte ein volles Bankkonto haben

Korrekt ist, dass Volterra eine ganz normale Stadt auf einem Berg ist. Dennoch hat Volterra den historischen Stadtkern, klar abgetrennt von der Stadtmauer. Man kann auch mit dem Auto durch eines der antiken Stadttore fahren. Man sollte das aber nicht mit deutschem Kennzeichen tun. Dann gibt es saftige Strafen. Die Innenstadt ist einzig einheimischen Autofahrern vorbehalten. Die Gassen sind ohnehin so eng, dass nur ein echter Italiener es schafft, sich ohne Dellen durch zu quetschen.

4. Wer glaubt, sofort einen Parkplatz zu finden, glaubt auch noch an das Christkind

Unsere Volterra-Parkplatzerfahrung: Gleich am ersten Parkplatz entdeckten wir eine Parklücke. Die war aber so eng, dass unser Auto zwar hineinpasste, aber niemand mehr aussteigen konnte. Nicht jeder fährt einen Fiat Uno. Der zweite Parkplatz war riesig. Aber er war Einheimischen vorbehalten. Am dritten Parkplatz war eine Lücke so prominent frei, dass wir daran zweifelten, dass man dort tatsächlich parken dürfe, sodass wir noch eine Runde drehten. Bei Runde 2 hatte uns ein Holländer den Parkplatz weggeschnappt. Wir fanden schließlich am Bahnhof einen guten, billigen Parkplatz. Es hätte übrigens auch ein Parkhaus gegeben, das wir erst später entdeckten.

5. Wer einen entspannten Toskanaurlaub sucht, sollte Volterra meiden

Nach der nervenaufreibenden Parkplatzsuche war ich längst bereit, Volterra so sehr zu hassen, wie andere Touristenfallen in die wir getappt waren wie beispielsweise Parga in Griechenland oder die Amalfiküste. Als wir vom Bahnhof aus die Treppen in die Innenstadt hinaufstiegen, war ich kurz mit Volterra versöhnt. Die Altstadt war entspannt und nur wenige Touristen flanierten durch die Gassen. Nervig waren nur die italienischen Autos, die sich immer wieder durch die enge Straße zwängten. Darunter auch ein Münchner, dem wir italienisch hinterher schimpften. Aber alles war viel entspannter als erwartet. Ich dachte nämlich kurz, dass diese Seitengasse, durch die wir Volterra erkundeten, die eigentliche Altstadt ist. Als wir schließlich doch die Haupt-Achse erreichten und die Touristenmassen sahen, die sich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit wälzten, war es mit meiner Volterra-Liebe endgültig vorbei. Anders als San Gimignano, das hauptsächlich von Italienern und Assassins Creed Fans besucht wird, traf sich hier halb Deutschland. Und nichts ist bekanntlich nerviger als deutsche Touristen (außer uns natürlich).

6. Das Foltermuseum Volterra

Seit Jahren war es ein Running Gag unter uns, dass es in Volterra ein Foltermuseum gibt. Auf der Fahrt nach San Gimignano warb die Stadt nämlich auf unzähligen Plakaten einzig für dieses ominöse Foltermuseum. Also schworen wir uns auf dem Weg nach Volterra, alles zu besichtigen. Außer das Foltermuseum.

Ich weiß, die Pointe wäre jetzt, wenn ich berichtete, wie wir mit den Kindern als erstes ins Foltermuseum gegangen sind. Aber die Wahrheit ist: Man braucht in Volterra gar nicht ins Foltermuseum gehen. Die ganze Stadt ist ein einziges Foltermuseum. Ich war erst eine Stunde dort und fühlte mich längst so gefoltert, dass ich den Besuch im Foltermuseum einzig zur Beruhigung in Erwägung zog.

7. Wer Volterra hassen will, sollte nicht ins Etruskermuseum gehen

Aus einem unerfindlichen Grund bin ich nun in einem Alter, in dem ich selbst die Etrusker interessant finde. Also war unsere erste Station in Volterra das Etruskermuseum. Eintritt für unsere gesamte Familie war 32 Euro und wir erhielten dazu die Volterra-Card. Damit hatten wir noch weitere Eintritte frei. Zumindest die Volterra-Card lohnte sich definitiv.

