Mit neuer Frisur zum Sankt Martin

Ein Lichtermeer zu Martins Ehr: Auch nach unserem gefühlt fünfundzwanzigsten Martinszug seitdem wir Kinder haben, hat der Brauch keinen Funken von seinem Zauber verloren. Im Gegenteil, ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wie wir die Martinszugs-freie Zeit zwischen sieben und einunddreißig seelisch ausgehalten haben. Rabimmel Rabammel Rabumm Bumbum: Um den Martinsmann dieses Jahr ganz besonders zu ehren, habe ich meine zwei tapferen Jungs zuerst zum Friseur geschickt. Und dort begann also der große Spaß dieses Wochenendes:

Seit Jahren suchen wir - völlig unpädagogisch - nach einer Strafe, einer Drohung die unserem überselbstbewussten Kleinsten zumindest den Ansatz eines Schreckens einjagt. Ich glaube, ich habe sie gefunden: "Wenn du nicht brav bist, dann..." Nein, nicht "dann holt dich der Sankt Martin", sondern: "Dann musst Du zum Haareschneiden!" 

Denn so wild und ungestüm er sich gerne benimmt, selbst der nettesten Friseurin der Welt war es gelungen, wovon wir seit Jahren träumen: Ihm Respekt einzuflößen. Zunächst betraten die beiden Brüder recht selbstbewusst den Friseursalon. Sie scherzten herum, lachten über die lustigen kecken Frisuren in den Zeitschriften: "Die sieht ja gar nichts!" Doch dann wurde es ernst: Loni wurde auf den erhöhten Thronsessel gesetzt und schon das Kämmen seines Spiegelbildes beäugte er argwöhnisch. Als dann auch noch eine Schere schnippschnapp schnippschnapp die ersten Löckchen auf den Friseurumhang purzeln ließ, begannen die Augen erstmals furchtsam zu funkeln. Spätestens als die Maschine zu Werke kam, um die Ohren frei zu rasieren, war es vorbei mit dem Übermut. "Bitte nicht!" Die supernette Friseurin brachte es nicht übers Herz, dem wimmernden Kind auch nur ein zusätzliches Härchen zu krümmen. Also kam der große Bruder dran. Kaum war der Kleine vom Stuhl runter, fetzte er zur Theke und forderte - plötzlich wieder ganz der alte - Süßigkeiten ein. Die sollte er auch bekommen. Allerdings erst, nachdem ein letzter Versuch unternommen wurde, ihm die noch überstehenden Kanten fertig zu schneiden.

Es blieb die Erkenntnis: Beim Zahnarzt: Tapfer. Beim Impfen: Tapfer. Beim Friseur: Todesängste. Kaum hatten wir den Friseursalon verlassen, fiel Loni im Auto in einen tiefen Schlaf und erwachte erst, als es bereits dämmerte:

Seit Tagen hatten sich die Jungs schon auf das Martinsfest vorbereitet. Aus voller Kehle schmetterten beide stundenlang "Ich geeh mit maina Latääärnäää..." Und sogar ein kleines Spiel hatte Bastian einstudiert: Im Keller schnappte er sich aus der Faschingskiste den Römerhelm, das Ritterschwert und den schwarzen Dracula-Umhang. Als Sankt Martin verkleidet, drosch er schließlich mit dem Plastikschwert auf den Umhang ein, aber der wollte sich einfach nicht zerteilen lassen. Enttäuscht drückte er schließlich dem Bettler (aka Papa) den ganzen Umhang in die Hand. Forderte ihn aber kurz darauf wieder zurück, weil so ein schwarzer Umhang schon sehr cool zu tragen ist!

Beim obligatorischen Martinsumzug des Kindergartens brach innerhalb kürzester Zeit die Martins-Anarchie aus. Horden "Rabimmel Rabammel Rabumm" - schreiender Kinder stapften dem zu Pferde sitzenden Sankt Martin hinterher, dazwischen die jungen Bläser der Musikkapelle und Myriaden von Eltern und Großeltern auf der Suche nach ihren ausgebüchsten Kindern. Die Surberger Feuerwehr achtete darauf, dass keine der LED-Kerzen einen Kurzschloss bekam, in Flammen aufging, ein fürchterliches Inferno war stets im Bereich des Möglichen -  und war zu jeder Zeit löschbereit. Aber man hatte Glück, keine der LED Laternen ging in Flammen auf.

Einige Kinder schwenkten stolz ihre Einhorn-Laternen und kurz kam die Frage auf, ob der Martinsmann damals vielleicht sogar auf einem Einhorn geritten kam. Es würde zumindest erklären, warum der unscheinbare Römer später heilig gesprochen wurde. Denn seien wir uns mal ehrlich: Sicher nicht, weil er seinen Second-Hand-Umhang einem Bettler geschenkt hat. Aber ein Einhorn - das muss man zugeben - das war ein WUNDER! Schade, dass von dieser Legende nichts mehr überliefert ist.

Das Fest endete in einem fröhlichen Tohuwabohu Wiener Würstel verzehrender Opas, punschtrinkender Mamas und Dutzender Kindergartenkinder, die am Spielplatz die Nacht zum Tag machten. Einige erkundigten sich noch nach der schicken Frisur der Kinder und ob die Friseurin bei Leonard eine Seite vergessen hatte fertig zu schneiden. Danke der Nachfrage!

Und als es am schönsten war und wir uns wieder auf den Heimweg machten, kam die traurige Erkenntnis: Verdammt, das war unser letztes Martinsfest in Lauter... 

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...und das passierte zuletzt im Elterntagebuch:

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Kommentare: 1
  • #1

    Verena (Montag, 13 November 2017 05:50)

    Ihr dürft uns gerne nächstes Jahr zu St. Martin besuchen!