Wenn das Kind das Töpfchen verweigert

Das Thema Sauberwerden ist eines der prägendsten in der Entwicklung. Sowohl für das Kleinkind als auch für die Eltern. Als unser Kleinster im Sommer ein erstes Mal „groß“ auf die Toilette ging, haben wir wild gewordenen Eltern Freudentänze aufgeführt und minutenlang gejubelt. Doch der Traum vom windelfreien Leben währte nur kurz.

Unsere superschönen Fäkalwochen, Teil 1 sind HIER nachzulesen.

 

Elternalltag: Glück und Tränen auf der Toilette
Elternalltag: Glück und Tränen auf der Toilette

Nachdem etwa zwei Wochen alles gut gegangen war wurden die Phasen zwischen zwei Sitzungen immer länger. Bald war klar, dass der Junior mit dem Vorgang der Essens-Endverwertung not amused war. Während wir anfangs noch auf die Natur vertrauten, die letztendlich verlässlich ihren Tribut zollte, unterschätzten wir die Willensstärke unseres sturen kleinen Löwen: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Nach über vier Tagen des Klo-Verweigerns hatte der kleine Dickschädel zwar erfolgreich das große Geschäft verweigert. Folglich bekam er mit der Zeit immer stärkeres Bauchweh.

Für uns Eltern eine Situation zum Verzweifeln: Das Kind kann aufs Klo, muss auch, aber verzwickt es. Alle zehn Minuten gab es einen Zappeltanz, Weinen, verzweifelte Blicke und den Ausruf: „I mog ned!“ Nun begannen wir den Kardinalfehler Nummer Eins: Wir googelten im Internet nach Tipps was man tun kann, wenn das Kind das Töpfchen verweigert. Dutzende Alptraum-Horrogeschichten von Kindern die monatelang Abführmittel bekamen. Verstörte Eltern. Mein Tipp für alle Eltern: NIEMALS IM INTERNET NACH TIPPS suchen! Außer im Elterntagebuch natürlich!

Nicht viel besser verlief ein Anruf beim diensthabenden Kinderarzt. Die Sprechstundenhilfe – augenscheinlich im Stress – empfahl nach Rücksprache mit dem Arzt, ein Fieberthermometer einzuführen. Hallo, unser Kleiner ist kein Baby mehr! Abermals verstörte Eltern.

Am vierten Tag der analen Trotzphase fand ich auch in der Kinderkrippe erschöpftes Personal vor, die  nun ihrerseits die Kloverweigerungs-Zappeltänze und Weinkrämpfe aushalten mussten. Hinzu kam das Problem, dass alle Ratgeber besagten, dass man das Thema Töpfchen nicht thematisieren solle. Wie bitteschön soll das funktionieren, wenn das Kind alle zehn Minuten vor Schmerzen zu toben beginnt? Ab und an gelang es für einige Stunden, dann platzte einem der Kragen und es fielen Sätze der Verzweiflung die Worte wie „Klo“ oder „Gaggin“ enthieten.

Am fünften Tag, nachdem Papa, Mama, Oma, Opa, Kinderkrippenpersonal und Bruder am Ende mit den Nerven waren, schien der sture Löwe früh morgens seine Taktik fortzusetzen. Nach einer Stunde Bauchschmerzen rang er sich aber den alles entscheidenden Satz ab: „I mog Dokta!“.

Kurzerhand fuhr ich mit dem Kleinen in die KVB Bereitschaftspraxis. Dem Gespräch mit Dr. Winter lauschte der Kleine sehr aufmerksam und mir kam es vor, dass er jedes Wort begriff, das wir austauschten. Von Dr. Winter bekam ich die entscheidenden Tipps. Klar handelt es sich um eine Trotzreaktion die ganz normal ist, wenn ein Kind gerade sauber wird. Natürlich ist es schwer, das Thema zu vermeiden. Aber man kann zumindest darauf achten, nur positiv darüber sprechen. Und: Kleinkinder brauchen einen Hocker vor der Kloschüsseln, damit sie beim Geschäft ihre Füße abstützen können. Ansonsten funktioniert das Pressen nicht. Aha, das war mir auch nicht klar. Außerdem verschrieb er mir Movicol Junior, um den Stuhlgang aufzuweichen.

Also weiter zur Apotheke und zum Rofu um einen Hocker zu kaufen. Daheim stellten wir erst den Hocker vor das Klo. Der Kleine forderte verzweifelt seine „Medizin“ ein. Und kaum hatte er einige Schluck vom Movicol Junior getrunken, begann auch schon die Erlösung. Keine Minute später saß der Kleine auf seinem Thron, die Füße fest auf den Lightning McQueen-Hocker gestützt und seine ganze Trotzhaltung der letzten Tage wurde hinuntergespült. Die Erleichterung von allen Seiten ist kaum in Worte zu fassen.

Interessanterweise erfuhr ich später, dass das Wundermittel eigentlich erst nach 1-2 Tagen wirkt. Offensichtlich musste tatsächlich ein psychologischer Trick wie der Gang zum Arzt und die Einnahme eines Placebos wirken, damit die Kopfblockade des Kindes gelöst wurde. Seitdem haben wir allerdings auch die Büchse der Pandora geöffnet. Innerhalb der nächsten 24 Stunden ist der Kleine geschätzte 16 Mal aufs Klo gegangen. Er hat die Aufregung der letzten Tage also ins Gegenteil gekehrt. Unsere volle Aufmerksamkeit ist ihm weiter sicher. Ein Riesenspaß, das sag ich Euch!

 

Hier gehts noch zu den Superschönen Fäkalwochen Teil 1

Kommentar schreiben

Kommentare: 0