Die schönsten Weihnachtsgeschichten sind die, die das echte Leben schreibt. Vermutlich hat jeder von uns schon ein kleines Weihnachtswunder erlebt. Oder ein ganz besonderes Weihnachtsfest, das er nie vergisst. Besonders in Zeiten, in denen nicht so viel da ist, wie man gerne hätte, zeigt sich, um was es an Weihnachten wirklich geht. Daran soll auch diese Weihnachtsgeschichte für Erwachsene und Kinder vom hässlichen Christbaum erinnern. Die Geschichte findest Du auch als pdf zum Ausdrucken ganz unten.
Die Geschichte vom hässlichen Weihnachtsbaum
Als wir noch Kinder waren, hatten unsere Eltern nicht viel Geld für einen großen Christbaum. Unsere Mama rechnete jedes Jahr zur Adventszeit genau aus, wie viel Geld wir für den Baum ausgeben konnten. Papa fuhr dann jede freie Minute mit dem Fahrrad durch die Gegend auf der Suche nach dem schönst möglichen Baum, den wir uns leisten konnten. Hatte er den perfekten Baum entdeckt, ließ er ihn vom Christbaumverkäufer reservieren. Oder er versteckte ihn so hinter den großen Christbäumen, dass er noch da war, wenn wir mit der gesamten Familie am Abend im Auto wiederkamen, um den Christbaum zu kaufen.
Das klappte Jahr für Jahr und wurde zu einer schönen Weihnachtstradition. Unser Christbaum war immer klein. Meist so klein, dass wir ihn auf einen mit einem Tuch geschmückten Schemel stellten. Aber er war auch immer schön. Voll dichter Nadeln, herrlich nach Wald duftend und liebevoll von uns geschmückt.
Ausgerechnet in dem Jahr, in dem unsere Eltern mit einer Lohnkürzung zu kämpfen hatten, waren auch die Christbaumpreise enorm gestiegen. Unser Papa schaute ungläubig die Zahl an, die Mama für das Christbaum-Budget ausgerechnet hatte.
“Für dieses Geld werden wir heuer keinen schönen Christbaum kriegen”, befürchtete er.
“Was sollen wir machen? Sollen wir an den Geschenken für die Kinder sparen?”, fragte unsere Mutter leise in der Hoffnung, dass wir den Streit nicht belauschten.
“Ich könnte mich in den Wald schleichen und heimlich einen schlagen”, schlug unser Vater vor.
“Das machst du nicht. Weißt du noch, als sie dich damals, als wir noch jung waren, erwischt haben? Heute gibt es saftige Geldstrafen dafür!”
“Na gut. Dann gehe ich wieder auf die Suche nach einem schönen Christbaum.”
Wochenlang fuhr unser Papa durch die Gegend auf der Suche nach einem preiswerten Baum. Aber jeder halbwegs akzeptable Christbaum kostete mehr als wir uns leisten konnte. Heiligabend rückte immer näher und wir hatten immer noch keinen Baum.
Als mein Papa am 23. Dezember immer noch keinen Baum hatte, fuhr er vor lauter Verzweiflung mit dem Rad weiter als er im Winter je gefahren war, bis in die große Stadt zu einem großen Christbaumverkauf. Dort waren die Preise etwas günstiger. Aber es waren nur noch wenige Bäume da und die übrig gebliebenen waren auch nur halb so schön wie zu Hause. Unser Papa gab nicht auf und prüfte bei jedem halbwegs schönen Baum den Preis. Es wurde immer später und er wusste, dass er ja wieder mit dem Rad nach Hause fahren und mit uns im Auto zurückkehren musste. Damals war der 23.12. der letzte Tag, an dem man noch Christbäume kaufen konnte.
Er entschied sich also für einen halbwegs akzeptablen Baum - er war nicht schön, aber auch nicht hässlich - der nur ein wenig mehr Geld kostete als wir hatten. Wie immer nahm er den kleinen Baum und versteckte ihn in einer Gruppe größerer Bäume. So schnell er konnte fuhr er mit dem Rad in Richtung Zuhause.