Das Museum ist modern eingerichtet und bietet einige Ausstellungsstücke, die zumindest mich persönlich tief bewegten. Wer sich nicht so für die alten Etrusker interessiert, der wird mit einer eindrucksvollen 360-Grad-Aussicht im 4. Stock des Museums belohnt. Hier startet die Exhibition und durch die vielen Fenster hat man einen weiten Blick auf die Toskana und die zugegebenermaßen optisch grandiose Altstadt von Volterra.

Zu sehen sind im Museum in erster Linie die vielen Urnen und Grabbeigaben, die in der Nekropole von Volterra entdeckt wurden. Darunter die „Eheleute-Urne“, die aufgrund der verstörend dargestellten Optik des Paares eine kleine Berühmtheit erlangt hat. Meine Frau und ich planen seitdem, uns eine ähnliche Urne erstellen zu lassen.

Manchmal begegnet einem ein Stück Kunst, das etwas in einem auslöst. So war ich sofort begeistert, als ich die Bronzefigur eines extrem länglich dargestellten Jungen sah. Die Skulptur wird „Ombra della Sera“ – der Schatten des Abends – genannt. Man weiß nicht, warum die Etrusker diese länglich verzerrten Figuren der Verstorbenen erstellten. Aber man kann sich vorstellen, dass es etwas mit den Schatten zu tun hat, die am Abend immer länger werden. Vielleicht symbolisieren diese länglichen Figuren den Übertritt in die Schattenwelt.

8. Den Eintritt ins Teatro Romano kann man sich sparen

Auch in Volterra haben die Römer einige bis heute sichtbare Zeugnisse aus der Kaiserzeit hinterlassen. Vor den heutigen Stadtmauern kann das erst in den 50er Jahren ausgegrabene römische Theater besichtigt werden. Allerdings kostet das Eintritt. Wir haben uns den Eintritt gegönnt, weil er in der Volterra-Card inkludiert war. Hätten wir den Eintritt bezahlt, wären wir uns vermutlich ein bisschen blöd vorgekommen. Zwar ist das Theater tatsächlich nett anzuschauen und ein gutes Insta-Motiv. Allerdings drängten sich einige Meter über uns auf der Stadtmauer die normalen Touristen, um beinahe dieselbe Sicht auf das Theater ohne Eintritt zu haben. Da es nicht erlaubt ist, das Ruinenfeld zu betreten, sondern nur einen abgesperrten Bereich rund um das Theater zu begehen, war mir der Mehrgewinn nicht ganz klar. Ein wenig beneidete ich sogar die Stadtmauer-Zaungäste, weil sie das Theater aus einer etwas höheren Perspektive betrachten konnten. Also schaute ich mir eine Weile die Dutzenden Köpfe an, die sich über die Stadtmauer reckten. Da das Gedränge dort oben recht groß war und wir im Eintritts-Bereich die einzigen Besucher waren, war ich aber nicht ganz unglücklich über unsere Entscheidung.

9. Romantisch essen gehen sollte man woanders

Punkt 12 Uhr ist Mittagszeit. So sind wir Deutschen konditioniert. Auch meine Kinder begannen ab zwölf zu jammern und lamentieren, obwohl unser Frühstück noch gar nicht so lange her war. Aber wo essen? Die gesamte Volterra-Altstadt ist ein einziges Ristorante. Angebote gab es genug. Aber wir hatten in diesem Urlaub unser Essensbudget schon nach wenigen Tagen überzogen und wollten diesmal nicht schon wieder ein kleines Vermögen für ein paar Spaghetti liegenlassen. So taumelten wir mit halb verhungerten Kindern bis halb Eins durch die Altstadt und hatten überall etwas auszusetzen. Zu teuer, zu viele Deutsche, kein Platz frei. Und dann passierte ein kleines Wunder, für das ich Volterra vielleicht doch das eine oder andere zu verzeihen bereit bin. Ausgerechnet am Postkarten-Aussichtspunkt, wie das bekannteste Volterra-Fotomotiv geschossen wird, entdeckten wir ein nettes Ristorante namens „I Ponti Volterra“ mit Preisen, die absolut in Ordnung waren. Und mit genau dieser Aussicht wegen der viele nach Volterra kommen. Und obwohl mein innerer Volterra-Hasser misstrauisch darauf wartete, unfreundlich bedient zu werden, ungenießbares Essen vorgesetzt zu bekommen und dann doch noch versteckte Kosten auf der Rechnung zu finden, war alles fantastisch. Toller Service. Sehr leckeres Essen. Glückliche Kinder. „Wo ist der Haken?“, fragte ich mich auch nachdem ich alles bezahlt hatte, noch lange. Vermutlich gab es keinen!

10. Das Schönste an Volterra ist die Heimfahrt!

Als unser Auto auch nach vier Stunden Volterra nicht ausgeraubt wurde und wir auf dem Rückweg noch einige gemütliche Seitengassen mit einladenden Bistros entdeckt hatten, war ich auf der Rückfahrt nicht mehr ganz sicher, ob ich nicht einen Fehler gemacht hatte. Hätte ich das Foltermuseum doch besichtigen sollen? Hätte ich Volterra vielleicht doch noch eine Chance geben sollen? Ich blieb kurzerhand an einem der Standstreifen in den Serpentinen stehen, um ein letztes wehmütiges Foto von Volterra zu machen. Eigentlich war es ja superschön dort. Die Kinder hatten alles gefeiert und waren nur beleidigt, weil sie kein Eis mehr gekriegt hatten. Volterra. Die tollste Stadt der Toskana. Ich würde bald wiederkommen, versprach ich mir. Und freute mich schon auf meinen nächsten Besuch in Volterra.

Häufige Fragen zu Volterra

Ist Volterra einen Tagesausflug wert?
Ja – ein halber bis ganzer Tag reicht. Mit der Volterra-Card sind Etruskermuseum, Teatro Romano und weitere Eintritte günstiger. Plant am besten 4–5 Stunden ein.
Wo parkt man am besten in Volterra?
Am einfachsten am Bahnhof unterhalb der Altstadt – günstig und mit direktem Treppenaufgang in die Innenstadt. Es gibt auch ein Parkhaus in Stadtnähe, das man aber leicht übersieht.
Darf man als Tourist mit dem Auto in die Altstadt fahren?
Nein. Die Innenstadt ist eine ZTL-Zone (Zona a Traffico Limitato). Wer mit ausländischem Kennzeichen einfährt, riskiert ein Bußgeld – oft erst Wochen später per Post.
Lohnt sich das Etruskermuseum in Volterra?
Unbedingt. Das Museo Etrusco Guarnacci gehört zu den bedeutendsten Etruskermuseen Italiens. Highlights: die Bronzefigur Ombra della Sera und die berühmte Eheleute-Urne. Die 360-Grad-Aussicht im 4. Stock lohnt sich allein schon.
Lohnt sich der Eintritt ins Teatro Romano?
Mit der Volterra-Card ja – dann ist er sowieso inklusive. Ohne Card: Von der kostenlosen Stadtmauer hat man fast dieselbe Aussicht aufs Theater.
Wo kann man in Volterra günstig essen?
Das Ristorante Panorama am Hauptaussichtspunkt hat uns positiv überrascht: faire Preise, guter Service, fantastische Aussicht. Generell gilt: Seitengassen statt Hauptachse.
Ist Volterra mit Kindern empfehlenswert?
Bedingt. Die Altstadt ist überschaubar und gut zu Fuß – aber enge Gassen mit Kinderwagen sind schwierig. Das Etruskermuseum ist ab ca. 8 Jahren interessant.
Wie weit ist Volterra von San Gimignano entfernt?
Rund 27 Kilometer – beide Städte lassen sich gut an einem Tag kombinieren. Von der Küste (z.B. Piombino) sind es jedoch deutlich mehr, mit 550 Höhenmetern Aufstieg.

Noch mehr Urlaubstipps:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0