Auf halbem Weg wechselte das Wetter. Ein Schneesturm kam auf. Es wurde immer schwieriger für unseren Papa zu fahren. Wie durch ein Wunder kam er kurz nach Einbruch der Dunkelheit doch noch zu Hause an. Wir hatten noch eine Stunde Zeit bis die Läden schlossen. Wir fuhren so schnell wir konnten Richtung Stadt. Aber der Schnee lag immer höher und die Straßen wurden damals kaum geräumt.
Wir kamen Punkt 18 Uhr an und rannten so schnell wir konnten zum Christbaumverkauf. Der Besitzer war gerade dabei, das Tor zu schließen. Wir redeten aufgeregt auf ihn ein, dass wir schon einen Baum ausgesucht hätten und wir ihn nur noch bezahlen müssten. Der Christbaumverkäufer sagte, er sei müde nach den anstrengenden Wochen und freue sich einfach auf Weihnachten und wolle nach Hause.
“Eben! Es ist Weihnachten! Bitte, bitte!”, flehten wir Kinder.
“Meinetwegen”, seufzte der Verkäufer.
Unser Papa eilte schnurstracks zu den großen Bäumen, wo er unseren kleinen versteckt hatte. Aber die Bäume waren weg. Es standen auf dem ganzen Gelände nur noch ein paar vereinzelte, sehr mickrige Bäumchen herum.
“Die letzte Stunde haben die Menschen noch wie wild Christbäume gekauft”, brummte der Verkäufer. “Das ist alles, was noch übrig ist.”
Alle Bäume waren nicht nur hässlich, sondern auch groß und teuer. Wir stapften traurig und resigniert über das Gelände.
“Da! Da ist noch ein kleiner!”, rief unsere Schwester.
Es war tatsächlich der einzige kleine Christbaum der noch übrig war. Er nadelte bereits stark, sah eher aus wie ein Christbaum, der sich kurz entkleidet hatte, um vor dem Fest noch zu duschen. Es war der hässlichste Tannenbaum den wir je gesehen hatten.
“Was kostet der denn?”, fragte mein Papa kleinlaut.
“Wissen sie was? Der wird morgen sowieso ins Hackschnitzelwerk gebracht. Ich schenk ihn ihnen. Es ist ja Weihnachten.”
“Ehrlich?”, riefen wir Kinder begeistert. “Danke! Danke!”
So retteten wir den kleinen hässlichen Christbaum vor dem Hackschnitzelwerk und fuhren ihn nach Hause. Am nächsten Morgen schmückten wir gemeinsam den hässlichen Christbaum. Wir Kinder gaben uns besonders viel Mühe, ihn mit den schönsten Kugeln und viel Lametta zu verschönern.
Nachdem es am Abend dunkel geworden war, saßen wir aufgeregt in der Küche und warteten auf das Klingeln des Glöckchens. Sofort stürmten wir in das Wohnzimmer. Und staunten nicht schlecht. Der hässliche Weihnachtsbaum leuchtete hell und stolz. So mager er auch war, die Christbaumkugeln und die vielen Süßigkeiten die an seinen dürren Ästchen hingen, machten ihn nicht recht viel schöner. Aber sein Anblick erfüllte uns mit einer großen Rührung und der Gedanke, dass er beinahe zerhäckselt im Hackschnitzelwerk verbrannt wäre, trieb uns Tränen in die Augen.
Und das beste war, dass unter dem Christbaum für jedes Kind von uns nicht nur ein Geschenk lag. Sondern noch ein zweites.
Das Christkind hatte anscheinend noch Geld übrig gehabt, um uns kurzfristig noch ein weiteres Geschenk zu besorgen. Und so wurde unser Weihnachten mit dem hässlichen Christbaum zu einem unserer allerschönsten Weihnachtsfeste.
Ende
Hier noch eine Christbaum-Geschichte über Weihnachten in den 50er Jahren: Der Christbaum
Oder noch eine rührende Geschichte von Karl dem Christbaum


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